Interview mit dem Sohn des politischen Gefangenen Rahim Rash (seit 26 Tagen im Hungerstreik)

Saman Rasoulpour, Reporter bei Rooz Online, sprach in einem Interview mit Soran Rash, dem Sohn des politischen Gefangenen Rahim Rash, über den körperlichen Zustand seines Vaters. Rahim Rash befindet sich seit mittlerweile 26 Tagen in einem Hungerstreik, mit dem er gegen Folter und seine Inhaftierung protestiert. Rahim Rash ist in einem kritischen Zustand. Soran Rash: „Mein Vater wurde in der Haftanstalt von Orumiyeh (im Nordwesten Irans) gefoltert. Obwohl er schon viel Gewicht verloren hat und nicht mehr ohne Hilfe gehen kann, will er  seinen Hungerstreik fortsetzen.“

Rooz Online: Herr Rash, was ist Ihr letzter Informationsstand über die Situation Ihres Vaters? Ist er immer noch im Hungerstreik?

Soran Rash: Am Sonntag haben wir ihn mit der Familie besucht. Er sagte, dass er seinen Hungerstreik fortsetzt. Mittlerweile dauert er 26 Tage.

Wo fand der Besuch statt? Wie ging es Ihrem Vater körperlich?

Wenige Tage vor unserem Besuch war mein Vater vom IRGC-Gefängnis [der Revolutionsgarden, d. Übers.] in das allgemeine Gefängnis von Mahabad verlegt worden. Zuvor hatte sich sein Gesundheitszustand verschlechtert. Unser Besuch fand nach der Verlegung statt. Er hat sehr stark abgenommen, und sein Zustand ist kritisch. Er wurde mehrfach in die Gefängnisklinik eingeliefert und hat Infusionen bekommen [„was connected to serums“]. Mein Vater kann sich nicht auf den Beinen halten und nur mit Hilfe anderer gehen.

Herr Rash, was hat Ihr Vater über die gegen ihn erhobenen Anklagen gesagt? Wie wurde er von den Sicherheitsbeamten behandelt?

Sie haben die Anklagepunkte gegen meinen Vater mündlich mitgeteilt. Sie lauten „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ und „Feindschaft gegen Gott“. Mein Vater sagte,  dass er im Gefängnis Orumiyeh gefoltert und misshandelt wurde.

Ihr Vater wurde gefoltert, während er sich im Hungerstreik befand?

Ja. Mein Vater trat einen Tag nach seiner Verhaftung in den Hungerstreik, und er setzt ihn bis heute fort. Er wurde in der Haftanstalt des Geheimdienstes der Revolutionsgarden in Orumiyeh gefoltert. Mein Vater sagt, einer der Gründe, warum er seinen Hungerstreik fortsetzt, seien die Folterungen und Misshandlungen, denen er ausgesetzt war. Wir wissen nicht im Einzelnen, wie er gefoltert wurde.

Wurde ein Prozesstermin festgesetzt? Ist es möglich, dass er vor dem Prozess freigelassen wird?

Mein Vater hat keine der Anklagen akzeptiert. Aus unserem Dorf wurden gleichzeitig mit meinem Vater noch drei andere verhaftet. Diese drei sind im Moment in der Sicherheits- und Geheimdienstabteilung in Orumiyeh. Mein Vater sagt, dass gute Chancen bestehen, dass dieser Prozess nicht stattfinden wird, bevor auch die anderen drei in das Gefängnis von Mahabad verlegt worden sind.

Liegen gegen sie alle die gleichen Anklagen vor?

Mein Vater und die drei anderen wurden am selben Abend verhaftet, und sie [sic, logischer wäre „er“, d. Übers.] wurden in die Haftanstalt Mahabad gebracht. Darum glauben wir, dass mein Vater wahrscheinlich erst vor Gericht kommen wird, wenn auch die anderen nach Mahabad verlegt wurden. Der Grund für die Verlegung meines Vaters war sein Hungerstreik. Natürlich sehen wir keine Verbindung zwischen der Situation meines Vaters und ihnen.

Hat Ihre Familie Herrn Rash angesichts seines schlechten Zustands gebeten, den Hungerstreik einzustellen?

Die Gefängnisbeamten, meine Mutter und auch mein Bruder haben ihn gebeten, seinen Streik zu beenden. Anfangs protestierte mein Vater mit dem Hungerstreik gegen seine Inhaftierung, aber nachdem er im Gefängnis misshandelt worden war, ist er noch entschlossener als vorher, seinen Hungerstreik fortzusetzen.

Obwohl sein körperlicher Zustand sich dramatisch verschlechtert hat?

Ja. Mein Vater war 1997 schon einmal verhaftet worden und ins Gefängnis von Saghez gekommen. Damals hielt es niemand für möglich, dass er einen 36tägigen Hungerstreik durchhalten kann. Irgendwann wurde mein Vater auf einer Trage nach Hause gebracht. Der Arzt (in dem Fall damals) sagte, wenn mein Vater den Hungerstreik noch länger fortgesetzt hätte, hätte er nur noch wenige Tage überlebt. Die Nachricht wurde damals nicht in den Medien gebracht, denn damals waren das Internet und andere Formen der Medien noch nicht überall vorhanden. Trotz alledem wurde mein Vater entlastet und kam frei. Auch dieses Mal ist mein Vater entschlossen, seinen Hungerstreik so lange fortzusetzen, bis er freigelassen wird.

Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Englische Übersetzung veröffentlicht bei Persian2English am 18. August 2010
Quelle (Persisch): Rooz Online, 17. August 2010

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s