Update: Abdolreza Ghanbari – ein Lehrer im Todestrakt

Veröffentlicht bei RAHANA am 10. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.biz/en/?p=3333

Abdolreza Ghanbari war am 4. Januar in seinem Haus in Pakdasht verhaftet und in Abteilung 209 des Teheraner Evin-Gefängnisses gebracht worden.

RAHANA – Nach wiederholten Verhören wurde Ghanbari dazu gezwungen, ein falsches Geständnis zu unterschreiben. Während seiner Verhöre durfte Ghanbari auf die Fragen des Verhörbeamten nur mit „ja“ oder „nein“ antworten. Quellen aus Ghanbaris nahem Umfeld, aber auch seine Nachbarn sagen, dass er am Tag Ashura (27. Dezember 2009) in Pakdasht gewesen sei. [1]

Wie CHRR [Committee of Human Rights Reporters, d. Übers.] berichtet, wurden während der Verhöre auch E-Mails aus dem Jahre 2007, für die Ghanbari bereits eine Haftstrafe verbüßt hatte, in seinen neuen Fall aufgenommen. Als der Lehrer zu argumentieren versuchte, dass die E-Mails aus dem Jahre 2007 stammen und er die damit verbundene Haftstrafe bereits abgesessen habe, wurde das Verhörformular zerrissen. Außerdem wurde er gezwungen, die Verantwortung für E-Mails zu übernehmen, die am 20. Januar an ihn geschickt wurden, während er in Haft saß.

Hamid Babayi, der den inhaftierten Lehrer [juristisch] vertritt, hat zwei Mal beim Amtsgericht von Evin vorgesprochen, jedoch keine Erlaubnis zur Akteneinsicht erhalten. Unterdessen fand in Abteilung 36 des Berufungsgerichts eine zuvor anberaumte Anhörung unter Vorsitz von Richter Zargar statt. Das Gericht bestätigte das Todesurteil gegen Ghanbari.

Ghanbari ist Universitätsprofessor und Angestellter der Bildungsabteilung. Er ist Autor von fünf Büchern und war von 2001 bis 2004 Mitglied des Autorenzentrums Garmsar.

Ghanbari wird zur Zeit mit drei weiteren Lehrern – Rasoul Baddaghi, Omid Ali Mehrnia und Mohammad Davari – in Abteilung 350 von Evin festgehalten.

Am Tag vor seinem ersten Gerichtsprozess am 29. Januar war Ghanbari von Richter Salavati und dem Teheraner Staatsanwalt Dowlatabadi dazu ermutigt worden, sich im Gegenzug für seine Freilassung mit einem Interview einverstanden zu erklären, das auf Band aufgenommen werden sollte. Am nächsten Tag wurde Ghanbari der Prozess gemacht, und er wurde zum Tode verurteilt. Sein vom Gericht bestellter Anwalt präsentierte eine Verteidigung von wenigen Sekunden Dauer und befand sich in absoluter Übereinstimmung mit der Anklageschrift.

Ghanbari, der zur Zeit in Zelle 9 von Abteilung 350 festgehalten wird, ist Berichten zufolge in einem schlimmen psychologischen Zustand. Sein Fall wird von Amtsrichter Hajmohammadi von Abteilung 1 des Amtsgerichts Evin geleitet. Der Amtsrichter hat dem Lehrer wiederholt mit Hinrichtung gedroht.



[1] Anm. d. Übers.: Der wesentliche Punkt der Anklage gegen Ghanbari war laut ICHRI der, dass er an den Demonstrationen zu Ashura am 27. Dezember 2009 teilgenommen haben soll und deshalb wegen Gotteslästerung (Moharebeh) angeklagt wurde. Auf Moharebeh steht im Iran die Todesstrafe.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

3 Antworten zu “Update: Abdolreza Ghanbari – ein Lehrer im Todestrakt

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  2. Pingback: Hossein Derakhshan: Todesstrafe beantragt / Emad Baghi: Sechs Jahre Gefängnis für ein Interview | Julias Blog

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