Oppositionsführer Karroubi kontert Khamenei: Mit Gewalt ist Einheit nicht zu erreichen

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 28. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/06/iranina-opposition-leader.html
Originaltitel: Iranian opposition leader: Violence and intimidation does not lead to unity

Mehdi Karroubi

Der iranische Oppositionsführer Mehdi Karroubi hat auf den Aufruf des Obersten Führers zur „Einheit“ reagiert. „Einheit kann nicht mit Drohungen und Druck erreicht werden“, sagte er.

Der iranische Oberste Führer Ayatollah Khamenei hatte letzte Woche zu einer Gruppe von Basij-Studenten gesagt, dass die „Wahrung der Einheit, Solidarität und des Mitgefühls [„sympathy“] in der Gesellschaft und die Vermeidung jeglicher Differenzen und Spaltungen in der jetzigen Zeit hochgradig wichtig“ seien.

Karroubi sagte, ohne sich auf den Führer zu beziehen: „Mit Gewalt und Druck, Inhaftierungen und langen Haftstrafen, mit Beleidigungen und Respektlosigkeiten gegen wichtige schiitische Führer, Drohungen und Einschüchterungen, Schließung von Zeitungen und dem Verbot politischer Organisationen kann Einheit nicht erreicht werden.“

Bei den Protesten gegen den vermuteten Wahlbetrug bei der Wiederwahl Mahmoud Ahmadinejads im vergangenen Juni waren mehr als 4000 Menschen verhaftet worden.

Die Regierung hatte im Zuge der Niederschlagung der Proteste im letzten Jahr Dutzende Journalisten sowie Menschenrechts- und Politikaktivisten verhaftet und gleichzeitig mehr als zehn Zeitungen und Publikationen geschlossen.

Der Opposition zufolge waren bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Straßendemonstranten mehr als 70 Menschen getötet worden. Mindestens drei der nach den Wahlen verhafteten Personen wurden den staatlichen Statistiken zufolge in der Haft zu Tode gefoltert.

Zwei führenden Reformorganisationen, der Islamischen Iranischen Partizipationsfront und den Mojahedin der Islamischen Revolution Irans wurde letzten Monat politisches Betätigungsverbot auferlegt.

Mehdi Karroubi fügte hinzu, der Weg zur Einheit könne nur über die Entschädigung der Opfer der Gewalt nach der Wahl, die Freilassung der politischen Gefangenen, das Vorgehen gegen die Verantwortlichen für die Gewalt gegen das Volk nach der Wahl, die Wiederherstellung der Presse- und Redefreiheit und die Arbeit politischer Parteien sowie die Tolerierung von Dissens und die Rückkehr zur Verfassung gehen.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

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