Richter verhängte Todesurteil angeblich auf Druck höherer Stellen

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 18. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/05/judge-death-sentence-pressure/


Das Todesurteil gegen Jafar Kazemi ist bestätigt worden. Seine Frau, Roudabeh Akbari, hat in einem offenen Brief den Generalsekretär der Vereinten Nationen darüber in Kenntnis gesetzt, dass gegen ihren Mann Gewalt angewendet wird, um ihn zu Geständnissen zu zwingen. Außerdem sei sein Strafmaß gemessen an den ihm zur Last gelegten Anklagen unverhältnismäßig. In dem Brief, der ICHRI vorliegt, heißt es, die Behörden verweigerten seiner Familie Besuche im Gefängnis.

Akbari, die Hausfrau ist und zwei Kinder hat, schreibt: „Mein Mann wurde am 18. September 2009 um 6 Uhr Morgens auf der Haft Howz Avenzue in Teheran verhaftet. Zwei Wochen lang hatte ich keine Informationen über ihn. Er wurde drei Tage lang gefoltert und verbrachte 74 Tage in Einzelhaft unter sehr schlechten Bedingungen. Meinem Mann wurde „Unterstützung und Propaganda für die Organisation Mojahedin-e Khalgh (MKO) und Zusammentreffen mit unserem Sohn in Camp Ashraf (im Irak)“ zur Last gelegt. Während der dreitägigen Folter und der drei Monate Einzelhaft hat man ihn unter Druck gesetzt, damit er ein Interview im Fernsehen gibt. Als er sich weigerte, wurde er gefoltert und heftig geschlagen, drei Zähne brachen ihm dabei. Zur Zeit ist mein Mann unter alarmierenden psychologischen und körperlichen Bedingungen inhaftiert.“

Zu Richter Moghisehs Urteil und seinen Anmerkungen dazu schreibt Jafar Kazemis Frau: „Nachdem Richter Moghiseh im ersten Verfahren das Todesurteil gefällt hatte, erhob der Anwalt meines Mannes mündlich Einspruch gegen diese schwere und unrechtmäßige Strafe. Mein Mann war nur der „Propaganda gegen das Regime“ angeklagt gewesen. Der Richter sagte daraufhin, er sei von höheren Stellen unter Druck gesetzt und gezwungen worden, dieses Urteil zu fällen. Mein Anwalt sagt, dass die dreiseitige Berufungsbegründung, die für seine Verteidigung ausgearbeitet worden war und die sich auf (den Vorwurf der) „Propaganda gegen das Regime“ konzentrierte, im (zweiten) Prozess überhaupt nicht angesprochen wurde. Das Berufungsgericht bestätigte das Todesurteil des ersten Gerichts mit zwei kurzen Sätzen. Der Richter des Berufungsverfahrens war Richter Zargar.“

Weiter schreibt sie: „Der Verhörbeamte sagte meinem Mann, sie benötigten ein paar Opfer, um das Regime zu sichern, und er sei einer der dafür ausgewählten Personen. Sie forderten meinen Mann nochmals auf, sich mit einem Interview über (die Proteste vom) Tag Ashura einverstanden zu erklären. Er lehnte jedoch ab, weil er drei Monate vor dem Tag Ashura (am 27. Dezember 2009) verhaftet worden war. Die Befrager drohten damit, dass seine Frau und seine Kinder vor seinen Augen gefoltert werden würden, wenn er das Interview nicht gebe. Obwohl sie ihm damit drohten, seine Frau in seiner Anwesenheit in Stücke zu schneiden, weigerte er sich, irgendwelche Interviews zu geben. Dann informierten sie ihn darüber, dass seine Hinrichtung beschlossene Sache sei und durchgeführt werden würde. Nach 74 Tagen Einzelhaft in Abteilung 209 wurde er zunächst in einen als „Suite“ bezeichneten Bereich und später in Abteilung 350 verlegt.“

Akbari erklärt, sie und ihre kleinen Kinder hätten Kazemi in den letzten drei Wochen nicht besuchen dürfen, obwohl sie immer wieder zum Gefängnis gefahren waren. „Unter welchem Gesetz und welcher Norm, und in welchem Land ist es ein Verbrechen, seinen eigenen Sohn zu besuchen? Wenn ein Besuch beim eigenen Kind in der Islamischen Republik als Verbrechen gilt, das der Todesstrafe unterliegt, dann ist mein Mann in der Tat schuldig.

In Anbetracht der harten Bedingungen für politische Gefangene, der fehlenden Prüfung illegaler Urteile, die die Menschenrechte und die Unschuld aller politischen Gefangenen verletzen, fordere ich eine sofortige und praktische Überprüfung einer Umwandlung der Hinrichtungsanordnung für meinen Mann. Vielen Dank. Roudabeh Akbari, Ehefrau des politischen Gefangenen Jafar Kazemi, im Mai 2010.”

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Eine Antwort zu “Richter verhängte Todesurteil angeblich auf Druck höherer Stellen

  1. Pingback: Todesurteil gegen Jafar Kazemi bestätigt | Julias Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s