Mediensperre für Angehörige politischer Gefangener

Abdolreza Tajik

ICHRI, 24. September 2010 – Nachdem die Schwester des Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Abdolreza Tajik einbestellt wurde, hat eine der Familie Tajik nahestehende informierte Quelle ICHRI mitgeteilt, dass „die Schwester dieses Gefangenen in nächster Zeit nicht mehr mit den Medien sprechen darf, wenn sie nicht selbst ebenfalls verhaftet werden will. Sie muss den Fall ihres Bruders verfolgen können.“

Parvin Tajik, die zur Zeit gegen Kaution frei ist, war am Samstag in die Untersuchungsabteilung 5 des Evin-Gefängnisses bestellt worden, wo sie „Erklärungen zum Fall Reza Tajik“ abgeben sollte. In dem Verhör wurde Parvin Tajik beschuldigt, Lügen veröffentlicht zu haben und an Versammlungen und Verdunkelung sowie Propaganda gegen das Regime beteiligt zu sein. Sie hat keine dieser Anschuldigungen akzeptiert. Zum Schluss der Verhörsitzung wurde eine Kaution festgesetzt, und sie wurde freigelassen.

„Frau Tajik wird unter Druck gesetzt, damit sie schweigt. Anscheinend wurden die genannten Anschuldigungen gegen sie erhoben, weil sie die Misshandlung ihres Bruders an Webseiten und Nachrichtenagenturen gemeldet hatte. Aber ist es für Familien von Gefangenen möglich, sich für ihre inhaftierten Angehörigen einzusetzen und sie dabei nicht zu verteidigen? Jedenfalls muss sie sich in nächster Zeit ruhig verhalten, denn sie ist die Einzige, die sich um Tajiks Angelegenheiten kümmern kann“, sagte die informierte Quelle weiter. „Nachdem sie jetzt einige Tage keinen Kontakt zu ihrem Bruder hatte, wird Frau Tajik ihn morgen besuchen. Ich bezweifle, dass Tajik etwas über die gegen seine Schwester erhobenen Anschuldigungen weiß.“

Abdolreza Tajik ist ein erfahrener politischer Journalist, der mit verschiedenen reformorientierten Zeitungen zusammengearbeitet hat. Am 12. Juni 2010 war er zum dritten Mal verhaftet worden. Es gab Berichte darüber, dass er im Gefängnis „ehrverletzend“ behandelt worden sei (ein Ausdruck, der gemeinhin als Hinweis auf Vergewaltigungen interpretiert wird). Parvin Tajik hatte zusammen mit anderen Familienmitgliedern einen Brief an den iranischen Justizchef geschrieben und eine Untersuchung der Misshandlung ihres Bruders im Gefängnis gefordert. Der Brief war daraufhin auf iranischen Nachrichtenseiten veröffentlicht worden.

Später hatte Frau Tajik ICHRI berichtet, dass ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft ihr erklärt habe, dass es sich bei dem Vorfall, der als „Vergewaltigung“ ausgelegt wurde, um eine Situation gehandelt haben könnte, wo ein Gefangener beim Wechseln seiner Kleidung oder bei einer körperlichen Inspektion „entwürdigend“ behandelt wurde, oder dass Anwesende den Gefangenen lächerlich gemacht oder beleidigt haben könnten. Nichts davon könne jedoch als sexueller Missbrauch ausgelegt werden. Der Beamte betonte, Herr Tajik sei nicht sexuell missbraucht worden, möglicherweise hätten viele Menschen Parvin Tajiks vorangegangene Beschreibungen der Situation ihres Bruders fälschlicherweise so interpretiert.

Abdolreza Tajik ist seit drei Monaten im Gefängnis.

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 24. September 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/09/forced-blackout-prisoner-families/

Foto eingefügt von der Übersetzerin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s