Richter Moghiseh träumt von einer Justiz im Stil der 1980er Jahre

Rooz, 16. September 2010Organisation Advar unter Druck – Interview mit Mohammad Sadeghi*)

Rooz: Vor ein paar Tagen hat Abdollah Momeni, der Sprecher der Organisation Advar, in einem offenen Brief seine schrecklichen Erlebnisse im Gefängnis geschildert. Haben Sie während Ihrer Haft Ähnliches erlebt? Wurden weitere Mitglieder Ihrer Organisation so einer Behandlung unterzogen?

Mohammad Sadeghi (Sadeghi): Was Abdollah Momeni in seinem Brief an den obersten Führer der Islamischen Republik beschreibt, die grausame Folter, die in den Gefängnissen von den Beamten des Geheimdienstministeriusm praktiziert wird, beleuchtet nur einen kleinen Teil der bitteren Realität dessen, was seit der letzten Präsidentschaftswahl in den Gefängnissen der Islamischen Republik geschieht. Der Hass und die Feindseligkeit, die die Befrager des Geheimdienstministeriums ihm und dem Generalsekretär der Organisation gegenüber fühlen, war in allen Stadien meines Falles und der Fälle meiner Freunde klar zu erkennen.

Rooz: Können Sie Beispiele nennen?

Sadeghi: In Abteilung 209 gab es einen Befrager, der sich selbst als „Seyyed“ bezeichnete. Während der Verhöre brüstete er sich damit, Menschen wie Abdollah Momeni und Shahab Tabatabaei gebrochen zu haben. Er schämte sich nicht, zu beschreiben, wie er diese Gefangenen behandelt hatte, einschließlich seiner brutalen Foltermethoden, Misshandlungen [„abuses“ – kann auch Missbrauch (sexuell)“ bedeuten, d. Übers.] und Schläge. Er ist ein ungebildeter und schwer gestörter Mensch, der uns, während er mich und ander Gefangene verhörte und schlug, immerzu von den unbarmherzigen Foltermethoden erzählte, die er Abdollah Momeni und Ahmad Zeidabadi zuteil werden ließ. Abdollah Momeni hat während seiner vorübergehenden Haftentlassung über einige dieser Methoden gesprochen. Er erwähnte, dass er von vier Personen mit einem „T-Stock“ geschlagen wurde und dass er während der Fastenzeit seine Verhörformulare schlucken musste. Seyyed ging immer wieder zu den Zellen der Gefangenen, beleidigte die Ehefrauen, Mütter und Schwestern der Gefangenen und beschuldigte sie schändlicher Handlungen. Er war derart vulgär, dass manch ein Gefangener noch Stunden später weinte. Die bittere Realität des Justizsystems der Islamischen Republik ist, dass Menschen wie „Seyyed“ sich seiner bemächtigt haben.

Rooz: Was ist mit den anderen Mitgliedern der Organisation, die geschlagen wurden? Wissen Sie, wie es ihnen geht?

Sadeghi: Ja. Freunde, die Ali Malihi im Gefängnis gesehen haben, sagten, dass er vor allem in den ersten Tagen seiner Verhaftung von „Seyyed“ so brutal geschlagen wurde, dass sein gesamter Körper geschwollen war und er mehrere Tage nicht gehen konnte. Leider hegt der vorsitzende Richter in unserem Fall, Richter Moghiseh, einen persönlichen Hass gegen Advar, insbesondere gegen Hassan Asadi Zeidabadi. Nachdem er dessen Urteil ausgestellt hatte, sagte Richter Moghiseh, es sei sein Traum, mit politischen Gefangenen zu so verfahren wie er es in den 1980er Jahren getan hat.

Arash Bahmani

Veröffentlicht bei Rooz Online am 16. September 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/september/16//judge-moghiseh-dreaming-of-1980s-style-justice.html

*) Anm. d. Übers.: Rooz Online macht keinerlei Angaben zu Mohammad Sadeghi. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um das Mitglied des Zentralrats und des politischen Rats der Alumni-Organisation Advar-e Tahkim-e Vahdat („Büro zur Konsolidierung der Einheit“). Er war im Gefängnis und lebt jetzt in Frankreich (ohne Gewähr).
Quelle: http://www.gozaar.org/persian/author/Sadeghim/

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