Tagesarchiv: 5. Juni 2010

Fünfjährige Haftstrafe für Ashura-Demonstranten bestätigt

Veröffentlicht bei http://en.irangreenvoice.com/ am 5. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/jun/05/1999

GVF – Ein Berufungsgericht hat die Verurteilung von Rajabali (Babak) Dashab zu fünf Jahren Gefängnis bestätigt.

Der Webseite Kalemeh zufolge war Dashab, der bei den Protesten von Ashura am 27. Dezember 2009 verhaftet worden war, zunächst zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dieses Urteil ist nach der Berufung auf fünf Jahre reduziert worden. Zur Zeit wird er in Abteilung 350 des Evin-Gefängnisses festgehalten.

Seine Familie hält das Urteil für unverhältnismäßig hart. Eine vorübergehende Freilassung Dashabs wurde von offiziellen Stellen trotz des endgültigen Urteils abgelehnt.

Dashabs Ehefrau hat bei den Behörden eine vorübergehende Freilassung ihres Ehemannes beantragt, um ihrem gemeinsamen Kind, das Dashab seit seiner Verhaftung nicht mehr gesehen hat, den Schmerz etwas zu nehmen.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte http://wp.me/pHnb6-23g angeben

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Moussavi verurteilt Beleidigungen gegen Ayatollah Khomeinis Enkel

Auf Englisch veröffentlicht bei Facebook am 5. Juni 2010
Persisches Original: Kalemeh

Mir Hossein Moussavi hat in einem Statement seine Ansichten über die Ereignisse während der Feierlichkeiten zum 21. Todestag Ayatollah Khomeinis dargelegt und die organisierten Beleidigungen gegen Seyyed Hassan Khomeini, den Enkel von Ayatollah Khomeini, während der Gedenkfeier verurteilt. Er bezeichnete diese Zwischenfälle als im Voraus geplant.

Der vollständige Wortlaut des Statements:

Im Namen Gottes

Vor einigen Jahren hat der verstorbene Ayatollah Tavasoli, ein naher Vertrauter des verstorbenen Imams (Khomeini) sein Leben dem Kampf für ein Projekt gewidmet, das sich zum Ziel gesetzt hatte, Seyyed Hassan Khomeini (den Enkel Ayatollah Khomeinis) von der politischen Bühne zu beseitigen und den Imam (Khomeini) aus dem Gedächtnis der Nation auszulöschen. Der traurige und schockierende Tod Ayatollah Tavasolis hat dieses Projekt zwar unterbrochen, aber nicht gestoppt.

In diesem Jahr wurden die Feierlichkeiten zum Gedenken an das Ableben des Imam (Khomeini) am 4. Juni auf nur einen Tag begrenzt. Alle anderen öffentlichen und offiziellen Veranstaltungen, auch die am Abend des 4. und 5. Juni, wurden gestrichen. Selbst für diese verkürzte Feier war zu erwarten, dass sie sich auf die Erwähnung einiger moralischer Charakterisierungen des Imams beschränken würde. Es war zu erwarten, dass kein Wort darüber fallen würde, wie sehr dem Imam der Respekt vor den Wählerstimmen am Herzen lag und dass er das Parlament in allen Angelegenheiten als oberste Instanz ansah. Auch war abzusehen, dass die Besorgnis des Imams bezüglich der Gefahren des Radikalismus und der Diktatur für die Zukunft der Revolution ignoriert werden würde, und dass im Widerspruch zu der Demut des Imams gegenüber den schiitischen Imamen einige als Ebenbürtige des Imam Ali (des ersten schiitischen Imams) und anderen heiligen schiitischen Imamen dargestellt werden würden, diejenigen aber, die sich gegen Verstöße, Lügen, Korruption, Verfassungsverletzungen und Zerstörung des Landes infolge närrischer Politik stellen, als Gegner hingestellt werden.

[Anm. d. Übers.: Der Inhalt des hier folgenden Absatz erschließt sich mir nicht zweifelsfrei. Moussavi geht auf die Methoden der Interpretation von Geschichte und Religion ein und folgert:]
Die Konsequenzen einer solchen Interpretation von Geschichte, Religion und Prinzipien sind die jüngsten Morde und Inhaftierungen, und man sollte angesichts der praktischen Folgen und Ergebnisse die Meinung führender religiöser Persönlichkeiten über diese Interpretationsweisen hören.

