Freigelassene Gefangene sollen für das Regime spionieren

Veröffentlicht bei Persian2English am 4. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=10217

Der Organisation Human Rights and Democracy Activists in Iran (HRDAI) vorliegenden Berichten zufolge quälen die Verhörbeamten des Geheimdienstministeriums Gefangene und ihre Familien sogar dann mit ihren ungesetzlichen Aktionen weiter, wenn die Gefangenen gegen Kaution freigelassen sind.

Die Verhörbeamten des Geheimdienstministeriums in Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses kontaktieren freigelassene Gefangene und ihre Familien per Telefon und verlangen Treffen an ungewöhnlichen Orten wie Parks und Hotels. Die meisten dieser Treffen finden im Laleh-Hotel statt und haben das Ziel, die Gefangenen zur Spionagetätigkeit für das Regime zu zwingen.

Das Ziel dieser kriminellen und unmenschlichen Methoden sind vor allem jüngere Mädchen und Frauen, manchmal auch männliche Gefangene. Wenn die freigelassenen Gefangenen bzw. ihre Familien sich diesen Forderungen widersetzen, wird ihnen von den Befragern angedroht, dass ihre Weigerung sich auf die Entscheidungen des Gerichts [über ihre Fälle] auswirken werde. Die Telefonanrufe gehen weiter, und auch andere Familienmitglieder werden auf ihren Mobiltelefonen angerufen, manchmal drei bis vier Mal am Tag.

Durch derartige Methoden entsteht für die freigelassenen Gefangenen und ihre Familien ein verstärkter Druck. In allen Phasen des Kontakts besteht der Befrager darauf, dass die Anrufe, die Treffpunkte und der Inhalt seiner Forderungen geheimgehalten werden müssen. Der Befrager droht dem Gefangenen im Falle einer Weigerung, auf diese Forderungen einzugehen, mit neuer Inhaftierung, neuen Anklagen und harten Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Elham Hassani und mehrere Unterstützer der Trauernden Mütter sind diesen kriminellen Methoden zum Opfer gefallen. Ihre Familien wurden während der letzten zwei Wochen vom leitenden Verhörbeamten der Abteilung 209 kontaktiert, einem Mann, der unter dem Pseudonym Alavi agiert, und zu Treffen aufgefordert. Dieser berüchtigte Folterer von Abteilung 209 hat Hassanis Familie immer wieder aufgefordert, seinen unmenschlichen und gesetzeswidrigen Forderungen nachzukommen. Als die Familie sich weigerte, drohte er mit ernsten Konsequenzen.

Ein weiteres Mitglied dieser Familie, Nader Hassani, der – auf der Grundlage eines konstruierten Falles – zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde, wird zur Zeit als Geisel benutzt. Die Drohungen gegen die Familie werden jeden Tag stärker.

Alavi ist für fast alle Mitglieder des CHRR (Committee of Human Rights Reporters) und für die meisten Fälle im Zusammenhang mit Menschenrechts-, Frauenrechts- und studentischen Aktivisten verantwortlich. Er war der Befrager von Shabnam Madadzadeh, Mahdieh Golroo, Atefeh Nabavi, Maryam Ziaee, Nazila Dashti und ihre beiden Söhne Houd und Hamed, Farzad Madadzadeh, Jafar Kazemi, Ali Saremi und Dutzende weiterer Gefangener, die zu langen Haftstrafen oder Hinrichtung verurteilt wurden. Er informiert die Gefangenen stets vor der Gerichtsverhandlung darüber, wie das Urteil ausfallen wird, und das Gericht hält sich in seinen Urteilen wörtlich an Alavis Vorgaben.

HRDAI wird auch weiterhin über die illegalen Aktionen der Verhörbeamten von Abteilung 209 und Herrn Alavi an berichten und diese Berichte an Menschenrechtsorganisationen weitergeben, damit sie für weitere Untersuchungen verwendet werden können. HRDAI wird außerdem in naher Zukunft weitere Fälle und eine Beschreibung Alavis öffentlich machen. Saeed Shaykhan, Sayyed, Mostafavi, Maysam und Ahad sind nur einige der Befrager, die in Verbrechen gegen die iranische Bevölkerung verwickelt sind.

HRDAI verurteilt die körperliche Folter und die unmenschlichen und illegalen Methoden, die gegen freigelassene Gefangene und ihre Familien zur Anwendung kommen und fordert die Hohe Menschenrechtskommission der UN sowie die UN-Sonderberichterstatter über Gewalt gegen Frauen bzw. über Folter auf, die systematischen und anhaltenden Verbrechen gegen die iranische Bevölkerung zu stoppen. HRDAI zeigt das iranische Regime wegen Verletzungen der Menschenrechte beim UNSC an.

HRDAI, 2. Mai 2010
Der oben genannte Bericht wurde übersandt an:
Die Hohe Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen
Den UN-Sonderberichterstatter über Gewalt gegen Frauen
Amnesty International
EU-Menschenrechtskommission

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Artikel auf Persisch: HRDAI

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