Tagesarchiv: 25. Juni 2010

“Trauernde Mütter” besuchen Neda Agha Soltans Mutter

Veröffentlicht bei Persian2English am 24. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12169

Archivbild von Neda Agha Soltans Mutter mit einem Foto ihrer Tochter

Am Mittwoch Nachmittag besuchte eine Gruppe der Trauernden Mütter gemeinsam mit den Müttern von Mostafa Karimbeig und Ramin Ramezani Neda Agha Soltans Mutter und baten sie, ihre schwarze Trauerkleidung nicht länger zu tragen.

Drei Mütter sprachen während des Treffens über ihre Kinder.

Nedas Mutter sprach vom Jahrestag von Nedas Tod. Sie berichtete, dass die Zeremonie unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden habe. Gegen 17:30 Uhr hätten Sicherheitsagenten sie die gesamte Strecke von der Metrostation bis zu Nedas Grabstätte begleitet. Sie hätten niemandem erlaubt, sich dem Grabstein zu nähern. Sieben Personen versuchten, näher an das Grab heranzukommen, drei von ihnen wurden verhaftet. Sie wurden aber schließlich auf das beharrliche Drängen von Nedas Mutter hin wieder freigelassen.

Nedas Mutter berichtete: „Als ich mich bei den Sicherheitsagenten beschwerte und fragte, warum ich nicht die Freiheit hätte, jederzeit überall hinzugehen, wo ich möchte, antworteten sie, sie würden vom Volk und von der Welt zur Verantwortung gezogen werden, wenn ich von der Polizei oder von Zivilbeamten verletzt würde.“
„Um 18:10 Uhr, die Uhrzeit, zu der Neda ermordet wurde, begann ich, ihren Namen laut in den Himmel zu rufen. Um 18:20 Uhr forderten mich die Sicherheitskräfte auf, Behesht Zahra [den Friedhof] zu verlassen, und sie begleiteten mich vom Friedhof.“

Mostafa Karibeigis Mutter sprach von den Erinnerungen an ihren Sohn und erzählte, wie sie in den 26 Jahren seines Lebens jeden Moment genossen habe, den sie mit ihm verbrachte.

Ramin Ramezanis Mutter sagte, es sei schmerzhaft zu wissen, dass es nicht ausländische Feinde waren, die ihren Sohn töteten, sondern seine eigenen Landsleute, die behaupten, Muslime zu sein.

Zum Schluss sangen die Mütter zu Ehren aller Märtyrer der Freiheit im Iran Lieder wie „Aus dem Blut der Jugend des Landes“ und „Yare Dabestani“.

– Die Trauernden Mütter
(Persische Quelle: HRDAI (Human Rights and Democracy Activists in Iran)

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Angehörige von Inhaftierten beschweren sich bei der Teheraner Staatsanwaltschaft

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 25. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/06/families-of-detainees-com.html

Mehrere Familien von Gefangenen, die im Zusammenhang mit den Ereignissen nach den Wahlen im Iran [von 2009] verhaftet wurden, haben sich bei der Teheraner Staatsanwaltschaft über die „kurzen Besuchszeiten und das schlechte Verhalten einiger Gefängnisbeamter“ im Gefängnis Rajai Shahr in der Stadt Karaj beschwert.

In einem Brief, der von den Familien von Massoud Bastani, Ahmad Zeidabadi, Issa Saharkhiz, Davoud Soleymani, Rasoul Bedaqi, Mehdi Mahmoudian, Heshmatollah Tabarzadi und Reza Rafii Foroushani unterschrieben ist, wird auch gegen die Einschränkungen bei Telefonaten für politische Gefangene protestiert.

Nach den Protesten gegen den vermuteten Betrug bei der Wahl im vergangenen Juni, durch den Mahmoud Ahmadinejad in eine zweite Amtszeit als Präsident gebracht wurde, waren tausende Iraner verhaftet worden.

Viele dieser Verhafteten waren in das Gefängnis Rajai Shahr in der westlich von Teheran gelegenen Stadt Karaj verlegt worden. Dadurch entstanden weitere Einschränkungen für die Familien der Gefangenen, die nun zwischen Karaj und Teheran hin- und herfahren müssen, um ihre Angehörigen besuchen zu können.

Einige der Familien berichten, dass viele Gefangene nach einem vollen Jahr noch immer keinen Prozess hatten. Ihre ungewisse Situation sei zu einem großen Stressfaktor geworden.

„Das unangemessene Verhalten einiger Richter und Justizbeamten“ ist ein weiterer Beschwerdepunkt, der in dem Brief genannt wird.

Die Familien der politischen Gefangenen im Gefängnis Rajai Shahr fordern die Behörden auf, die Einschränkungen bei Besuchen und Telefonaten aufzuheben und sich um die Fälle der Gefangenen zu kümmern, deren Status in der Schwebe ist.

Im vergangenen Jahr waren unzählige soziale und politische Aktivisten verhaftet und zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Damit sollten die Proteste gegen den vermuteten Wahlbetrug unterdrückt werden, infolge dessen Mahmoud Ahmadinejad im Juni letzten Jahres an der Macht bleiben konnte.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Mansour Osanloos Schwiegertochter entführt und brutal misshandelt

Veröffentlicht bei Iran Labor Report am 25. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://iranlaborreport.com/?p=958

Die Organisation Human Rights and Democracy Activists in Iran [HRDAI] berichtet über die brutale Entführung und Misshandlung der Schwiegertochter des Gewerkschaftsführers der Teheraner Gewerkschaft der Busbetriebe in Teheran „Vahed „, Zoya Samadi in Karaj. Die gewaltsame Verhaftung erfolgte am 23. Juni um 17:30 Uhr am Metro-Terminal in Karaj, als Zoya gerade auf dem Nachhauseweg von der Arbeit war. Zeugen sahen, wie Zoya von Sicherheitsagenten an den Haaren aus dem Waggon gezerrt wurde, wobei sie laut rief: „Ich bin die Schwiegertochter von Osanloo“. Die Angreifer verklebten ihr daraufhin mit Klebeband den Mund und nahmen sie mit.

Drei Agenten brachten Zoya Samadi im Auto an einen unbekannten Ort, wo sie sie in einer Zelle mit Handschellen und Ketten fesselten und ihr die Augen verbanden. Sie banden sie fest und folterten sie über lange Zeit. Sie wurde brutal geschlagen, zumeist ins Gesicht und auf den Kopf, ihr Kopf wurde mehrfach gegen die Wand geschlagen. Sie erlitt Verletzungen am Zahnfleisch, an den Zähnen, am Kopf sowie Schnitte an den Armen und am rechten Bein. Ihr gesamter Körper weist Anzeichen der erlittenen Folter auf. Die Sicherheitsagenten, die sie folterten, schrieen auf sie ein: „Du musst versprechen, dass Osanloo nicht hierbleibt und nichts tun wird, wenn er aus dem Gefängnis freikommt.“

Nachdem sie gefoltert und körperlich schwer misshandelt worden war, wurde Zoya gegen 21:45 Uhr unter der Seyyed Khandan-Brücke in Teheran ausgesetzt. Ihr wurde gesagt, dass sie sich nicht beschweren und mit niemandem über das Erlebte sprechen dürfe. 24 Stunden danach hatte sich Zoya Samadi noch immer nicht von dem Schock erholt. Sie hatte monatelang Drohbotschaften von Sicherheitsagenten erhalten und war ein Mal von Abteilung 14 des Revolutionsgerichts vorgeladen worden.
Das Gericht bestreitet, Zoya damals vorgeladen zu haben.

Im letzten Jahr war sie bereits geschlagen worden und war nur knapp einer Entführung entgangen.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Rasht: Passanten schützen junge Frau vor Moralpolizei

Veröffentlicht bei Persian2English am 25. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12188

Aus der Stadt Rasht wird berichtet, dass am 24. Juni 2010 gegen 20 Uhr ein Beamter der Moralpolizei auf der Motahari-Straße eine junge Frau zur Rede stellte und versuchte, sie in sein Auto zu bekommen. Die junge Frau leistete Widerstand, ihre Mutter stellte sich zwischen sie und den Beamten und soll gesagt haben: „Nur über meine Leiche“.

Als ein weiterer Beamter aus dem Auto stieg und die Mutter mit einem Schlagstock attackierte, buhte die Menge, die sich mittlerweile um das Geschehen versammelt hatte, die Beamten lautstark aus und schlossen den Kreis um das Fahrzeug enger. Es sollen Fensterscheiben des Fahrzeugs zu Bruch gegangen sein. Kurz darauf verließen die beiden Beamten den Schauplatz. Wenige Minuten später trafen mit Schlagstöcken ausgerüstete Sondereinheiten ein und feuerten Tränengas in die Menge.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben