Kurdistan wird am 40. Tag nach Hinrichtungen vom 9. Mai “schwarz”

Veröffentlicht bei Rooz Online am 17. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/june/17//rooz-exclusive-kurdistan-to-go-dark-on-fortieth-day-of-mourning.html
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Kaveh Ghoreishi
Auch 38 Tage nach der Hinrichtung von fünf politischen Gefangenen im Teheraner Evin-Gefängnis verweigert die Regierung die Herausgabe der Leichname an die Familien. Deshalb haben kurdische Aktivisten vorgeschlagen, dass die Bevölkerung Kurdistans am 16. Juni um 22 Uhr alle Lichter ausschaltet und so den Märtyrern vom 9. Mai Respekt zollt. Dies wäre das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass die Bevölkerung Kurdistans zivilen Ungehorsam zeigt. Die Mutter Farzad Kamangars, aber auch viele politische Parteien und Bürgerrechtsgruppen in Kurdistan haben den Vorschlag begrüßt.

In exklusiven Interviews mit Rooz haben Farhad Vakilis Ehefrau und eine Verwandte Shirin Alam Hoolis sich ebenfalls positiv zu diesem Akt des zivilen Ungehorsams geäußert.

Mehrere kurdische Bürgerrechtsaktivisten, politische Aktivisten und Journalisten haben die Bevölkerung Kurdistans in einem Statement aufgerufen, als Zeichen des Respekts für die Märtyrer vom 9. Mai und als Teil des anhaltenden Protestes gegen die Todesstrafe am 16. Juni um 22 Uhr für fünf Minuten das Licht zu löschen.

In dem Statement heißt es: „Obwohl sie am 9. Mai fünf politische Gefangene hinrichten ließen, sind die Offiziellen der Islamischen Republik zu feige, um die Leichname an die trauernden Familien zu übergeben. Vielmehr erklären sie, die Leichen seien an einem geheimen Ort bestattet worden. Trotz des Generalstreiks in Kurdistan und der großen Proteste von Iranern auf der ganzen Welt setzt die Islamische Republik ihre Unterdrückung von Regimekritikern und [die Verletzung von] Menschenrechten weiterhin fort.“

In einem exklusiven Interview mit Rooz sagte Hiva Hazhir, die Ehefrau von Farhad Vakili, einem der [am 9. Mai] hingerichteten Gefangenen: „Als Ehefrau und Vertreterin der Familie des Märtyrers Farhad Vakili erkläre ich, dass ich den Plan, am 40. Trauertag für die Märtyrer die Lichter zu löschen, voll und ganz unterstütze.“

Sie dankte der Bevölkerung Irans für die Solidarität und insbesondere der Bevölkerung Kurdistans für ihren erfolgreichen Generalstreik am 13. Mai. „Unserer Ansicht nach besteht der einzige Weg, den Märtyrern vom 9. Mai Respekt zu erweisen und die verbleibenden politischen Gefangenen im Iran zu unterstützen, in der Fortsetzung des friedlichen zivilen Aktivismus, denn die Erfahrung zeigt, dass nicht-zivile Aktionen niemals dazu führen, dass die Menschen ihre Ziele erreichen.“

Obwohl den meisten Familienmitgliedern der Märtyrer von den Sicherheitsorganen verboten wurde, in Interviews über ihre Situation zu sprechen, äußerte Malaekeh Alam Hooli, eine Verwandte Shirin Alam Hoolis, in einem Interview mit Rooz ihre Unterstützung für den Vorschlag des zivilen Ungehorsams. „Als Mitglied von Shirins Familie betrachte ich es als meine Pflicht, den Menschen und den Aktivisten für ihre Unterstützung aus vollem Herzen zu danken. Wir unterstützen den Plan, am 40. Tag der Trauer um die Märtyrer das Licht zu löschen, voll und ganz. Diese Aktion ist eine Fortsetzung der zivilen Aktionen der Bevölkerung Kurdistans. Wir bitten die Menschen darum, die Familien der politischen Gefangenen nicht allein zu lassen und mit Aktionen des zivilen Ungehorsams für ihre Menschenrechte zu kämpfen.“

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

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