Tagesarchiv: 25. April 2010

Hengameh Shahidis Mutter besorgt um Gesundheit ihrer Tochter

Veröffentlicht bei RAHANA am 25. April 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.biz/en/?p=2961

Nach Auskunft ihrer Mutter wurde Hengameh Shahidi in die Klinik des Evin-Gefängnisses gebracht

RAHANA – Am 22. April erhielt die inhaftierte Journalistin Hengameh Shahidi im Evin-Gefängnis Besuch von ihrer Familie. Der Besuch fand in einer Besucherkabine statt; Hengameh war durch eine Glaswand von ihrer Familie getrennt.

[Der Webseite] Kalemeh zufolge sagte Shahidis Muttern nach dem Besuch, ihre Tochter sei körperlich in keiner guten Verfassung und habe den größten Teil der letzten Woche in der Gefängnisklinik verbracht.

Die Mutter der Journalistin macht sich große Sorgen um ihre Tochter. Shahidi wird zur Zeit in Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses festgehalten.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Weibliche politische Gefangene in Evin veranstalten Sit-in

Veröffentlicht bei RAHANA am 25. April 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.biz/en/?p=2964

Am 25. April haben politische Gefangene der Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses mit einem Sit-in gegen die gemischte Unterbringung von Gefangenen in der Abteilung protestiert.

RAHANA – Berichte aus Evin deuten darauf hin, dass politische Gefangene im Frauentrakt von Evin heute ein Sit-in veranstaltet und von der Abteilungschefin Rezaee verlangt haben, die Gefängnisvorschriften einzuhalten, nach denen Gefangene getrennt unterzubringen sind. [Wahrscheinlich ist gemeint „getrennt nach Art des begangenen Verbrechens“, d. Übers.]

RAHANA zufolge drohte Rezaee den Gefangenen und erklärte, sie benötige zur getrennten Unterbringung der Insassinnen eine Anordnung der Staatsanwaltschaft. Die politischen Gefangen haben erklärt, dass sie ihr Sit-in fortsetzen werden, bis ihr Ziel erreicht ist. Zur Zeit sind mit Ausnahme der politischen Gefangenen alle Insassen gemäß der Vorschriften zur Trennung von Gefangenen untergebracht.

Noch gibt es keine Informationen über die Identität der beteiligten Gefangenen. Unter den politischen Gefangenen, die zur Zeit im Frauentrakt untergebracht sind, befinden sich auch Bahareh Hedayat, Mahdieh Golroo, Shabnam Madadzadeh and Shirin Alamhooyi.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Ali Hassanpours Frau: “Sagen Sie mir, was Alis letzte Worte waren”

Veröffentlicht bei Rooz Online am 25. April 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/april/25//tell-me-what-ali-said-in-his-last-moments.html
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

von Fereshteh Ghazi
Die Ehefrau von Ali Hassanpour, der bei der friedlichen Massendemonstration am 15. Juni von einer Kugel getroffen wurde, hat in einem Interview mit Rooz die Vereinten Nationen aufgerufen, den Tod ihres Ehemannes und anderer grüner Märtyrer zu untersuchen. Außerdem bat sie Zeugen, die gesehen haben, wie ihr Eheman erschossen wurde, Kontakt zu ihr aufzunehmen und ihr und ihren beiden Kindern zu berichten, was Ali Hassanpours letzte Worte waren.

Ali Hassanpour starb auf der Azadi-Avenue infolge eines Kopfschusses. Seine Leiche wurde seiner Familie 104 Tage später zur Beerdigung übergeben.

Das Foto des in seinem Blut liegenden Ali Hassanpour war eines der ersten Fotos von getöteten [Demonstranten nach der Wahl], die veröffentlicht wurden. Es wurde zu einem Symbol für die Volksproteste.

Im Gespräch mit Rooz sagte Ladan Mostafaei, Ali Hassanpours Ehefrau, sie habe eine Beschwerde gegen diejenigen eingereicht, die die Ermordung ihres Mannes angeordnet und ausgeführt haben. Ihr sei eine Entschädigung angeboten worden, aber sie und ihre Familie wollten keine Entschädigung und würden ihre Beschwerde über die Vereinten Nationen und internationale Organisationen verfolgen, wenn inländische Institutionen nicht reagieren.

Im folgenden ist das Interview mit Ladan Mostafaei abgedruckt.

