Gespräch mit einem der Gefangenen von Kahrizak

Veröffentlicht bei Enghelaab (ohne Datum)

Am 18. Tir [9. Juli 2009, d. Hrsg.], um halb vier oder vier Uhr nachmittags bin ich an die Kreuzung Vali Asr gekommen und zum Vali Asr-Platz weitergegangen. Die Straße war ziemlich voll, und je näher ich an den Platz kam, desto mehr Menschen waren dort. Alle haben Parolen gerufen. Die Polizei und die Spezialeinheiten haben uns ein paar mal angegriffen, sie versuchten uns zu belagern. Ich wurde ein paar Mal geschlagen, aber ich konnte weglaufen.

Ich saß an einem Straßenrand und habe mich etwas ausgeruht. Ein Agent in Zivil rief mich. Erst hatte ich Angst, dass sie mich erkannt haben. Genau in diesem Moment hat jemand mich von hinten festgehalten und meine Hände zusammengebunden. Weil ich schwarz gekleidet war und ein wenig Bart hatte, dachten sie zuerst, dass ich vielleicht ein Basiji bin, aber andere Baisjis dort haben gesagt, dass sie mich nicht kennen. Sie haben mir mein Mobiltelefon abgenommen und einer Basiji-Frau gegeben. Ich habe sie gebeten, meine Familie anzurufen und Bescheid zu sagen, dass ich verhaftet bin, aber sie haben mich mit Gewalt und unter Beleidigungen ins Auto geworfen und zur Polizeistation 107 gebracht. Ich habe ihnen meine Adresse gegeben, damit meine Familie mich finden kann.

Es gab kein Abendessen, und Frühstück gab es nur gegen Geld. Nachdem sie uns verhört hatten, haben sie uns verteilt, manche wurden nach Evin gebracht, manche nach Kahrizak. Am Tor von Kahrizak haben die Behörden gesagt, dass das Gefängnis voll ist, aber schließlich wurden wir hineingebracht.

Als wir rein kamen, mussten wir uns nackt ausziehen, und sie haben unsere Informationen gesammelt. Sie waren sehr unhöflich und haben uns mit schlimmsten Worten beschimpft. Beim Hinein- und Hinausgehen mussten wir uns sehr beeilen, sonst wurden wir hart geschlagen. Deswegen waren viele verletzt. Als ich reinkam, hatte ein Freund von mir ein Stück Brot in der Hand, und das wurde ihm von einem Gefangenen, der schon dort war, abgenommen und sofort aufgegessen. Da verstanden wir, an was für einem Ort wir waren.

In dem Hangar war es sehr schmutzig. Der Boden war nass von unserem Schweiß. Dort gab es viele sogenannte „normale Gefangene“, die Gauner genannt wurden. Sie waren zum Teil sehr unangenehme Menschen, so dass viele von uns Angst hatten, allein auf die Toilette zu gehen. Aber es gab unter ihnen auch Menschen, die uns vor den anderen geschützt haben. Es gab keinen Platz zum Schlafen, und die enorme Hitze hat uns alle fertig gemacht. Ich habe dort nur zwei Stunden geschlafen.

Die Agenten dort haben jede Gelegenheit genutzt, um uns zu schlagen. Sie haben Amir [Javadifar] auch oft geschlagen, obwohl er krank war und Fieber hatte. Mohsen [Rouholamini] war ein sehr netter Junge, er hat vielen geholfen und sich bemüht, damit die Stimmung nicht schlecht wurde. Er hat für uns „Ziyarat Ashoora“ gesungen, und wir haben alle zusammen gesungen, auch manche der „normalen“ Gefangenen. Ungefähr 20 von uns Gefangenen waren in einem Käfig, und sie haben schrecklich gelitten.

Das Essen bestand aus verschimmelte Kartoffeln mit Wasser, das wie Abwasser stank, und es gab auch nie genug. Der Hangar hatte ein kleines Fenster, durch das sie Abgase hineingeleitet haben, so dass viele von uns sehr krank wurden und schreckliche Entzündungen bekamen. Sie haben uns an den Beinen aufgehängt.

Wir haben alle furchtbar gestunken. Viele von uns hatten schlimme Entzündungen, und manche starben, wie Amir. Am 23. Tir [14. Juli] haben sie uns in die Busse nach Evin gesetzt und uns unter die Dusche gestellt. Die Wachen setzten sich Hygienemasken auf, bevor sie sich uns näherten.

Dort habe ich gehört, dass Kahrizak nach dem Tod von Amir und Mohsen geschlossen wurde.

Übersetzung aus dem Persischen: Hadi, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

2 Antworten zu “Gespräch mit einem der Gefangenen von Kahrizak

  1. Pingback: Dokument: Die Anklageschrift des Kahrizak-Prozesses | Julias Blog

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