Häuser von Baha’is im Iran zerstört

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) am 29. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Bahai_Houses_Demolished_In_Iran/2086363.html

Etwa 50 Häuser von Angehörigen der religiösen Minderheit der Baha’i sind in einem nordöstlich von Teheran gelegenen Dorf zerstört worden. Dies berichtete Radio Farda von RFE/RL.

Der Vorfall ereignete sich am 26. Juni in dem unweit der Stadt Sari in der Provinz Mazandaran gelegenen Dorf Ivel.

Am 27. Juni sprach Radio Farda mit dem Baha’i Natoly Derakhshan, der die Zerstörung der Häuser mit angesehen hatte. Er berichtete dem Sender, dass die Häuser zunächst angezündet und später von 4 Bulldozern zerstört wurden.

„Wir haben im Gouverneursamt Bescheid gesagt, dass unsere Häuser zerstört werden, aber sie haben nichts dagegen unternommen“, sagte Derakhshan.

Dies war nicht das erste Mal, dass im Iran Häuser von Baha’is zerstört wurden. Auch Friedhöfe der Baha’i wurden geschleift, zuletzt geschehen am 29. Mai in der Stadt Mashhad im Nordosten Irans.

Derakhshan zufolge lebten die Baha’is nicht ständig in den jetzt zerstörten Häusern. Sie waren 1983 gezwungen worden, die Häuser in Ivel zu verlassen.

„Den Baha’is wurde damals gesagt, dass sie zum Islam konvertieren müssten“, so Derakhshan gegenüber Radio Farda. „Sie wurden mit Spaten und Spitzhacken geschlagen und aus ihren Häusern geworfen.“

Derakhshan zufolge müssten die Baha’is seither jährlich eine Genehmigung bei der Justizverwaltung beantragen, um zur Erntezeit ihre Häuser in dem Dorf aufsuchen zu dürfen.

„Der stellvertretende (Provinz-) Gouverneur sagte zu uns, ein Gouverneur sei wie ein Arzt für die Gesellschaft. Wenn er glaubt, dass es einen Tumor gibt, der die Gesellschaft schädigen könnte, muss er diesen Tumor beseitigen“, so Derakhshan. „Sind Baha’i-Bauern die schädlichen Tumoren der iranischen Gesellschaft?“

Der Baha’i Glaube nahm im Iran im 19. Jahrhundert seinen Anfang und hat derzeit weltweit etwa geschätzte 5 Millionen Anhänger.

Während die Baha’i selbst ihren Glauben in der Tradition von Abraham, Moses, Buddha, Jesus und Mohammad verstehen, ist der Baha’ismus in den Augen der iranischen Schiiten-Regierung Ketzerei gegen den Islam.

Im Iran leben etwa 300.000 Baha’is. Menschenrechtsgruppen zufolge ist diese Gemeinschaft in der Islamischen Republik starken Repressionen ausgesetzt.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

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