Iran verurteilt internationale Einmischung in juristische Angelegenheiten

Sakineh Mohammadi Ashtiani

Die Menschenrechtsbehörde der iranischen Justiz hat die internationale Gemeinschaft dafür kritisiert, sich „ohne über verlässliche Quellen zu verfügen“ gegen den Fall Sakineh Mohammadi Ashtiani positioniert zu haben.

Die iranische Justiz hatte Sakineh Mohammadi Ashtiani wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt.

Aus der weltweiten Empörung gegen das Urteil war eine Kampagne gegen die Steinigung entstanden. Der Iran hatte daraufhin erklärt, das Steinigungsurteil sei zurückgezogen worden, Mohammadi Ashtiani sei jedoch nach wie vor zum Tode verurteilt.

Die USA, die EU, Großbritannien und internationale Menschenrechtsgruppen haben versucht, die Hinrichtung zu verhindern.

Der staatlichen Nachrichtenagentur ILNA zufolge bezeichnete die Menschenrechtsbehörde der iranischen Justiz die Reaktionen auf den Fall Mohammadi Ashtiani als „eine Art ungerechtfertigtes, unfaires und voreingenommenes Vorurteil“. [Das iranische Regime ist für seine rhetorische Brillianz bekannt, d. Übers.].

Die iranische Menschenrechtsbehörde betont, es „obliege“ ihr nicht, Inhalte eines juristischen Falles zu rechtfertigen. Diese Erklärung sei vorbereitet worden, um „die Öffentlichkeit aufzuklären“.

Die Menschenrechtsbehörde erklärt weiter, es sei ihren Bemühungen zu verdanken, dass das Steinigungsurteil trotz der „Endgültigkeit“ des Urteils zurückgenommen wurde.

In der Erklärung heißt es außerdem, die Anklagen gegen Frau Mohammadi Ashtiani seien „entsprechend des vorliegenden Beweismaterials bewiesen“. Die Beweise sprächen für ihre Komplizenschaft beim Mord an ihrem Ehemann.

Sakineh Mohammadi Ashtiani war 2009 des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt worden; der Fall war jedoch mit Einverständnis der Familie des Opfers fallengelassen worden. Das Steinigungsurteil wurde später im Zusammenhang mit der Anklage wegen „Ehebruchs“ verhängt, obwohl Ashtiani bereits ausgepeitscht worden war, weil sie nach dem Tode ihres Mannes sexuelle Beziehungen mit zwei Männern unterhalten hatte.

Vor zwei Wochen hatte Mohammadi Ashtiani im staatlichen iranischen Fernsehen den Mord an ihrem Mann gestanden.

Einer ihrer Anwälte, Javid Kian, sagte den Medien gegenüber: „Frau Mohammadi wurde in Zelle 37 des Gefängnisses von Tabriz gebracht und dort gezwungen, Aussagen zu machen, mit denen sie sich selbst belastete. Diese Geständnisse erfolgten jedoch nicht unter normalen Bedingungen. Nach allem, was ich erfahren habe, wurde Frau Mohammadi heftig geschlagen und zu dem Interview gezwungen.“

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 28. August 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/08/iran-condemns-internation.html
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Eine Antwort zu “Iran verurteilt internationale Einmischung in juristische Angelegenheiten

  1. Am 20.08.2010, erschienen zwei informative FAZ-Artikel zum Fall Sakineh Ashtiani

    1) zum ‚Background‘ sowie zu konkreten Details:

    FAZ-Artikel „Eine Frau soll gesteinigt werden“
    von der Feuilleton-Redakteurin Karen Krüger

    http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E0CDE54949EBF441CBE7FEC3931D02982~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    2) zum kulturell-religiös-juristischen Kontext im Allgemeinen:

    FAZ-Artikel „Koranische Strafe, die nicht im Koran steht“
    aus der Feder des Orientalisten und Islamwissenschaftlers Tilman Nagel

    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E9D2618B550364F17B62F2B7EBA2F9F7A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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