Rooz: Frau Mostafaei, Sie sagen, Sie haben im Fall des Todes ihres Ehemannes eine Beschwerde eingereicht. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Ladan Mostafaei (Mostafaei): Ja, wir haben Beschwerde eingereicht, damit die Mörder meines Mannes gefunden und bestraft werden. Der Fall liegt beim Teheraner Strafgericht, und wir fragen regelmäßig nach, aber man gibt uns keine Antworten. Wir werden nicht nachlassen. Wir wollen wissen, für welches Verbrechen sie Ali getötet haben. Wie können sie auf der Straße auf ihn schießen, ohne dass irgendjemand verantwortlich dafür ist? Wer hat ihn getötet, und wer hat das angeordnet? Sie müssen sagen, welches Verbrechen mein Mann und die anderen Menschen begangen haben, das es ihnen erlaubt hat, sie am hellichten Tage zu töten.

Rooz: Wie haben Sie vom Tod Ihres Mannes erfahren?

Mostafaei: Mein Mann war einer der drei bis vier Millionen Menschen, die am 15. Juni auf der Straße protestiert und ihre Stimmen zurückgefordert haben. Er wurde an diesem Tag in den Kopf geschossen. Wir wissen immer noch nicht, ob er an diesem Tag starb oder erst einige Tage später. Seit diesem Tag um 14 Uhr, als Ali sich zuletzt bei mir gemeldet hatte, hatten wir keine Nachricht von ihm. Zwei Tage später, am Mittwoch, dem 27. Juni, druckte ein Freund ein Foto aus dem Internet aus, auf dem sein blutiger Körper zu sehen war, und wir begriffen, dass auf ihn geschossen worden war. Wir wussten nicht, dass er tot war und fingen an zu suchen. 104 Tage lang gingen wir mit diesem Foto in der Hand in jedes Krankenhaus, in jede Polizeistation, in jedes gerichtsmedizinische Institut, überallhin, sogar ins Parlament. Es gab kein Lebenszeichen von meinem Mann, und niemand wusste irgendetwas… Keiner kann sich vorstellen, was wir durchgemacht haben. Ich bitte Gott darum, dass er nicht einmal meinen Feinden auch nur einen Moment dessen zumutet, was wir in diesen 104 Tagen durchmachten. Die Fotos verbrannten uns, aber wir konnten sie nicht für eine Sekunde aus der Hand legen. Tag und Nacht starrten wir auf das Telefon in der Hoffnung, dass es irgendwelche Neuigkeiten geben würde. Wir blieben jede Nacht wach. Mein jüngerer Sohn sagte immer, vielleicht würde Papa anrufen, wenn wir schlafen. Am Geburtstag von Imam Ali sagte mein Sohn immer wieder „vielleicht hören wir heute etwas von Papa, er heißt doch auch Ali.“

Rooz: Wie alt sind Ihre Söhne? Sie haben die Fotos auch gesehen, richtig?

Mostafaei: Ich habe zwei Söhne, sie sind 21 und 15. Sie haben die Fotos und die Videos gesehen, wo Ali am Boden liegt und die Leute ihre Hände in sein Blut tauchen und hochhalten. Wir leben mit diesen Fotos und Videos. Wir haben sie bis jetzt vielleicht 200 Mal angeschaut. Diese Szenen haben uns runiniert. Mein älterer Sohn hat das Haus fünf Monate lang nicht verlassen. Mein jüngerer Sohn nimmt Medikamente unter Aufsicht eines Psychiaters. Wir schauen uns die Bilder immer wieder an und sind traurig über seine Unschuld, und gleichzeitig sind wir stolz auf ihn, weil er für sein Land und ohne Sünde starb.

Mein Mann hat (im Iran-Irak-Krieg) an der Front gedient. Er hat für sein Land und für sein Volk gekämpft, und sie haben ihn ohne jeden Grund getötet. Meine Kinder fragen immer wieder, was er getan hat. Jedes Mal, wenn sie die Bilder sehen, fragen sie. Niemand übernimmt die Verantwortung. Der Lebenswille in uns ist ausgelöscht worden, aber ich lebe und werde weiter forschen, bis ich diejenigen vor Gericht sehe, die den Mord an meinem Mann angeordnet und ausgeführt haben.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

UN-Menschenrechtskommissarin wird Iran besuchen

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 25. April 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/04/un-human-rights-high-comm.html

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay, die zuvor Besorgnis über das gewaltsame Vorgehen gegen Teilnehmer der Proteste der Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr geäußert hatte, gab bekannt, dass sie für nächstes Jahr einen Iran-Besuch plant.

UN-Menschenrechts-kommissarin Navi Pillay

Wie Reuters berichtet, gab Pillay letzten Monat bekannt, dass es Gespräche mit Offiziellen der Islamischen Republik zu der sich verschlechternden Menschenrechtssituation in Iran gegeben habe. Man habe der Islamischen Republik vorgeschlagen, Vertreter des Menschenrechtsrats zu einem Besuch in den Iran zu entsenden.

