Bloggen gegen die Todesstrafe (Persische Briefe)

 

Der damalige Teheraner Generalstaatsanwalt Saeed Mortazavi wohnt einer Hinrichtung in Teheran bei (2. August 2007)

RFE/RL, 10. Oktober 2010 – Iranische Blogger protestieren anlässlich des achten Welttages gegen die Todesstrafe am 10. Oktober mit einem „Blogger-Spiel“ gegen Todesstrafe und Hinrichtungen in der Islamischen Republik Iran.

 

Viele Blogger haben in Artikeln die hohe Anzahl von Hinrichtungen in der Islamischen Republik verurteilt, beschrieben, wie sie zum ersten Mal mit der Todesstrafe in Berührung  kamen und welche Spuren dies bei ihnen hinterließ, oder dargelegt, warum sie die Todesstrafe für falsch halten.

Der Blogger Goresh (Roar), der das „Spiel“ initiiert hat, schreibt, dass er das Wort „Hinrichtung“ zum ersten Mal im Alter von 7 Jahren hörte. Er saß mit seiner Familie an einem kalten Winterabend in Arak vor dem Fernseher, als er hörte, wie draußen auf der Straße per Lautsprecher zur Teilnahme an einer öffentlichen Hinrichtung aufgerufen wurde, die am folgenden Tag stattfinden sollte.

“Meine Eltern, wie auch viele andere Nachbarn, zogen sich etwas Warmes an und gingen hinaus, um mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Ich folgte ihnen. Die Menge hatte sich um das Auto versammelt, von dem aus die Ansage kam. Die Menschen erkundigten sich bei den beiden jungen Männern, die im Auto saßen, wer hingerichtet werden sollte und warum. Einer der beiden, der das Mikrofon hielt, schaltete es ab und sagte, bei den beiden Verbrechern handele es sich um ein Geschwisterpaar, die (Geschlechtsverkehr) miteinander gehabt hatten.

Viele Jahre später fand ich heraus, dass die beiden Geschwister von ihrer Mutter zusammen gesehen worden waren. Es ist nicht klar, inwieweit sie sich körperlich näher gekommen waren. Die Sache wurde ihrem Vater zur Kenntnis gebracht, der die beiden zu einem örtlichen Geistlichen brachte, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Er hoffte, dass der Geistliche die beiden führen und ihnen den rechten Weg zeigen würde. (Der Geistliche) war so freundlich, die beiden dem Gericht zu übergeben…“

Der Blogger Kamangir schreibt, es sei viel darüber gesagt und geschrieben worden, warum die Todesstrafe „schlecht“ ist, dennoch gingen die Hinrichtungen in Iran weiter, und es gebe immer noch Menschen – auch Blogger – die für die Todesstrafe seien. Er glaubt, dass noch nicht genug [dagegen] gesagt wurde, um die „andere Seite“ zu überzeugen. Sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Todesstrafe sollten nach neuen Argumenten suchen und einen Schritt aufeinander zu machen.

„Wenn jemand sagt, dass Hinrichtungen schlecht sind, weil die Kriminalität dadurch nicht sinkt, sollten wir ihn auffordern, stattdessen zu sagen: Wenn jemand zeigen kann, dass Hinrichtungen manchmal zu einer Senkung der Kriminalität führen können, werde ich zustimmen, dass es manchmal gut sein kann, Menschen hinzurichten.“
Amnesty International stuft Iran als eines der Länder mit der weltweit höchsten Hinrichtungsrate ein. Iran ist zudem eines der wenigen Länder, die Menschen für Vergehen hinrichtet, die sie im Alter von unter 18 Jahren begangen haben.

Dieses Video über die Not von jugendlichen Straftätern in Iran wurde unter Mitwirkung von Mohammad Mostafaei produziert, Irans führendem Anwalt bei der Bekämpfung der Hinrichtung von Minderjährigen, der vor Kurzem aus Iran floh, nachdem er von den iranischen Behörden unter Druck gesetzt worden war.

Von Golnaz Esfandiari

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 10. Oktober 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Blogging_Against_The_Death_Penalty/2186444.html

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Eine Antwort zu “Bloggen gegen die Todesstrafe (Persische Briefe)

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