“Mein Sohn war nicht einmal 15″ – Interview mit dem Vater von Mohammad Reza Haddadi

Englische Übersetzung und Veröffentlichung: http://persian2english.com/ am 4. Juli 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12477

Am Sonntag, dem 4. Juli 2010 sprach der Vater von Mohammad Reza Haddadi mit Voice of America über die Nachricht von der für den 7. Juli 2010 angesetzten Hinrichtung seines Sohnes. Lesen Sie den Hintergrundbericht vom Committee of Human Rights Reporters zu Mohammad Rezas drohender Hinrichtung.

Vater: Heute haben sie [uns] eine Notiz nach Hause geschickt, in der es hieß: „Die Qesas (Todesurteil) gegen Ihren Sohn wird am Mittwoch (7. Juli 2010) vollstreckt. Sie können Ihren Sohn am Dienstag zum letzten Mal besuchen.“

Voice of America (VOA): Von wem kam diese Nachricht?

Vom Gericht des Distrikts Shapour.

Was haben Sie unternommen?

Ich habe keine Optionen. Das Gericht muss die Hinrichtung stoppen. Es waren vier (Menschen an dem Verbrechen beteiligt). Sie waren alle zwischen 25 und 30 Jahre alt. Mein Sohn war nicht einmal 15. Sie haben ihn getäuscht und zu ihm gesagt, dass er die Verantwortung (für den Mord) übernehmen soll, und sie würden (seiner Familie) dafür etwa 60.000 bis 70.000 Dollar zahlen. Er war so dumm, die Verantwortung für das Verbrechen zu übernehmen. Der Richter schrieb irgendwas, was er wollte; das, was mein Sohn ihm erzählte, berücksichtigte er nicht und nahm es auch nicht zu den Akten. Der Oberste Gerichtshof und der Justiz(chef) bestätigten das Urteil auf der Grundlage dessen, was der Richter gesagt hatte. Ich habe ein paar Mal versucht, das Einverständnis (der Familie des Opfers) zu bekommen, aber sie haben den Polizeinotruf 110 gewählt (eine Einheit der Polizei, die auf Soforteinsätze spezialisiert ist)*, und die Polizei hat mich mitgenommen und jedes Mal bis Mitternacht auf der Wache behalten.

Warum hat die 110-Einheit Sie abgeholt?

Weil [die Familie] sie gerufen hat und behauptet hat, dass ich sie belästige und störe.

Sie meinen, die Familie des Opfers hat das getan, weil Sie versuchten, ihr Einverständnis (zur Aussetzung der Hinrichtung) zu erwirken?

Ja.

Ist jemals eine Summe als Blutgeld genannt oder erbeten worden?**

Nein. Es war nie die Rede von Blutgeld. Das ist ungerecht. Sie waren zu viert, und er war unter 15. Es waren noch drei Monate bis zu seinem 15. Geburtstag. Sie haben ihm gesagt, dass er wegen seines Alters nicht hart bestraft wird, wenn er die Verantwortung [für den Mord] übernimmt. Das ist der Grund, warum er gestanden hat.

Herr Haddadi, hat (Mohammad Reza) einen Anwalt, der sich um den Fall kümmert?

Ja, Herr Mostafaei und Frau Tahmasebi waren seine Anwälte. Aber als er verurteilt wurde, hatte er nur einen vom Gericht bestellten Anwalt, der nichts unternahm.

Konnten Sie Mohammad Reza in letzter Zeit sehen?

Nein. Jedes Mal, wenn ich ihn besuchen wollte, sagten sie mir, es sei keine Besuchszeit, und ich musste wieder nach Hause gehen.

Wo wird er zur Zeit festgehalten?

Im Gefängnis Adel Abad in Shiraz (in Südwestiran). Meine Bitte ist, dass man ihm Gnade erweist und ihm vergibt, denn es ist ein ungerechtes Todesurteil. Die Justizbeamten müssen sich auch die anderen Beteiligten vornehmen. (Mohammad Rezas) Mutter hatte Herzinfarkte und ist krank. Seine Schwester hat sich angezündet, als sie (im Herbst 2009) von dem Todesurteil gegen ihren Bruder erfuhr. Sie ist jetzt behindert. Sein anderer Bruder ist ebenfalls behindert und zu Hause. Ich habe keine Kraft mehr (um seinen Tod auszuhalten). Meine Hoffnung liegt auf Ihnen und auf Gott.

* Quelle: Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Law_enforcement_in_Iran)

** Nach der Scharia hat die Familie eines Mordopfers (und manchmal auch in Fällen von Tötung) das Recht, Qesas („Auge um Auge“, oder im Fall eines Mordes den Tod) oder als Gegenleistung für die Verschonung des Lebens des Täters Blutgeld zu verlangen.

Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

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Eine Antwort zu ““Mein Sohn war nicht einmal 15″ – Interview mit dem Vater von Mohammad Reza Haddadi

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