Iranisches Parlament lehnt Ahmadinejads Universitätsvorschlag ab

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 22. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Iranian_Parliament_Rejects_Ahmadinejad_University_Proposal/2078644.html

Die Islamische Freie Universität in Teheran

Das iranische Parlament hat einen von Präsident Mahmoud Ahmadinejad unterstützten Universitäts-Reformentwurf abgelehnt. Dies berichtet Radio Farda von RFE/RL.

Die Gesetzgeber wiesen den Entwurf am 20. Juni bei einer Bildungsdebatte ab, die eng mit politischen Rivalitäten im Land verflochten ist, wobei sie Anhänger Ahmadinejads gegen das Reformlager und einen seiner wichtigsten Führer, Ayatollah Ali Akbar Hashemi Rafsanjani ausspielten.

Der Gesetzesvorschlag betrifft die Leitung der Islamischen Freien Universität Teheran, eine der größten Universitäten des Landes. Die Hochschule ist eng mit Rafsanjani, einem früheren Präsidenten und Rivalen Ahmadinejads, verbunden.

Ahmadinejads Gesetzentwurf sah vor, den derzeitigen Leiter der Universität Abdullah Jasebi zu ersetzen und die Zusammensetzung des Verwaltungsrates zu verändern.

Mir Hossein Moussavi, ein Verbündeter Rafsanjanis, der bei der Präsidentschaftswahl im letzten Jahr offiziell Zweiter hinter Ahmadinejad wurde, war Mitglied des Verwaltungsrates der Universität gewesen, bevor er vor mehr als einem Monat im Zuge politischer Umbesetzungen aus dem Gremium entfernt worden war.

Moussavi war [zuvor] bereits aus dem Verwaltungsrat des Council of Culture and Art, der Akademie der Schönen Künste, dem Hohen Kulturrevolutionären Rat und der Teachers Training University entfernt worden.

Der in New York lebende Majid Mohammadi ist Experte für das Hochschulwesen im Iran. Er sagte Radio Farda gegenüber, die Freie Universität sei zwar eine private Institution, aber dennoch stark von innenpolitischen Entwicklungen betroffen.

„Leider wird ist die Art und Weise, wie die Freie Universität geleitet wird, schwer vorherzusagen und abhängig von den Umständen“, sagte Mohammadi.

„Sollte (die Universität) Unterstützung durch die Regierung benötigen, zählt sie als Regierungsinstitution, und der Hohe Kulturrevolutionäre Rat, ein Gremium der Regierung, würde den Verwaltungsrat besetzen dürfen“, sagte er. „Wenn es aber um die Erhebung von Schulgeld geht, handelt die Universität als private Institution.“

Er denke nicht, dass die Freie Universität sich qualitativ verbessern wird, welche Veränderungen im Management der Universität es auch immer geben werde, so Mohammadi. „Wenn die gesamte Aufmerksamkeit auf steigende Einkommen und Vermögenswerte der Universität gerichtet ist, kümmert sich niemand auch nur im Geringsten um die (allgemeine) Qualität (der Universität)“.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

2 Antworten zu “Iranisches Parlament lehnt Ahmadinejads Universitätsvorschlag ab

  1. Pingback: Irans Oppositionsführer verurteilen Angriffe auf das Parlament | Julias Blog

  2. Unabhängig von den Universitätsbelangen ist diese Nachricht ein kleines Beispiel für die Auseinandersetzungen verschiedener Fraktionen innerhalb der Machtelite Iran’s mit der sich das Regime wahrscheinlich mehr und mehr schwächt. Momentan kam die Nachricht aus Teheran, dass Ahmadinedschad Anhänger mobilisieren konnte(was auch immer das heisst, da gibt es unterschiedliche Wege zu mobilisieren..z.B. €…) vor dem Parlament gegen die Entscheidung und gegen Laridschani zu demonstrieren. Man denke, das System demonstriert jetzt gegen sich selbst…Was Sorge macht, ist der Übergang vom faulenden Apfel zu dem innerlich gesunden und frischen iranischen Granatapfel…Was wird kommen und wie?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s