Pillay, eine frühere UN-Richterin für Kriegsverbrechen, sagte Reuters gegenüber: „Im nächsten Jahr wird mein formaler Besuch im Iran stattfinden.“

Die Islamische Republik, die alle internationale Kritik an der Menschenrechtslage im Land zurückweist, hat auf Pillays Ankündigung noch nicht reagiert.

Am Freitag hatten offizielle Stellen der Islamischen Republik bekannt gegeben, dass Iran seine umstrittene Kandidatur für den UN-Menschenrechtsrat in Genf nach einer Übereinkunft mit asiatischen Staaten zurückgezogen habe.

Der Nachrichtenagentur ILNA zufolge gab der Sprecher des iranischen Außenministeriums Ramin Mehmanparast bekannt, dass Teheran sich mit asiatischen Ländern darauf geeinigt habe, sich stattdessen um eine Mitgliedschaft in einem Gremium für Frauenrechte zu bewerben.

Irans gewaltsames Vorgehen gegen Protestteilnehmer während der letzten zehn Monate hatte internationale Kritik ausgelöst. Im Dezember hatte die UN-Generalversammlung die brutale Niederschlagung der Proteste am Ashura-Tag [7. Dezember 2009] verurteilt.

Iranische Behörden hatten tausende Menschen verhaften lassen, um die Proteste gegen die von der Opposition als gefälscht gewertete Wiederwahl Mahmoud Ahmadinejads zu unterdrücken. Mehr als 80 politische Gefangene wurden zu Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt. Zwei Menschen wurden im Zusammenhang mit den Protesten sogar hingerichtet.

Die Behörden behaupten, dass die Wahlen vollkommen legitim seien und bezeichnen die Proteste als eine vom Ausland unterstützte Verschwörung, mit der das Regime der Islamischen Republik gestürzt werden soll.

IRGC-Zeitung rechnet mit Mordanschlag auf Reformer

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 25. April 2010
Quelle (Englisch) http://en.irangreenvoice.com/article/2010/apr/25/1745

GVF – Die den Revolutionsgarden nahestehende iranische Tageszeitung Javan hat in ihrer Sonntagsausgabe einen Artikel veröffentlicht, in dem ein „Mordanschlag auf eine Reformerpersönlichkeit“ als Teil eines von den Reformern selbst geplanten Plots vorausgesagt wird. Mit diesem Plot sollen im Vorfeld des Jahrestages der gefälschten Wahlen vom Juni 2009 „Aufstände“ herbeigeführt werden.

In dem Artikel heißt es, es lägen „Nachrichten“ aus Treffen vor, die zwischen bestimmten Reformgruppen stattgefunden hätten. Demnach planten diese Gruppen zur Zeit eine „zweite Welle der Aufwiegelung“ im Land.

Der Zeitung Javan zufolge drehte es sich in den Diskussionen bei diesen „Treffen“ hauptsächlich darum, wie der „Aufruhr wiederbelebt werden“ könne. Der Begriff „Aufruhr“ wird von Regierungsanhängern für die Grüne Bewegung und ihre Führungspersonen gebraucht. In dem Bericht heißt es, die letzten Etappen des „Plots“ der Reformer seien noch nicht beendet, doch die „Welle“ werde am internationalen Tag der Arbeit (1. Mai) beginnen und sich mit jedem Tag bis zum Jahrestag des Studentenprotests im Juli 1999 verstärken.

Die Zeitung behauptet, die Opposition plane als Teil dieses „Plots“ den durch die neuen Subventionskürzungen der Regierung ausgelösten „Inflationsschock“ zu ihren Zwecken zu nutzen. Ähnlich der „sozialen Explosion“ in Kirgistan werde die Grüne Bewegung dann den letzten Schritt ihres „Aufruhrs“ umsetzen. Der Bericht fügt hinzu, als Anlass für diese „soziale Explosion“ sei die „inszenierte Ermordung eines Reformers“ vorgesehen.

Der auf verstörende Weise schlecht recherchierte Artikel zeigt die verdrehte Gedankenwelt des Autors durch den Zusatz, dass bei einem kürzlichen Treffen zwischen kurdischen Parteien, dem CIA und Mossad beschlossen worden sei, auf einen der „Anführer des Aufruhrs“ – bzw. der Grünen Bewegung – einen Mordanschlag zu verüben.

Es besteht Anlass zu wachsender Sorge, dass ähnliche Berichte und Gerüchte regierungstreuer Medien der letzten Wochen tatsächlich den Boden für einen Anschlag auf das Leben der Führer der Grünen Bewegung bereiten könnten.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben