Abtrünniger iranischer Diplomat: „Ahmadinejad fügt Iran Schaden zu“

Hossein Alizadeh in Helsinki

RFE/RL, 14. September 2010 – Der iranische Diplomat, der von seinem Posten zurückgetreten ist, um sich der oppositionellen Grünen Bewegung anzuschließen, sagt, die Regierung von Präsident Mahmoud Ahmadinejad beschädige Ansehen und Ehre Irans. Dies berichtet Radio Farda von RFE/RL. Hossein Alizadeh, der am 11. September von seinem Posten als zweiter Verantwortlicher in der iranischen Botschaft Finnland zurückgetreten war, sagte in einem Interview mit Radio Farda: „Ich wusste nicht, dass (das Regime) unser Ansehen so beschädigen würde wie einst die Mongolen“ – eine Anspielung auf den mongolischen Eroberer Dschingis Khan im 13. Jahrhundert.

Der 45jährige Alizadeh ist der dritte in Europa tätige iranische Diplomat in diesem Jahr, der zurückgetreten ist und sich der Opposition angeschlossen hat. Im Januar hatte Mohamed Reza Heydari seinen Posten in der iranischen Botschaft Norwegen verlassen, und am 10. September trat der Presseattaché der iranischen Botschaft Brüssel zurück und floh nach Oslo.

Alizadeh, der nach eigenen Angaben politisches Asyl in Finnland beantragt hat, sagte gegenüber Radio Farda, er habe zu dem Unrecht in Iran nicht länger schweigen können. Sowohl seinen eigenen Kindern als auch der jungen Generation in Iran, die solches Unrecht ablehen, habe er die Vorgehensweise der Regierung nicht länger erklären können.

Alizadeh bezeichnet sich als Unterstützer des Oppositionsführers Mir Hossein Moussavi und als Mitglied der oppositionellen Grünen Bewegung, die nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 entstanden war.

„Der Grund, warum ich meinen Rücktritt erst Monate nach der Niederschlagung der Wahlproteste bekannt gebe, ist, dass wir Teil des sozialen Netzwerks der Grünen Bewegung sind und Mir Hossein Moussavi das Netzwerk aufgefordert hatte, aktiv zu werden“, so Alizadeh gegenüber Radio Farda. „Nach der Belagerung des Hauses von (Oppositionsführer) Mehdi Karroubi (durch Regierungsanhänger Anfang dieses Monats) und die Angriffe auf die Ghoba-Moschee in Shiraz hielt ich den Zeitpunkt für mich für gekommen.“

Er sei nicht der erste iranische Diplomat, der zurückgetreten sei, und er werde auch nicht der letzte sein, so Alizadeh weiter.

„Ein Freund von mir ist vor Kurzem aus dem Iran zurückgekommen. Als ich ihn nach der Situation im Außenministerium fragte, sagte er, 90 Prozent der Mitarbeiter dort dächten wie ich“, sagte Alizadeh. Selbst wenn das auf nur 9 Prozent zutreffe, sei es wahrscheinlich, dass in Zukunft noch weitere Mitarbeiter des Ministeriums kündigen, fügte Alizadeh hinzu.

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 14. September 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Defecting_Iranian_Diplomat_Says_Ahmadinejad_Government_Damaging_Iran/2157003.html

s. dazu auch Beitrag von Ali Schirasi

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