Mohammad Mostafaeis Brief an den UN-Generalsekretär zum Thema der iranischen Flüchtlinge

Mohammad Mostafaei

Im Namen Gottes
An den UN-Generalsekretär
Herrn Ban Ki-moon

Mit Grüßen und Respekt

Wie Sie wissen, und wie durch unzählige Gründe und Beweise gestützt, zwingt die gegenwärtige soziale, juristische und politische Situation in der Islamischen Republik Iran viele Bürger zum Verlassen ihrer Heimat, entweder auf legalem oder auf illegalem Weg. Dieser Exodus geschieht, weil die Iraner negative Auswirkungen und Konfrontationen mit den Sicherheitskräften und der Justiz befürchten, die neben der Regierung iranische Bürger für ihre religiösen, sozialen und politischen Zugehörigkeiten verhaften und foltern.

Es ist unausweichlich, dass iranische Staatsbürger, die in anderen Ländern Zuflucht suchen, nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Werden sie dennoch dazu gezwungen, drohen ihnen Verhaftung, körperliche Bestrafung, Unsicherheit, Freiheitsentzug und die Befleckung ihrer Würde.

Zum jetzigen Zeitpunkt wartet eine große Zahl iranischer Asylsuchender in verschiedenen Ländern, unter Anderem in der Türkei und in Griechenland, auf einen Bescheid vom UN-Flüchtlingswerk und von Regierungen, die gewillt sind, Asylsuchende aufzunehmen. Leider konnten die Asylsuchenden bisher nicht von den durch Richtlinien und internationale Verträge anerkannten Flüchtlingsrechten profitieren.

Infolge der derzeitigen Situation in der Islamischen Republik Iran, vor allem seit der Ereignisse nach der Präsidentschaftswahl, herrscht nicht nur für politische und soziale Aktivisten in Iran große Unsicherheit – auch ganz normale iranische Bürger sind in Gefahr.

Da das Recht auf ein Leben in einer sicheren Umgebung ohne Druck seitens einer herrschenden Regierung ein belegtes Recht eines jeden Iraners ist, sind alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet, die Asylsuchenden aufzunehmen. Zu unserem großen Bedauern jedoch wird die Aufnahme von Asylsuchenden seit Jahren verzögert, ungeachtet des Anspruchs dieser Personen. Anderen wiederum wurde das Asyl ganz verweigert.

All dies geschieht, während das Recht auf ein Leben in Sicherheit, ohne Folter und Demütigung, und das Recht auf die freie Wahl des Wohnsitzes zu den Freiheiten gehören, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte einem jeden Menschen zugesprochen werden.

Gemäß dem Flüchtlingsprotokoll vom 31. Januar 1967 und dem Internationalen Pakt von 1966 sind Institutionen wie der UNHCR, die den Vereinten Nationen unterstehen, direkt verantwortlich für die Umsetzung internationaler Abkommen und Richtlinien und müssen Asylsuchenden Sicherheit, Würde und menschliche Grundrechte gewähren.

In mehreren Ländern leben Iraner unter beklagenswerten Bedingungen. Diese Menschen benötigen Hilfe und Unterstützung bei ihrem Asylbegehren. Darum bitte ich hiermit in großer Besorgnis darum, dass die Vereinten Nationen schnellstens ihre Mitgliedsstaaten kontaktiert, um die Angelegenheiten der Asylsuchenden zu prüfen. Die Flüchtlinge werden dann in die Staaten übersiedeln können, in denen sie in Sicherheit leben möchten.

Es versteht sich von selbst, dass eine Verlängerung der Abläufe und Prozeduren für die Flüchtlinge nicht mit den Menschenrechtsstandards vereinbar ist und als Folter und Bestrafung angesehen werden muss.

Hochachtungsvoll,

Mohammad Mostafaei
Anwalt und Menschenrechtsaktivist

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle (Englisch): Facebook
Original (Persisch) veröffentlicht bei Komitedefa am 20. Shahrivar 1389 (11. September 2010)

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Für alle, die keinen Zugang zu Facebook haben, hier die englische Übersetzung, wie auf Facebook veröffentlicht:

In the Name of God

The Honorable UN Secretary
Mr. Ban Ki-moon

With Greetings and Respect

As you are aware and there exists numerous supporting reasons and evidences, the current social, judicial, and political conditions in the Islamic Republic of Iran is such that justifiably Iranian citizens are forced to leave their homeland by legal or illegal means. This exodus is occurring because Iranians fear repercussion and confrontation with security and judicial forces that alongside the government arrest and torture Iranian people due to their religious, social, and political affiliations. Inevitably Iranian citizens seeking refuge in other countries can no longer return to their homeland. If forced, such a return will bring about their arrest, physical punishment, insecurity, denied freedom and tarnishing of their dignity.

At the present time, a large number of Iranian asylum seekers in different countries including Turkey and Greece are awaiting to hear from the UN Refugee Agency and governments committed to accepting asylum seekers. Unfortunately, until now asylum seekers haven’t been able to benefit from refugees’ rights recognized by regulations and international treaties.

Due to current conditions in the Islamic Republic of Iran and especially after the events following the presidential elections, there is not only insecurity for political and social activists, the ordinary Iranian citizens are also in danger. Since the right to live in a safe and secure environment without pressure from a ruling government is a reserved right for every Iranian, all members of the United Nations are duty bound to welcome and accept the asylum seekers. However, to our dismay, in most cases, the acceptance of asylum seekers has been dragged for years regardless of their eligibility while others have been denied asylum altogether.

All this is happening while the right to live with security without torture and humiliation and the right to choose one’s residence liberally is amongst the freedoms granted to everyone by the Universal Declaration of Human Rights. According to the Refugees’ Protocol ratified on January 31, 1967 and the International Covenant sanctioned in 1966, institutions such as UNHCR that are supervised by the United Nations are directly responsible for the implementation of international treaties and regulations and are required to provide security, dignity and basic human rights to asylum seekers.

Since there are Iranians living in various countries under deplorable conditions and need support to appeal their request for asylum, with deep concerns, I hereby request that the United Nations expeditiously contact all member states in order to review the affairs of the asylum seekers. As a result, the refugees will be able to relocate to states where they desire to live in security. It is self evident that prolonging the proceedings for the refugees is against standards of human rights and ought to be considered as torture and punishment.

With Respect,
Mohammad Mostafaei
Attorney & Human Rights Activist

(Übersetzt von Laleh Gillani)

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