Die diesjährige Gedenkfeier stand infolge der jüngsten Verbrechen Israels unter dem Zeichen härtester antizionistischer Parolen. Aber unter diesen Parolen fand sich kein einziger Hinweis auf das Interview eines arabischen Präsidenten, der ein Verbündeter des Iran ist, in dem er sagte, dass die iranische Regierung Verhandlungen seines Landes mit Israel befürwortet. Und wieder war es nicht schwer vorauszusehen, dass der Rat, den der verstorbene Imam (Khomeini) in der MacFarlane-Geschichte *) den Regierungsoffiziellen gab: „Tut nichts, was ihr dem Volk nicht erklären könnt.“

[*) Wahrscheinlich bezieht sich diese Bemerkung auf die Iran-Contra-Affäre, d. Übers.]

Ist es nicht an der Zeit, zu fragen, wer sich in all dieser betrügerischen, obskuren und schädlichen Politik als goldene Gelegenheit für die Vereinigten Staaten, Israel, MKO und die Monarchisten darbietet: Die, die Freiheit und Gerechtigkeit suchen, den Ruhm des Islam, Irans und der Iraner, durch die Rückkehr zur Verfassung und die Beseitigung von Korruption und Lüge? Oder die suspekten Kulte, die mit ihrer Politik die Arbeiterklasse, Lehrer, Angestellten, Bauern, und all die unterdrückten Klassen zerstören und die trotz all ihrer rhetorischen Verbalattacken gegen Ost und West die muslimischen Märkte den Ausländern übergeben haben?

Unterbrechungen und Beleidigungen einiger weniger Personen bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Todes von Imam (Khomeini) vor dem Podium wären ohne vorheriges Einverständnis und vorherige Planung nicht möglich gewesen. Wer wüsste nicht, dass sich immer einige in organisierter Weise vor den Podien versammeln, um Störungen wie diese zu verursachen? Auch am 4. Juni ist es so gekommen – vor laufenden Kameras und überraschten Gesichtern bedachte eine kleine Gruppe dieses Mal den Enkel des Imam (Khomeini) mit den üblichen Schmähungen; vermutlich, weil er nie beabsichtigte, das Volk allein zu lassen. Aber sie verstehen nicht, dass solche geplanten Aktionen nur dazu führen werden, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Schutzes und der Sicherheit der Erben des Imams (Khomeini) weiter wächst.

Seyyed Hassan Khomeini ist einer der leuchtenden Sterne der Geistlichenseminare und unserer nationalen Bühne, und alle Pläne, dieses Licht zu trüben, werden nichts anderes erreichen als die Beschädigung ihrer Architekten selbst.

Mir Hossein Moussavi

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Saba Vasefi: Versuchte Verhaftung, Unfall, Koma

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 5. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/06/saba-vasefi-attempted-arrest-accident-and-coma/

In einem Interview mit der Organisation International Campaign for Human Rights in Iran [ICHRI] hat eine zuverlässige Quelle bestätigt, dass die junge Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin Saba Vasefi nach einem Unfall am vergangenen Dienstag im Koma liegt. Dieser Quelle zufolge wurde sie auf dem Weg nach Shariar bei Teheran, wo sie einem Todesurteilsfall nachgehen wollte, von einem Motorrad angefahren und schlug mit dem Kopf auf einen harten Gegenstand am Straßenrand auf.

Sie verlor das Bewusstsein und fiel ins Koma. Seit mittlerweile 72 Stunden liegt sie im Koma, die Ärzte können nicht sagen, wann damit zu rechnen ist, dass sie ihr Bewusstsein wiedererlangt.

Am Montag, nur einen Tag vor dem Unfall tauchten Sicherheitskräfte im Haus von Saba Vasefi auf, um sie zu verhaften. Sie war bereits mehrmals vorgeladen und von Sicherheitsbeamten telefonisch gewarnt worden, ihre Menschenrechtsaktivitäten nicht weiter fortzusetzen. Vasefis Wohnung wurde am Montag akribisch durchsucht, ihre persönlichen Notizen, ihr Adressbuch, Bücher, sowie Unterrichtsprogramme aus der Zeit ihrer Lehrtätigkeit an der Universität wurden beschlagnahmt.

Die besagte Quelle berichtete ICHRI, dass die Sicherheitskräfte auch Dokumente über ein Forschungsprojekt mitnahmen, an dem Vasefi drei Jahre lang gearbeitet hatte. Das in ihrem Haus konfiszierte Exemplar war die Endfassung ihrer Forschungsarbeit, die sie gerade für die Veröffentlichung editierte. Vasifi arbeitete als Wissenschaftlerin am Forschungszentrum der Universität Tarbiat Modares.

Sicherheitskräfte begaben sich zu Saba Vasefis Wohnung, während ihre Familie keine Informationen über ihren Aufenthaltsort hatte. Am Dienstag konnte die Familie endlich in Erfahrung bringen, dass Saba Vasefi am Montag einen Unfall hatte. ihre Mutter und ihre Familie sind in einer sehr schlechten psychologischen Verfassung, seit sie von dem Unfall und dem Koma erfuhren. Sie hoffen, dass sie aus dem Koma aufwachen wird. Ein längere anhaltendes Koma würde sie in ernsthafte Gefahr bringen.

Hintergrund:

Am 20. Januar 2010 wurde Saba Vasefi aus unbekannten Gründen von ihrer Akademikerstelle an der Shahid-Beheshti-Universität gekündigt. Sie versuchte ohne Erfolg, die Gründe für ihre Kündigung in Erfahrung zu bringen. Sie war seit 2006 als Professorin für Persische Literatur an der Universität tätig.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Brief: An meine Tochter Shiva Nazar Ahari

Veröffentlicht bei Persian2English am 5. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=11368

Die Mutter der inhaftierten Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari schreibt an ihre Tochter.

Meine liebe Tochter,

es scheint normal geworden zu sein, Menschen dafür einzusperren, dass sie die Freiheit suchen und die Menschen lieben. Für dieses Verbrechen bist du seit mehr als sechs Monaten im Gefängnis. Als Mutter bin ich stolz auf dich. Du warst immer die beste und bist es noch immer.

Meine geliebte Tochter, als ich dein Diplom in der Universität abholte, gratulierte mir jeder Mitarbeiter dort für diese Tochter, die so viel Ausdauer hat, und sie beteten dafür, dass liebende und nach Gerechtigkeit strebende Menschen in Zukunft nicht mehr mit Gefängnis bestraft werden.

Aus dem Grunde meines Herzens rufe ich mit lauter Stimme: Ich habe Shiva auf meinem Schoß großgezogen. Und wenn jemand es verdient, im Gefängnis zu sein, bin ich es, nicht Shiva!

Darum legt mich in Ketten und lasst meine Tochter frei.

Deine Mutter
Shahrzad Kariman

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte angeben

Auf Persisch veröffentlicht bei http://manshivahastam.blogspot.com/2010/05/blog-post_2167.html

Filmemacher Mohammad Nourizad warnt vor möglichem Anschlag auf sich selbst und seine Familie

Auf Persisch veröffentlicht bei Kalemeh am 4. Juni 2010
Englische Übersetzung/Quelle dieser Übersetzung: http://negar-irani.posterous.com/19726733
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Freitag, 14. Khordaad 1389 (4. Juni 2010)

[Der bekannte iranische Filmemacher] Mohammad Nourizad ist seit sechs Monaten im Evin-Gefängnis, zwei Monate davon hat er in Einzelhaft verbracht. Seine unzähligen an den obersten Führer gerichteten kritischen Briefe und Warnungen zu den Ereignissen in Iran haben zu seiner Inhaftierung geführt. Er wird im Gefängnis geschlagen und ausgepeitscht. In einer Botschaft, die Kalemeh vorliegt, warnt Nourizad vor einem möglichen Anschlag auf sein Leben.

Der vollständige Wortlaut seiner Botschaft:

Im Namen Gottes, des Allmächtigen,

Ich, Mohammad Nourizad, Gefangener im Gefängnis von Evin, gebe bekannt, dass ich nicht länger an meine eigene physische und soziale Sicherheit glauben kann. Die Szenen mit Verhörbeamten des Geheimdienstministeriums, die ich in den letzten Monaten persönlich miterlebt habe, sowie die Geschichten, die ich von anderen Gefangenen gehört habe, lassen es für mich wahrscheinlich erscheinen, dass mir oder meiner Familie etwas unvorhergesehenes und unerwartetes zustoßen könnte.

Wenn Sie eines Tages von meinem Ableben durch eine unsichtbare Kugel erfahren – entweder, während ich noch im Gefängnis bin, oder viel später – sollen Sie wissen und sich darüber im Klaren sein, dass es das Werk anonymer Soldaten war. Anonymer Soldaten, die sich dem Imam Zaman*) aufgenötigt haben.

*) (Bezug auf Imam Mahdi, den 12. und verborgenen Imam, der eines Tages wieder erscheinen wird, um die Welt zu retten)

Mohammad Nourizad, Evin-Gefängnis, Abteilung 7

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben