Preisgekrönter iranischer Filmemacher soll im Gefängnis in den Hungerstreik getreten sein

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 18. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/AwardWinning_Iranian_Filmmaker_Reportedly_On_Hunger_Strike_In_Jail/2046115.html

von Golnaz Esfandiari

Jafar Panahi

Der iranische Filmemacher Jafar Panahi soll im Teheraner Evin-Gefängnis in den Hungerstreik getreten sein. Er wird dort seit über zwei Monaten wegen die Sicherheit betreffenden Vorwürfen festgehalten.

Ein iranisches Kulturzentrum in Paris hat einen Brief veröffentlicht, der von Panahi stammen soll. Darin erklärt er, dass er aus Protest gegen seine Behandlung im Gefängnis in den Hungerstreik getreten sei.

In dem Brief stellt Panahi drei Forderungen: Das Recht, seine Familie zu sehen und sich zu vergewissern, dass sie gesund und wohlbehalten ist, Zugang zu einem Anwalt und seine bedingungslose Freilassung.

Er sei beschuldigt worden, in seiner Gefängniszelle Filmaufnahmen gemacht zu haben – ein Vorwurf, den er als absolute Lüge bezeichnet. Beamte hätten zudem damit gedroht, seine Familie zu verhaften und nach Evin zu bringen und seine Tochter in einer gefährlichen Haftanstalt zu inhaftieren.

In dem Brief erklärt Panahi, er werde seinen Hungerstreik so lange fortsetzen, bis seine Forderungen erfüllt sind. „Meine einzige Forderung ist, dass meine Leiche an meine Familie ausgehändigt wird, damit sie mich dort begraben können, wo sie wollen“, schreibt er.

Panahi, der international vielfach ausgezeichnet wurde – u. a. mit dem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig in 2000 – war im März in seinem Haus verhaftet worden. Viele bekannte Filmemacher, darunter Oliver Stone und Stephen Spielberg, haben seine Freilassung gefordert.

Am 18. Mai hatte der bekannte iranische Filmregisseur Abbas Kiarostami erneut Panahis Freilassung gefordert und seine Inhaftierung als „nicht hinnehmbar“ bezeichnet.

„Wenn ein Filmemacher, ein Künstler, eingesperrt ist, wird die Kunst als solche angegriffen, und darauf müssen wir reagieren“, sagte Kiarostami beim Filmfestival von Cannes, wo ein leerer Stuhl in den Reihen der Jury auf Panahis Abwesenheit hinwies.

Als die Nachricht von Panahis Hungerstreik bekannt wurde, weinte die französische Schauspielerin Juliette Binoche bei der Pressekonferenz, auf der Kiarostami sprach.

Ein Dokumentarfilm über Panahi (in persischer Sprache mit französischen Untertiteln) mit dem Titel „Vicious Circle“ [„Teufelskreis“] – eine Anspielung auf Panahis Film „Dayereh“ (Der Kreis), in dem Panahi über eines seiner Verhöre im Geheimdienstministerium spricht, wurde in Cannes gezeigt.

Panahi erzählt, wie der Geheimdienstmitarbeiter nach Beendigung des Verhörs, als er das Gefühl hatte, er habe seine Arbeit erledigt, zu ihm sagte: „Ich mag den Film ‚Dayereh'“.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

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