Tagesarchiv: 7. Mai 2010

Acht junge Iraner bei illegalem Konzert verhaftet

Veröffentlicht bei Persian2English am 7. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=10294

HRANA- 80 junge Iraner sind verhaftet worden, weil sie an einem illegalen Konzert teilgenommen haben. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafari Dowlatabadi gab Donnerstag Abend ein Statement heraus. Darin hieß es, 80 junge (Iraner) seien verhaftet und wegen „Teilnahme an einer Zeremonie des Vergnügens und Herumalberns“ angeschuldigt worden. Gestern Abend wurden Sicherheitskräfte und Moralpolizei darüber informiert, dass mehrere Menschen ein geheimes Konzert organisiert und von den Besuchern 30 – 35 Dollar Eintritt verlangt hätten.

Die Polizei traf mit Haftbefehlen am Veranstaltungsort ein und verhaftete 80 junge Männer und Frauen, die in (angeblich) unangemessener Kleidung an diesem illegalen Ereignis teilnahmen.

Abbas Jafari Dolatabadi erklärte weiter: „Die Akten dieser 80 jungen Menschen sowie die Anklagepunkte gegen fünf Personen, die die Eintrittskarten für das Konzert verkauften, wurden an die Teheraner Staatsanwaltschaft weitergeleitet.“

Jafari Dolatabadi erklärte: „Diese fünf Personen haben etwa 50.000 US-Doller pro Live-Konzert eingenommen. Die jungen Leute haben sich zunächst versammelt und wurden dann von Personen, die erstmalig diese Art vulgärer und unethischer Veranstaltungen organisierten und Eintrittskarten dafür verkauften, zum Veranstaltungsort gebracht.“

Er fügte hinzu: „Viele von denen, die bei dieser Party verhaftet wurden, waren in einem unnatürlichen Geisteszustand. Sowohl vor Ort produzierter als auch ausländischer Alkohol wurde bei der Veranstaltung gefunden.“

Der Teheraner Staatsanwalt gab die Indentität der Verhafteten nicht preis. Radio Farda zufolge hat die Islamische Republik sich sehr darum bemüht, Aktivitäten von offiziellen Musikgruppen zu unterbinden. Die Gruppen werden wegen ihrer Auftritte im Untergrund offiziell als „vulgär“ bezeichnet.

Ein Mitarbeiter des Ministeriums für Kultur und [Islamische] Führung erklärte, diese Personen und Gruppen benützten die Musik als Vorwand, um ihre „ungesunden Ziele“ zu erreichen.

Die Einschränkungen für Live-Konzerte hat dazu geführt, dass Iraner solche Veranstaltungen in ihren Häusern oder in großen Gärten außerhalb der Stadt veranstalten.

In einem ähnlichen Fall hatte die Polizei der Islamischen Republik vor wenigen Jahren (2007) eine Razzia bei einem inoffiziellen Rock-Konzert in der Stadt Karaj (Mohammadshahr) eine Razzia durchgeführt und 230 Personen festgenommen.

Damals hatten offizielle Medien der Islamischen Republik erklärt, das Geräte zur Aufnahme von Musik, CDs tief ausgeschnittene Kleider, alkoholische Getränke und Drogen bei dem Konzert gefunden wurden.

Die regimetreue Webseite JameJam hatte unter der Überschrift „Rap-Sänger von der Polizei gestoppt“ außerdem berichtet, dass Sicherheitsbeamte in einem Garten am Stadtrand von Karaj eine Internet-Einladung zu einem Rap-Konzert gefunden hätten, bei der die Eingeladenen über Ort und genaue Zeit der Veranstaltung im Unklaren gelassen wurden. Die Organisatoren hatten erklärt, sie würden die Interessierten über die Einzelheiten später informieren. Sobald die Beamten die Einzelheiten herausgefunden hatten, stürmten die Sicherheitskräfte die Party mit Haftbefehlen und verhafteten unzählige junge Leute, die – dem islamischen Gesetz zufolge – unangemessen gekleidet waren oder tanzten.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte angeben

Iranische Webseite veröffentlicht Liste mit Namen von 32 inhaftierten Studenten

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom an 7. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/may/07/1823
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

GVF – Nach Äußerungen von Ahmadinejads Minister für Wissenschaft, Forschung und Technologie, der letzte Woche erklärt hatte, dass lediglich „einige wenige“ Studenten nach der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet worden seien, hat die iranische [sehr weit rechts angesiedelte] Webseite Bamdad News die Namen von 32 Studenten veröffentlicht, die derzeit im Gefängnis sind. Einige der dort aufgeführten Namen sind bisher noch nie veröffentlicht worden:

