Moussavi und Rahnavard verurteilen Hinrichtungen; Behörden verweigern Herausgabe der Leichname

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 11. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Musavi_And_Wife_Condemn_Executions_As_Authorities_Fail_To_Deliver_Bodies/2039190.html
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

von Golnaz Esfandiari
Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und seine Frau Zahra Rahnavard haben in separaten Statements die Hinrichtungen von fünf Gefangenen am 9. Mai verurteilt. Die Hingerichteten sollen Verbindungen zu terroristischen Gruppen gehabt haben und in Bombenanschläge verwickelt gewesen sein.

Moussavi sagte in seinem auf der Webseite „Kalemeh“ veröffentlichten Statements, die Hinrichtungen seien als Warnung gegenüber der Opposition im Vorfeld des ersten Jahrestages der umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom letzten Jahr zu verstehen. Sowohl Moussavi als auch der reformorientierte Geistliche Mehdi Karroubi haben die Opposition anlässlich des bevorstehenden Jahrestages zu Straßenprotesten aufgerufen.

„Wie kann es sein, dass die Gerichte… im Vorfeld des Monats Khordaad [Juni], dem Monat des Gewissens und der Suche nach Gerechtigkeit, plötzlich diese fünf Menschen hinrichtet und so viele Fragen unbeantwortet lässt? Ist dies die Gerechtigkeit der Alavi (dies ist ein Hinweis auf Imam Ali), die wir gesucht haben?“

Weiter sagte Moussavi, die iranische Justiz habe die fünf Gefangenen hingerichtet, ohne der Bevölkerung „klare Erklärungen bezüglich ihrer Anklagen, ihrer Gerichtsprozesse und Verhandlungen“ zu geben. Dies entspreche der „Tendenz zum Unrecht“, die in den letzten Monaten zu der Verurteilung vieler iranischer Bürger geführt habe.

[Anm. d. Übers.: Die Übersetzung des Statements von Mir Hossein Moussavi ist hier nachzulesen]

Auch [Moussavis Ehefrau Zahra] Rahnavard erklärte, die Hinrichtungen schienen zum Ziel zu haben, die Opposition einzuschüchtern. „Sollten diese überstürzten Hinrichtungen dazu dienen, das Volk kurz vor dem Jahrestag (der Wahlen vom 12. Juni) einzuschüchtern?“ fragte sie.

„Die wichtige Frage ist, ob diese Aktion die nationale Einheit stärkt, oder ob sie zu einem nationalen Zusammenbruch und anderen negativen Folgen führen wird.“

[Anm. d. Übers.: Die Übersetzung des Statements von Zahra Rahnavard ist hier nachzulesen]

Vier der hingerichteten Gefangenen gehörten der kurdischen Minderheit an. Sie waren der Mitgliedschaft in der kurdischen Partei „Party of Free Life of Kurdistan“ (PJAK) angeklagt. In den letzten Jahren war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen PJAK und iranischen Kräften gekommen.

Die Hinrichtungen haben unter Menschenrechtsaktivisten und Intellektuellen Empörung ausgelöst. Unbestätigten Berichten zufolge ist für den 13. Mai ein Protesstreik in kurdischen Städten im Iran geplant.

Besonders aufgebracht sind viele über die Hinrichtung des kurdischen Lehrers Farzad Kamangar, der alle ihm zur Last gelegten Anklagen abgestritten hatte. Viele Iraner haben Kamangar ihren Respekt erwiesen, indem sie ihr Profilbild auf Facebook durch ein Foto von Kamangar ersetzten. Viele Videos kursieren über Kamangar, darunter auch dieses, das ihn mit seinen Schülern zeigt:

Der iranische Anwalt Khalil Bahramian, der mindestens zwei der hingerichteten kurdischen Gefangenen, darunter auch Kamangar, verteidigt hatte, sagte am 11. Mai Radio Farda von RFE/RL gegenüber, die Leichname der vier Kurden seien den Familien bisher nicht übergeben worden – aus „Sicherheitsgründen“, wie die Beamten sagen.

„Es ist eine wahre Tragödie. Was wollen (die Behörden) mit diesen Leichnamen tun? Als sie noch lebten, haben sie sie nicht toleriert und sie getötet. Warum springen sie jetzt, wo sie tot sind, so mit ihren Leichen um?“ fragt Bahramian.

Er sei darüber informiert worden, dass die Mutter und die Schwester Shirin Alam-Hoolis, einer der Hingerichteten vom Sonntag, verhaftet wurden. Es ist unklar, ob die beiden wieder freigelassen wurden oder noch in Haft sind.

Einem Statement von Human Rights Watch vom 11. Mai zufolge sind mindestens 17 weitere kurdische Gefangene im Iran von Hinrichtung bedroht.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Zusatz: Diese Seite veröffentlicht Updates zu von Hinrichtung bedrohten politischen Gefangenen (auf Englisch): http://iran.elple.net/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s