Tagesarchiv: 29. Juni 2010

Majid Tavakoli leidet an starken Unterleibsblutungen

Veröffentlicht bei Green Translations
Quelle (Englisch): http://negar-irani.posterous.com/21518441
(Auf Persisch veröffentlicht bei HRANA)

HRANA – Der im Evin-Gefängnis inhaftierte bekannte studentische Aktivist Majid Tavakoli leidet an schweren Blutungen im Bauchbereich. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide, die Gefängnisbeamten haben ihn bisher noch nicht ins Krankenhaus gebracht.

Berichten von HRANA [Human Rights Activists News Agency] zufolge war Tavakoli vor Kurzem in Abteilung 350 von Evin verlegt worden. Dort gibt es keine medizinische Ausstattung. Er litt an extrem starkem Husten, der die Blutungen verursachte. In der letzten Woche litt Tavakoli zudem an ständigem Nasenbluten, was trotz der von Mitgefangenen geäußerten Sorge von den Gefängnisoffiziellen ignoriert wurde.

Bei einem kurzen Interview mit HRANA erklärte [Majids Bruder] Ali Tavakoli, der physische Zustand seines Bruders sei ernst. Er sei die Folge einer Lungenentzündung, die sich als Folge seines trockenen Hungerstreiks und der schwierigen Bedingungen während seiner Einzelhaft in Abteilung 240 von Evin entwickelt hatte.

Auch Majid Tavakolis Mutter beschrieb seinen Zustand nach einem nur 30 Sekunden dauernden Telefonat mit ihrem Sohn als ernst und zeigte sich tief besorgt um sein Wohlergehen. Majid hatte sie während seines letzten Anrufs davon in Kenntnis gesetzt, dass es ihm in nächster Zukunft sehr wahrscheinlich nicht möglich sein würde, sich telefonisch zu melden.

Es ist äußerst wahrscheinlich, dass Tavakolis Zustand sich infolge der gegenwärtigen Bauarbeiten und der Überfüllung in Abteilung 350 verschlechtert hat. Wegen der Überfüllung schlafen Gefangene auf den Fluren. Zudem haben das Fehlen einer geeigneten medizinischen Versorgung, die schlechte Qualität und unzureichenden Portionen des Essens sowie die zeitweilige Abschaltung von Gas und Wasser zu extremen Bedingungen geführt, die die in dieser Abteilung festgehaltenen Gefangenen zusätzlich belasten.

In der letzten Woche hatten zudem verschiedene Nachrichtenagenturen berichtet, dass die Gefangenen in Abteilung 350 im Zusammenhang mit den Bauarbeiten zur Zwangsarbeit herangezogen werden.

Majid Tavakoli, ein ehemaliger Student der Amir-Kabir-Universität in Teheran, war am 7. Dezember 2009 verhaftet und später zu 8 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er ist seit seiner Verhaftung im Gefängnis.

Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

URGENT ACTION für Majid Tavakoli (Amnesty International)

Text der Urgent Action auf Deutsch

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Familie Osanloo verstärkt unter Druck

Veröffentlicht bei Persian2English am 29. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12312
(Auf Persisch erschienen bei Rooz Online)

Nur eine Woche nach dem brutalen Überfall und der Verhaftung von Zoya Samadi, der Schwiegertochter Mansour Osanloos, ist heute auch der jüngste Sohn des bekannten Arbeiteraktivisten vom Abteilung 1027 des Revolutionsgerichts vorgeladen worden.

In einem Interview mit Rooz Online nahm Mansour Osanloos Ehefrau Parvaneh Osanloo Stellung zu diesem neuesten Vorfall. „Mein Sohn wurde am 23. Juni 2009 verhaftet und nach 18 Tagen Haft wieder freigelassen. Sein Fall war damals abgeschlossen, und ich habe keine Ahnung, warum man ihn erneut vorgeladen hat.“

„Anders als an den Tagen zuvor war es am 23. Juni 2009 relativ ruhig. Mein Sohn war hinausgegangen, um Schuhe zu kaufen, als sie ihn zusammen mit einigen anderen verhafteten. Er wurde 18 Tage später freigelassen. Er hat körperlich und psychisch sehr gelitten.
Ich habe meinen Sohn damals zum Gericht begleitet und habe die medizinischen Aufzeichnungen über ihn mitgenommen. Ich informierte das Gericht darüber, dass mein Sohn nach einer noch nicht lange zurückliegenden und schweren Operation am Kopf medizinisch behandelt wird. Ich erklärte, er sei nicht in der Lage, das Haus zu verlassen und habe daher keinen Kontakt mit anderen gehabt. Sie stellten ihm ein paar Fragen und schlossen seine Akte.“