1. Jahangir Abdollahi, Postgraduiertenstudent der Politikwissenschaft an der Teheran-Universität. Datum der Verhaftung: Dienstag, 26. Januar 2010

2. Ali Ajami, Jurastudent an der Teheran-Universität, Donnerstag, 21. Januar 2010

3. Milad Asadi, Student der Informatik an der Technischen Universität Khaje Nasir Toosi (KNTU), Montag, 30. November 2009

4. Soheil Mohammadi, Student der Informatik an der KNTU, Dienstag, 3. November 2009, verurteilt zu drei Jahren Gefängnis

5. Ali Parviz, Student der Informatik an der KNTU, Dienstag, 3. November 2009, verurteilt zu drei Jahren Gefängnis

6. Abbas Kakaei, Student der Sozialwissenschaften an der Teheran-Universität, Montag, 7. Dezember, verurteilt zu einem Jahr Gefängnis.

7. Mohammad Yousefi, Student der Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität Amir Kabir (AUT), Sonntag, 7. Dezember 2009, verurteilt zu vier Jahren Gefängnis.

8. Nima Latifotojjar, Student der Biomedizin an der AUT, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu achteinhalb Jahren Gefängnis.

9. Majid Tavakkoli, Student des Schiffsmaschinenbaus an der AUT, Montag, 7. Dezember 2009, verurteilt zu achteinhalb Jahren Gefängnis.

10. Mahdi Kalari, Student des Chemieingenieurwesens an der Technischen Sharif-Universität, Montag, 7. Dezember 2009. verurteilt zu drei Jahren Gefängnis.

11. Meysam Beigmohammadi, Student der englischen Sprache für Übersetzer an der Allameh Tabatabaei-Universität (ATU), 27. Dezember 2009, verurteilt zu drei Jahren Gefängnis.

12. Arsalan Abadi, Student der Ingenieurswissenschaften an der Internationalen Universität Qazvin, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu drei Jahren Gefängnis.

13. Mohsen Abdi, Student an der Bu Ali Sina-Universität, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis

14. Ardeshir Farzi, Student an der Soore-Universität in Teheran, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis.

15. Kianoush Kamrani, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Payame Noor Universität in Teheran, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu sechs Jahren Gefängnis.

16. Mohammad Ali Valian, Student der Informatik an der Damghan University of Basic Sciences, Dienstag, 12. Januar 2010, verurteilt zum Tode.

17. Milad Fadaei Asl, Student des Minenwesesn an der Freien Islamischen Universität Südteheran, Dienstag 1. Dezember 2009, verurteilt zu einem Jahr Gefängnis.

18. Sina Golchin, Student der Ingenieurswissenschaften an der zentralen Freien Islamischen Universität, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu acht Jahren Gefängnis.

19. Mohammad Ali Elahi, Student der Computerwissenschaften an der Freien Islamischen Universität Südteheran, Montag, 8. März 2010

20. Alireza Iranshahi, Student der Architektur in Qazvin, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu drei Jahren Gefängnis.

21. Shahab Akbarzadeh, Student der Architektur an der Freien Islamischen Universität Shahre Rey, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis.

22. Hamid Pirouzfam, Student der Architektur an der Freien Islamischen Universität Qazvin, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu einem Jahr Gefängnis.

23. Amir Hossein Tavakkoli, Student der Computerwissenschaften in Qazvin, Mittwoch, 11. November 2009, verurteilt zu eineinhalb Jahren Gefängnis.

24. Masoud Babapour, Student des Industrieingenieurwesens am Eyvanakey-Institute of Higher Education, Donnerstag, 3. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis.

25. Said Maleki, Student der Chemie an der Islamischen Freien Universität Varamin, Freitag, 5. Februar 2010

26. Amin Keshavarz, Freie Universität, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis.

27. Pouya Ghorbani, Student des Handelswesens an der Islamischen Freien Universität Teheran-Nord, Mittwoch, 20. Januar 2010, verurteilt zu drei Jahren Gefängnis.

28. Faramarz Abdollah Nejad, Student der Rechtswissenschafte an der Freien Universität, Samstag, 20. Juni 2009, verurteilt zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

29. Mehran Safari, Student der englischen Sprache (auf Übersetzer) in Varamin, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis.

30. Arash Ghasemi, Student des Wirtschaftsprüfungswesens an der Freien Universität Roudehen, Sonntag, 27. Dezember 2009, verurteilt zu zwei Jahren Gefängnis.

31. Ali Malihi, Student der Elektrotechnik an der Freien Islamischen Universität Teheran-Süd, Montag, 8. Februar 2010.

32. Koohyar Goodarzi, Student des Luft- und Raumfahrtswesens an der Technischen Sharif-Universität, Montag, 21. Dezember 2009.

Anmerkung d. Übers.: Meine Nachfragen im privaten Umfeld über die mir bisher nicht bekannte Webseite Bamdar News haben bisher nur ergeben, dass sie schwer einzuordnen zu sein scheint, vor allem bezüglich hinsichtlich der Seriosität ihrer Berichterstattung. Offenbar steht sie dem konservativen Lager nahe.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte angeben

Habibullah Golparipour zum Tode verurteilt

Veröffentlicht bei Iran Human Rights Voice am 7. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.ihrv.org/inf/?p=4049

Habibullah Golparipour, ein kurdischer Einwohner der Stadt Sanandaj, ist vom Revolutionsgericht der Stadt Mahabad zum Tode verurteilt worden.

Golparipour ist seit sechs Monaten in Haft. Ihm wird der Tatbestand der „Moharebeh“ (Krieg gegen Gott) mittels Verbindungen zu einer oppositionellen Partei vorgeworfen. „Moharebeh“ kann gemäß Artikel 186 und 190 des Islamischen Strafcodes mit der Todesstrafe geahndet werden.

Golparipour war zeitweilig in Gefängnissen in Mahabad und Sanandaj untergebracht. Zur Zeit befindet er sich im Gefängnis von Mahabad.

Golparipour hat 20 Tage Zeit, um gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Golparipours Rechtsbeistand Seyed Ehsan Mojtavi hat das Todesurteil gegen seinen Klienten bestätigt und erklärt, er beabsichtige innerhalb der von der Justiz vorgegebenen Zeit in Berufung zu gehen.

Quelle: Harana

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Buchmesse: Schriftstellervereinigung verurteilt wachsende Zensur in Iran

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 7. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/05/writers-association-conde.html

Internationale Buchmesse in Teheran

Die Iranische Schriftstelervereinigung hat den „wachsenden Druck auf unabhängige Publizisten“ verurteilt und vor einem „steigenden Trend zu Zensur und kultureller Unterdrückung“ in der Islamischen Republik gewarnt.

In der Mitteilung der Vereinigung heißt es: „Bei der diesjährigen Buchmesse haben die Organisatoren nicht nur für eine Atmosphäre der Angst gesorgt, indem sie Zensur und verdeckte Agenten eingesetzt haben – sie sind über diese Maßnahmen sogar noch hinausgegangen und haben in einer beispiellosen Aktion die Genehmigungen mehrerer unabhängiger Publizisten annulliert und sie in Sicherheitsbüros einbestellt.“

Die 23. Internationale Buchmesse hat am 4. Mai in Teheran eröffnet.

Es wird zudem berichtet, dass die Bücher regimekritischer Geistlicher wie Ayatollah Hossein Ali Montazeri und Ayatollah Sanei aus der Ausstellung entfernt wurden.

„Khabar Online“ berichtet, dass die Organisatoren der Messe die Bücher von Ayatollah Sanei aus der Ausstellung entfernt haben und diese nun in den Büroräumen der Messe in der Teheraner Mosala verwahren.

Ayatollah Saneis neuestes Buch, das vom Institut für die Sammlung und Veröffentlichung der Werke Imam Khomeinis veröffentlicht wurde, ist für die Buchmesse nicht zugelassen worden.

Auch Bücher von Ayatollah Montazeri wurden aus der Ausstellung entfernt. Für all diese Bücher liegen Publikationsgenehmigungen des Kulturministeriums vor.

Sowohl Ayatollah Montazeri als auch Ayatollah Sanei hatten die Proteste des Jahres 2009 unterstützt und das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten in den jüngsten politischen Unruhen verurteilt.

Auch [der Verlag] „Ayatollah Beheshti Publications“ durfte im Gegensatz zu den Vorjahren keinen Stand auf der Messe präsentieren.

Die jüngsten Proteste haben zu einer tiefen Kluft innerhalb der iranischen Geistlichkeit geführt, und die Regierung Ahmadinejad ist darauf bedacht, alle oppositionsfreundlichen Geistlichen daran zu hindern, der Opposition ihre Stimme zu geben.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben