Maryam Ghorbanzadeh: Zwangsabtreibung im 6. Monat, akute Hinrichtungsgefahr

Javid Kian, dem Anwalt der 25jährigen Maryam Ghorbanzadeh zufolge haben Justizoffizielle (vor allem Saeed Mortavavi) in einem Schreiben an Geheimdienst- und Sicherheitsstellen der Justiz [„Judiciary intelligence and security“] beschlossen, dass der Fall Maryam Ghorbanzadeh gelöst werden müsse, damit man sich mit dem Fall von Sakineh Mohammadi Ashtiani befassen kann.

Javid Kian sagte gegenüber Rooz: „Sämtliche Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den Fall von Sakinez Mohammadi Ashtiani, während das Leben von Frau Ghorbanzadeh in Gefahr ist. Im Gefolge der Proteste gegen das Steinigungsurteil Ashtianis haben (die Behörden) das Urteil gegen Frau Ghorbanzadeh von Steinigung in Tod durch Erhängen umgewandelt. Das Urteil wurde bereits an die Vollstreckungsstelle übersandt. Sie kann jeden Moment hingerichtet werden.“

Ghorbanzadehs Fall ähnelt dem Fall Sakineh Ashtianis, so Javid Kian. Auch Ghorbanzadeh war zum Tod durch Steinigung verurteilt, doch nach internationalen Protesten gegen den Fall Ashtiani übergab der stellvertretende Generalstaatsanwalt von Tabriz, Nobakht, den Fall an Abteilung 12 des Provinzstrafgerichts. Erklärung: Der Fall könnte zu viel Staub aufwirbeln und das Image des Islam schädigen. Abteilung 12 wandelte das Steinigungsurteil in Tod durch Erhängen um.

Javid Kian fügt hinzu: „Ich kann nur fordern, dass dieser Fall wieder aufgenommen wird und um einen neuen Prozess bitten. Beides habe ich getan. Es ist allerdings unklar, ob man meiner Bitte entsprechen wird. Der Fall befindet sich zur Zeit leider in Abteilung 7, wo Todesurteile bearbeitet werden.“

Kian beschreibt, wie und warum seine Klientin verhaftet wurde: „Der Ehemann von Frau Ghorbanzadeh war übermäßig paranoid. Das ging so weit, dass er Frau Ghorbanzadeh täglich zwang, Schlaftabletten zu nehmen, bevor er das Haus verließ, und sie im Haus einschloss, so lange er fort war. Wegen dieser Störung war er bereits zwei Mal geschieden. Alle Fakten dieses Falls sind verfügbar. Frau Ghorbanzadeh konnte monatelang das Haus nicht verlassen, bis sie irgendwann eine Beziehung mit einem Mann begann, der zum Mörder ihrer Frau wurde. Ich weise darauf hin, dass sie bei dem Mord keine Rolle spielte und dass der Mord mit ihr nichts zu tun hat. Der Mörder wurde gegen Kaution freigelassen. Nach dem Mord ging Frau Ghorbanzadeh mit dem neuen Mann eine Ehe auf Zeit (Sigheh) ein. Die Bescheinigung über die Schließung dieser Sigheh liegt ebenfalls vor. Jedenfalls sorgte die Familie des Opfers, die das Erbe beanspruchte und Frau Ghorbanzadeh nichts davon abgeben wollte, für die Verhaftung des zweiten Ehemannes. Bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Videoaufnahme gefunden, die Frau Ghorbanzadeh und ihren Ehemann auf Zeit beim Geschlechtsverkehr zeigte. Die Aufnahme wurde vom Richter in Abteilung 12 als Beweis benutzt, auf dessen Grundlage Frau Ghorbanzadeh zum Tode durch Steinigung verurteilt wurde. Unser Argument, dass unsere Klientin und der Mann offiziell verheiratet sind, wurde nicht berücksichtigt. Der Richter sagt, dass die Aufnahme zu einer Zeit entstand, als Frau Ghorbanzadeh noch mit ihrem (ersten) Ehemann verheiratet ist und dass das in der Aufnahme angegebene Datum darauf hinweist, dass diese vor (der Ermordung des ersten Ehemannes) entstand.

Abtreibung am Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels

Javid Kian berichtet weiter, dass Frau Ghorbanzadeh zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung schwanger war. „Im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft wurde Maryam zu einer Abtreibung gezwungen, damit sie hingerichtet werden kann. Es ist nämlich nicht erlaubt, eine schwangere Frau hinzurichten. Wir haben vehement dagegen protestiert und argumentiert, dass der Fötus im zweiten Schwangerschaftsdrittel als menschliches Wesen gilt. Wir führten an, dass eine Zerstörung des Fötus als Mord gilt, aber unser Protest wurde nicht beachtet.
Die Kontroverse um den Fall Sakineh Mohammadi Ashtiani hat dazu geführt, dass Maryams Fall beschleunigt wurde. Maryam zahlt jetzt den Preis.“

Kian bezeichnet den emotionalen und psychischen Zustand seiner Klientin als äußerst schlecht. „Maryams emotionaler Zustand ist leider alles andere als gut und hat sich nach der Abtreibung noch verschlechtert. Jetzt steht ihr die Hinrichtung bevor, und man kann nur versuchen, sich vorzustellen, was sie durchmacht.“

Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Englische Übersetzung veröffentlicht bei Persian2English am 13. August 2010
Original (Persisch): Rooz Online

2 Antworten zu “Maryam Ghorbanzadeh: Zwangsabtreibung im 6. Monat, akute Hinrichtungsgefahr

  1. Ich glaube, sie wird keine Chance haben, ihrem Todesurteil zu enkommen.

  2. Pingback: Können jeden Augenblick hingerichtet werden: Sakineh, Maryam, Kobra und Azar | Julias Blog

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