„Gestern riefen sie erneut an und bestellten meinen Sohn in derselben Sache zur Abteilung 1027. Ich habe keine Ahnung, warum. Herr Osanloo [Mansour Osanloo] ist mittlerweile seit vier Jahren im Gefängnis, und sie setzen seine Familie noch immer derart unter Druck. Der Vorfall mit meiner Schwiegertochter passierte diese Woche, und jetzt das – alles nur, um noch mehr Druck auf Herrn Osanloo auszuüben. Als ich gestern mit meinem Mann telefonierte, sagte ich nichts über die Sache mit unserem Sohn. Ich möchte erst mehr darüber in Erfahrung bringen, bevor ich es ihm sage.“

Zum körperlichen und psychischen Zustand ihrer Schwiegertochter sagte Frau Osanloo: „Psychologisch ist sie im Moment sehr schwach. Sie kann ihren rechten Arm nicht bewegen. Zoya wird im Moment ärztlich behandelt. Zur Zeit verbringen wir den größten Teil unserer Zeit damit, verschiedene Ärzte aufzusuchen.“

Frau Osanloo, die zuvor erwähnt hatte, dass sie wegen des kürzlichen Vorfalls mit ihrer Schwiegertochter rechtliche Schritte unternehmen wolle, bestätigte heute, dass sie die Justiz kontaktiert und diese aufgefordert habe, umgehend eine Untersuchung des Vorfalls einzuleiten.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Regimetreue Schläger konfrontieren Mehdi Karroubi in der Sharif-Universität

Veröffentlicht bei http://persian2english.com/ am 29. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12328
Auf Persisch veröffentlicht bei Saham News

Saham News – Am Nachmittag des 29. Juni 2010 besuchte Mehdi Karroubi die Moschee der Technischen Sharif-Universität, um der Trauerzeremonie für den Vater von Professor Mohammad Reza Aref (der unter Khatamis Präsidentschaft auch erster Vizepräsident war) beizuwohnen.

Einem Reporter von Saham News zufolge wurde Karroubi unmittelbar nach Betreten der Moschee mit Regime-Anhängern und Schlägern der Basij-Milizen konfrontiert. Die Schläger gebrauchten vulgäre Worte und riefen Parolen, die darauf abzielten, die Trauerzeremonie zu verderben. Um einen ungestörten Ablauf der Zeremonie zu ermöglichen, verließ Karroubi die Moschee.


[Video eingefügt von Persian2English]

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

s. dazu auch ausführlicheren Artikel von Radio Zamaaneh

Angehörige von Gefangenen in Evins Abteilung 350 stellen Gesuch an Teheraner Staatsanwaltschaft

Veröffentlicht bei RAHANA am 29. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.in/en/?p=4906

Familien von politischen Gefangenen in Evins Abteilung 350 haben die Teheraner Staatsanwaltschaft gebeten, die Bücherei dieser Abteilung wieder zu öffnen.

RAHANA – In Abteilung 350 – einer der öffentlichen Abteilungen des Evin-Gefängnisses, werden derzeit mehr als 200 im Zusammenhang mit den Ereignissen nach der Wahl verhaftete Gefangene festgehalten.

Der Webseite Kalemeh zufolge befindet sich diese Abteilung im Keller des Evin-Gefängnisses. Es gibt dort wenig Freizeitmöglichkeiten [„welfare facilities“]. Die einzige kleine Bibliothek dieser Abteilung, in der die Gefangenen den größten Teil ihrer freien Zeit verbrachten, ist seit einiger Zeit geschlossen. Gleichzeitig gibt es in dieser Abteilung im Gegensatz zu anderen öffentlichen Abteilungen des Gefängnisses keinerlei Sport- oder Trainingsmöglichkeiten.

Darüber hinaus nehmen Gefängnisbeamte keine Bücher an, die von Familien der in Abteilung 350 inhaftierten Gefangenen mitgebracht werden. Die Familien sind deshalb besorgt und fragen sich, was ihre Angehörigen in ihrer freien Zeit tun können.

Sie fordern von der Teheraner Staatsanwaltschaft, Abteilung 350 aufzusuchen, dafür zu sorgen, dass die Abteilungsbibliothek wieder öffnet, und sich für eine Verbesserung der Freizeiteinrichtungen einzusetzen. Denn in der Abteilung gibt es auch während der momentanen jahreszeitbedingten extremen Hitze keine Kühlung oder Klimaanlagen.

Unter den Gefangenen in Abteilung 350 sind Alireza Beheshti Shirazi, Abdollah Momeni, Ali Arab-Mazar, Keyvan Samimi, Majid Dorri, Bahman Ahmadi-Amouei, Hossein Nouraninejad, Faramarz Abdollahnejad, Mehdi Fattah-Bakhsh, Ali Bikas, Zia Nabavi, Farzad Madadzadeh, Ali Tajernia, Rajabali Dashab, Ali Zahed, Ahmad Karimi, Majid Tavakoli, Ghorban Behzadiannejad und Hossein Bastaninejad.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Zeynab Jalalians Bruder: “Viele haben ihre Hilfe angeboten, aber niemand hat etwas getan”

Veröffentlicht bei Persian2English am 29. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12287

RAHANA – Unbestätigte Berichte vom 27. Juni lassen darauf schließej, dass Zeynab Jalalian kurz vor der Hinrichtung stehen könnte. Jalalian ist zum Tode verurteilt, und es gibt keine neueren Berichte, die die Vollstreckung ihres Urteils bestätigen würden.

Jalalian wurde in der Stadt Maku (im nordwestlichen Teil der iranischen Provinz West-Aserbaidjan) geboren und ist 28 Jahre alt. Sie wurde zum Tode verurteilt, weil sie im Jahre 2009 mit der PJAK (einer kurdischen Oppositionsgruppe) kooperiert haben soll. Sie war 2009 in Kermanshah verhaftet und später in das Gefängnis von Sanandaj verlegt worden. Später wurde sie aus unbekannten Gründen in Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses verlegt. In dieser Sicherheitsabteilung wird sie festgehalten, obwohl sie bereits verurteilt wurde.

Jalalian wurde im Oktober 2009 wegen „Moharebeh“ (Kriegführung gegen Gott) zum Tode verurteilt. Das Berufungsgericht bestätigte das Urteil. Ihr Gerichtsprozess dauerte wenige Minuten, ihr Anwalt war nicht anwesend. Jalalian hat die gegen sie erhobenen Anklagen nicht angenommen.

Die jüngsten Hinrichtungen im Iran geben hinsichtlich ihrer bevorstehenden Hinrichtung Anlass zur erhöhter Besorgnis. Die Unterstützung der Öffentlichkeit wird sehr begrüßt. Trotz der Schwierigkeiten gelang es uns, mit der Hilfe anderer ihre Familie ausfindig zu machen.

Zeynabs Familie hat bezüglich der Vollstreckung ihres Urteils nichts gehört. In einem Interview mit RAHANA erklärte ihr jüngerer Bruder, die Behörden hätten nach Versuchen, etwas über den Fall herauszufinden, schließlich gesagt, dass Zeynabs Akte verloren gegangen sei.

Vor einem Monat hatte die Familie einen Anruf von Zeynab erhalten. Ihr Bruder: „Sie erwähnte, dass die im Evin-Gefängnis inhaftiert ist.“ Zeynab hat seitdem keinen Kontakt mehr aufgenommen, und die Familie konnte über ihre Situation nichts in Erfahrung bringen.

Die Familie fühle sich hilflos, so ihr Bruder. Bei ihrem letzten Kontakt mit den Behörden habe es geheißen, dass Zeynabs Akte nicht auffindbar sei und dass es keine Informationen über ihre Situation gebe.

In der Vergangenheit waren auch Akten anderer zum Tode verurteilter Gefangener verloren gegangen. Pasha Jalalian, Zeynabs anderer Bruder, sagt: „Die Familie weiß nichts über ihren Fall, und ihre Anwälte konnten nichts in Erfahrung bringen.“

Pasha zufolge hat die Familie zwei Anwälte mit Zeynabs beauftragt, die aber nichts tun konnten, weil das Gericht ihnen nie die Akten vorgelegt hat.

Pasha übte Kritik an den Menschenrechtsaktivisten und erklärte, viele hätten die Familie kontaktiert und Hilfe angeboten, aber niemand habe etwas getan. Er erwähnte, dass die Anwälte nichts tun konnten, aber man erwarte von den Aktivisten mehr. „Wenn sich nichts ändert, wird Zeynab bald hingerichtet werden, denn ihr Urteil wurde bestätigt.“

Khalil Bahramian, der Zeynab als Anwalt vertreten wollte, erklärte, er könne keinen Zugang zu den Akten erhalten, und der einzige Weg, Zeynab zu helfen, sei, den UN-Generalsekretär um seine direkte Intervention zu bitten. Trotz aller Bemühungen gibt es auch weiterhin keine Informationen über Zeynabs Situation und ihre Akte.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Petition an den UN-Generalsekretär „Save Iran from Executions“

Hintergrundinformationen und Aktionsaufruf von „Mission Free Iran“