Karikatur über Moussavi wieder von Reform-Webseite genommen

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 17. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Cartoon_Mocking_Musavi_Pulled_From_Reformist_Website/2074972.html

Von Golnaz Esfandiari
Die im Ausland angesiedelte populäre reformorientierte Webseite Rooz hat eine Karikatur des exiliranischen Karikaturisten Nikahang Kowsar, in der er sich über den iranischen Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi lustig macht, wieder von ihrer Seite genommen.

Dieselbe Karikatur wurde von der halboffiziellen Hardliner-Nachrichtenagentur Fars News, die Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden haben soll, nochmals veröffentlicht.

Die Karikatur zeigt Moussavi in zehn Jahren, wie er an seinem Schreibtisch sitzt und sein 300. Statement verfasst.

Kowsar zeichnete die Karikatur, nachdem der iranische Oppositionsführer sein Statement Nr. 18 [s. http://wp.me/pHnb6-29K, d. Übers.] veröffentlicht hatte, in dem er Richtlinien für die Grüne Bewegung aufzählt. Das Statement scheint im allgemeinen von der Grünen Bewegung gut angenommen worden zu sein, viele loben Moussavis Mut bei seiner Forderung nach radikalen Reformen.

Kowsar, der für Rooz arbeitet, bestätigte, dass seine Karikatur von der Webseite genommen wurde, wollte aber zu den Gründen nichts sagen. Rooz reagierte auf entsprechende Anfragen durch RFE/RL nicht.

Die Karikatur hat unter den Anhängern der Grünen Oppositionsbewegung heftige Debatten ausgelöst, viele sagen, sie habe durch die Infragestelung von Moussavis Führung und der gewaltlosen Natur des Widerstandes der Opposition gegen das iranische Establishment das falsche Signal gesetzt.

Auf die Kritik hin schrieb Kowsa auf seiner Facebook-Seite, er halte Moussavis Führung für „schwach“.

Ein Aktivist der Grünen Bewegung, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagte RFE/RL gegenüber, Kowsars Karikatur liefere den Hardlinern Munition gegen die Oppositionsbewegung. Andere wiesen die Kritik zurück und verurteilen das Löschen der Karikatur als einen Akt der „Zensur“.

Die Ahmadinejad-treue Nachrichtenagentur Fars News berichtet, die Karikatur habe „eine interessante Atmosphäre“ im „antirevolutionären“ Lager geschaffen.

Fars zufolge zeigt die Karikatur die „tiefgreifenden Unterschiede“ innerhalb der Opposition, die sie als „Aufruhr“ bezeichnet. Die Karikatur zeige, dass die Opposition das Vertrauen in Moussavis Effizienz als Führer verloren habe, so Fars weiter.

Ein im Iran ansässiger Journalist verteidigte Kowsar und schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Viele stellen die Frage, was Kowsar tun würde, wenn er an Moussavis Stelle wäre. Nikahang ist Karikaturist, kein Politiker. Wenn er in seinen Karikaturen die Regierung kritisiert, jubelt ihr, aber sobald er eine Karikatur zeichnet, die die Grüne Bewegung kritisiert, werdet ihr sauer. Überwindet die Tyrannei in euch selbst.“

Kowsar saß vor Jahren für eine Karikatur im Gefängnis, die sich über den Hardliner-Geistlichen Ayatollah Mesbah Yazdi lustig macht. Mesbah Yazdi ist Ahmadinejads Mentor.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Werbeanzeigen

6 Antworten zu “Karikatur über Moussavi wieder von Reform-Webseite genommen

  1. Ich bin auch wirklich mal gespannt wie sich die Lage weiterentwickln wird. Ich gehe mal davon aus,dass in Kurz oder Lang auch hier ein Militäreinsatz von Nöten ist. Wer weiß, ob dort Atomwaffen sind ?!

  2. Pingback: News vom 21. Juni « Arshama3's Blog

  3. Eigentlich natürlich nicht vergleichbar mit Situationen in Deutschland:

    Ich kann mich erinnern, dass während der langen, langen CDU-Ära in den 50er und 60er Jahren das deutsche Kabarett es einfach hatte, man kritisierte simpel – und zwar irgendwie aus der SPD-Perspektive, eine sehr kommode Situation.

    Als die SPD an der Regierung war, hatten sich die Kaberettisten mit ihrer inzwischen wohl zum Glaubensbekenntnis gewordenen SPD-Einstellung daran gewöhnt, die CDU zu kritisieren, und taten das – irgendwie natürlich völlig sinnlos – auch weiterhin. Die CDU begann sich außerdem (teilweise) zu sozialdemokratisieren. Die Bundesländer hatten mal diese, mal jene Regierung. Was auch immer der Fall gerade war, das deutsche Kabarett spielte die ‚Jubeltruppe‘ der SPD.

    Aus meiner Sicht: langweiliger und sinnloser ging’s nimmer. Die dazugehörigen weitbekannten Namen möchte ich nicht nennen.

    Nun, letztlich war allerdings der Effekt nicht nur negativ:
    es begann sich – befeuert durch die entsetzlich lähmende Langweiligkeit ‚pur‘ des deutschen „SPD“-Kabaretts und seiner sämtlichen fast immer wörtlich voraussagbaren Anspielungen, Floskeln,Statements und „Witze“ (!) die mehr oder weniger politikfreie „Comedy“ und Sprachkomik zu entwickeln, die vorher ein jahrzehntelanges, unbeachtetes Schattendasein gefristet hatte in Form von geschickt-witzigen Synchronisationen amerikanischer Spielfilme (Jack Lemmon und Consorten) und später in Form des witzig-coolen Synchronisationssounds einiger Italo-Western (Terence Hill u. Bud Spencer).

    Auch das weiterhin vegetierende Kabarett konnte überleben, aber nur zu dem Preis, dass in seinen Radio- oder Fernsehauftritten die zeitlichen Proportionen der a-politischen „Comedy“ bei so einer Kabarett-Sendung entschieden gesteigert wurden.

    So habe ich das Geschilderte zumindest gesehen/erlebt.

    In anderen Worten:
    Kabarettisten, Komikern, Parodisten, Witzbolden, Satirikern, Karikaturisten die Feder, das Maul oder den Zeichenstift zu verbieten, scheint mir irgendwie geist- und sinnlos sowie abwegig zu sein.
    Es sei denn, man lege größten Wert auf ein Maximum an gähnender Langeweile.

  4. Liebe Julia,

    Am19. reagierte Nikahang Kowsar auf seinem Blog dazu. Seine Artikel heißt: Antwort 1 (wohl kommen weitere Antworten)

    Ich habe gerade auf FB gesehen, dass du den Artikel von Golnaz Esfandiari übersetzt hast. Ich dachte ich übersetze dir einen Teil davon (ganz schnell; hoffe mit wenig Fehler):

    Erster Paragraph::
    „Die Diskussion vom Gestern von malen bis nicht malen hatte viele Vorteile. Erstens, ist es mir klar geworden, dass ich aus Reagieren mich so verhalte, dass ich Vielen auf die Nerven gehe, wofür keinen Grund gibt. Ich sage nicht, dass man Mousavi kritisieren soll oder nicht, nein! Aber es ist nicht notwendig, dass ich fürs Kritisieren von etwas das ich als „nichts tun“ und ein anderer als „Intelligenz“ betrachtet, die Leute traurig machen.

    Dann schreibt er über die Kommentare, die dich wahrscheinlich nicht interessieren.

    „Ich glaube, dass Kritik von der professionellen grünen Presse, für die Bewegung Vorteile hat“

    Dann weiter zu Mousavi:
    „Manche Freunde haben mich gefragt, ob mein Ziel schlecht machen von Mousavi ist. Zum tausendsten mal sage ich nein. Ich habe weder private Probleme mit ihm, noch habe ich schlechte Erinnerungen von ihm. …“

    Noch: „Kritik hat zwei Seite, eine an deiner Seite, eine an der Seite deiner Gegner. Stille gegenüber Schwächen und Probleme ist ein Fehler“

    Und er hat eine neue Mousavi Karikatur veröffentlicht:

    http://bit.ly/a4egho

    Sein letzter Kommentar zu der neuen Karikatur:
    „Trotzdem war meine Kritik nicht an Mousavi, sondern an die Anhänger von ihm, die keine Kritik vertragen konnten“

    (Kommentare und deren Bewertung sind interessant. Manche sind sauer, manche finden die Karikatur cool, manche versuchen erklären, dass es momentan keine besser, realitische Alternativen zu Mousavi gibt, aber Kritik muss sein. Ich persönlich kann alle Gruppen verstehen)

    Liebe Grüße,
    Dust and Trash

  5. Die Karrikatur würde eher für Ahmadinejad passen !

  6. „Überwindet die Tyrannei in euch selbst.“

    Das kann man den Iranern nicht oft genug sagen.
    Der einzige Weg die Vergewaltigungsdiktatur erfolgreich zu besiegen, ist die Mentalität der Tyrannei, Zensur, Lüge und Betrugs bei sich selbst in Frage zu stellen. Hört endlich auf eurem Gegenüber zu erzählen was er sagen soll und was nicht. Kritisiert und argumentiert, aber nehmt den Menschen nicht ihre Freiheit sich zu äussern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s