Sakineh Ashtiani: Sohn berichtet von Scheinhinrichtung

Sakineh Mohammadi Ashtiani

Der Sohn der zum Tode durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani berichtet, dass seine Mutter im Gefängnis von Tabriz Opfer einer Scheinhinrichtung wurde und jetzt unter immensem psychologischem Druck steht.

Der britischen Tageszeitung Guardian zufolge sagte Sajjad Ghaderi, Ashtianis Sohn, die Gefängnisbehörden in Tabriz hätten seiner Mutter mitgeteilt, dass ihr Todesurteil am folgenden Tag vollstreckt werden würde. Sie soll ihr Testament geschrieben und sich von ihren Zellengenossinnen verabschiedet haben. Das Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt.

Ghaderi zufolge steht seine Mutter zur Zeit unter großem psychischem Druck und darf weder zu ihrer Familie noch zu ihrem Anwalt Kontakt aufnehmen.

Die Behörden hätten seine Mutter damit für die internationalen Proteste gegen den Fall bestrafen wollen, so Ghaderi.

Am Samstag hatten in etwa 100 Städten auf der ganzen Welt Demonstrationen und Zusammenkünfte gegen Ashtianis Todesurteil stattgefunden.

Die 43jährige zweifache Mutter war wegen „rechtswidriger außerehelicher Beziehungen“ in 2006 zu 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Nachdem ihr Mann ermordet worden war, prüfte ein anderes Gericht ihren Fall nochmals. Sie wurde zwar vom Vorwurf des Mordes freigesprochen, aber des Ehebruchs für schuldig befunden und zum Tode durch Steinigung verurteilt.

Nun berichtet Sajjad Ghaderi, dass die Behörden behaupten, die Akte über den Mord an seinem Vater sei verlorengegangen. „Sie lügen, was die Anklagen gegen meine Mutter betrifft. Sie wurde vom Vorwurf des Mordes an meinem Vater freigesprochen, aber die Regierung konstruiert einen neuen Fall gegen sie.“

Letzte Woche war das Haus von Ashtianis Anwalt Houtan Kian von Zivilagenten durchsucht worden. Dabei wurden Dokumente, die mit dem Fall zusammenhängen, gestohlen.

Ghaderi zufolge sind jetzt alle Dokumente über ihren Freispruch vom Vorwurf des Mordes vernichtet, so dass alle Widersprüche des Falles vertuscht werden könnten.

Ein Schwachpunkt des Falles ist, dass die Person, mit der Ashtiani angeblich ungesetzliche Beziehungen gehabt haben soll, nie identifiziert wurde.

Sajjad Ghaderi betonte, das Leben seiner Mutter hänge vom internationalen Druck ab. Er sei sicher, dass seine Mutter ohne diesen Druck bereits hingerichtet worden wäre.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 1. September 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/09/son-reports-mock-executio.html
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3 Antworten zu “Sakineh Ashtiani: Sohn berichtet von Scheinhinrichtung

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