20. September 2010: Protestrufe erfüllen die Nacht in Teheran

Payvand/Zamaneh, 21. September 2010 – Allah-o Akbar-Rufe hallten durch das nächtliche Teheran, als die Iraner ihren Protest gegen den steigenden Druck auf die Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi kundtaten.

Regierungskritische Webseiten berichten, dass die Bevölkerung von Teheran nach Monaten des Schweigens gestern Nacht ihrem Protest gegen den wachsenden Druck der Regierung gegen die Führung der Grünen Bewegung lautstark Ausdruck verlieh.

Die „Allah-o Akbar“-Rufe („Gott ist groß“) waren für die Iraner während der Revolution von 1979, die die Monarchie vertrieb und zur Gründung der Islamischen Republik führte, eines der wichtigsten Mittel des Protestes.

Letzten Sommer, auf der Höhe der Proteste gegen die Wiederwahl Mahmoud Ahmadinejads in 2009, erklangen diese Rufe in Teheran wieder. Die Proteste richteten sich gegen den vermuteten Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl.

Vor fünf Tagen hatten fünf wichtige oppositionelle Webseiten einen Aufruf an die Bevölkerung gestartet. Mit den „Allah-o Akbar“-Rufen sollte gegen den steigenden Druck der Regierung protestiert werden. Studenten hatten angekündigt, die Aktion zu unterstützen.

Poster mit einem Protestaufruf der grünen Opposition

In dem Aufruf wurden „die Bemühungen der Regierung um eine Isolation der Führer der Grünen Bewegung, Mir Hossein Moussavi und Mehd Karroubi“ verurteilt. „Die Regierung fühlt vor, um herauszufinden, wie die Bevölkerung reagieren wird“, hieß es in dem Aufruf weiter.

In den letzten Wochen war das Haus Mehdi Karroubis in Teheran fünf Nächte hintereinander von den berüchtigten Zivilagenten angegriffen worden. Mir Hossein Moussavis Büro wurde durchsucht, Besucher des Oppositionsführers wurden nicht durchgelassen.

Die Webseiten schrieben [in ihrem Aufruf]: „Das Schweigen der Grünen Bewegung ist auf ihre friedfertige Natur zurückzuführen“. Aber: „Diese Friedfertigkeit ist keine Kapitulation. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden können, und eine dieser Grenzen ist die Verhaftung dieser ehrlichen Freunde an der Spitze der Bewegung.“

Der Aufruf lud die Bevölkerung ein, am Montag zwischen 22 und 23 Uhr, wenn nötig, auch in den darauffolgenden Nächten, „Allah-o Akbar“ zu rufen.

Wie die reformorientierten Webseiten berichten, leisteten Menschen aus in allen Teilen Teherans letzte Nacht dem Aufruf Folge.

Die Webseite Rooz berichtet, dass Sicherheitskräfte in einen Wohnkomplex vordrangen und mit Trillerpfeifen versuchten, den Rufen der Menschen Einhalt zu gebieten.

Unterdessen haben Hardliner der Islamischen Republik ihre Forderungen nach  gerichtlicher Verfolgung der Oppositionsführer verstärkt, nachdem Mehdi Karroubi sich vor einigen Tagen mit einem kritischen Brief an den Vorsitzenden der Expertenversammlung gewandt und eine Neubewertung Ayatollah Khameneis als oberster Führer gefordert hatte.

Veröffentlicht bei Payvand News am 21. September 2010 (Quelle: Radio Zamaaneh)
Quelle dieser Übersetzung (Englisch): http://www.payvand.com/news/10/sep/1201.html

s. dazu auch: Aufruf der grünen Bewegung: Allah-o Akbar für die Sicherheit der Revolutionsführer

Einige Videos von den Protesten am 20. September

2 Antworten zu “20. September 2010: Protestrufe erfüllen die Nacht in Teheran

  1. Pingback: Telefonleitungen zu Karroubis Haus gekappt | Julias Blog

  2. THX Julia!
    Irgendwie habe ich das Gefühl, wenn ich in Teheran leben würde, wäre ich schon lange tot. Irgendwann hätte ich jemanden angeblafft und ihm meine Schärpe an den Kopf geknallt. Irgendwo hätte es mich erwischt.
    Es ist grausam, dass Geschichte so entsteht. Aus der Essenz der Taten anderer, die dort waren. Aus jenem, das davon übrig blieb und den Gedanken weiter getragen hat. Aus der Berichterstattung und einem fragilen historischen Bewusstsein, das man sich hart und jede Sekunde neu erkämpfen muss.

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