Ehemann und Anwälte von Nasrin Sotoudeh sprechen mit Rooz über deren Hungerstreik

Nasrin Sotoudeh

Rooz, 11. Oktober 2010 – In einem Exklusivinterview mit Rooz gab Nasrin Sotoudehs Ehemann bekannt, dass seine Ehefrau, die inhaftierte iranische Anwältin Nasrin Sotoudeh, sich im Hungerstreik befindet. „In einem kurzen, etwa drei Sekunden dauernden Telefonat konnte meine Frau mir lediglich mitteilen, dass sie seit dem 25. September (3. Mehr) im Hungerstreik ist. Danach, unmittelbar nachdem sie das Wort „Drohung“ ausgesprochen hatte, wurde das Gespräch unterbrochen.

In einem separaten Interview mit Rooz äußerte sich Nasrin Sotoudehs Anwalt unterdessen besorgt um ihr Wohlergehen, verurteilte ihre Behandlung als „Beleidigung gegenüber Anwälten und dem Anwaltsberuf“ und bezeichnete ihre Verhaftung als illegal. Mohammad Ali Seifzadeh, ein bekannter Anwalt und Mitbegründer des Zentrums für den Schutz der Menschenrechte, sagte gegenüber Rooz: “ Es ist die Pflicht der Anwaltskammer und eines jeden Menschenrechtsverteidigers, sich mit dem Fall von Frau Sotoudeh zu befassen und ihre baldestmögliche Freilassung sicherzustellen.“

Mohammad Ali Dadkhah, ebenfalls Anwalt von Nasrin Sotoudeh, bezeichnete ihre Verhaftung als „illegal“ und erklärte: „Dem Gesetz nach kann gegen Amtsmissbrauch nur über das Sonderverwaltungsgericht für Juristen vorgegangen werden. Das heißt, dass ein Fall gegen einen Anwalt unbedingt vom Disziplinarkomitee der Anwaltskammer initiiert werden muss.“

In den letzten Tagen hatten diverse Nachrichtenquellen auf die Möglichkeit hingewiesen, dass Nasrin Sotoudeh sich im Hungerstreik befinden könnte. Ihr Ehemann Reza Khandan bestätigte diese Berichte gestern gegenüber Rooz und äußerte seine tiefe Besorgnis um das Wohlergehen seiner Frau. „Als meine Frau das letzte Mal anrief, etwa 12 Tage nach ihrer Verhaftung, sagte sie, wenn ihre Anrufe seltener werden würden, bedeute das, dass sie im Hungerstreik ist. Als wir vor einigen Tagen feststellten, dass sie sich seit relativ langer Zeit nicht mehr gemeldet hat, gaben wir daher bekannt, dass sie möglicherweise in den Hungerstreik getreten ist.“

Wenige Tage später und nach einem kurzen Telefonat bestätigt Khandan diese Information. „Heute gegen 14 Uhr konnte meine Frau mir in einem ca. drei Sekunden dauernden Telefonat mitteilen, dass sie sich seit dem 25. September (3. Mehr) im Hungerstreik befindet. Danach und unmittelbar nachdem sie das Wort „Drohung“ ausgesprochen hatte, wurde das Telefonat unterbrochen.“

Khandan berichtete: „Als sie diesen sehr kurzen Satz sagte, klang sie sehr gestresst und wütend, was zeigt, dass es heftige Konfrontationen gegeben hat. Sie klang sehr aufgebracht und mitgenommen.“

In seinem Gespräch mit Rooz, das gestern am späten Abend stattfand, fügte Reza Khandan hinzu: „Ich habe während dieses kurzen Anrufs nichts gesagt, nur darauf gewartet, dass meine Frau ihre Botschaft beendet. Leider war ihr das nicht möglich. Nach dem Anruf machen wir uns noch mehr Sorgen um Frau Sotoudehs Zustand und Wohlergehen. Nach dem, was sie gesagt hat, muss heute der 12. Tag ihres Hungerstreiks sein.“

Nasrin Sotoudeh, die Issa Saharkhiz, Keyvan Samimi, Shirin Ebadi und viele weitere Journalisten, zivile und politische Aktivisten als Anwältin vertritt, war am 4. September verhaftet worden. Sie vertritt außerdem die Familien von Meysam Ebadi und Ahmad Nejati-Kargar, die beide bei den Protesten gegen die Präsidentschaftswahl vom letzten Jahr ihr Leben verloren.

Kaveh Ghoreishi

Veröffentlicht bei Rooz Online am 11. Oktober 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/october/11//she-uttered-a-sentence-before-call-was-cut-off.html

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2 Antworten zu “Ehemann und Anwälte von Nasrin Sotoudeh sprechen mit Rooz über deren Hungerstreik

  1. Pingback: Shabnam Madadzadeh im Gefängnis von der Außenwelt isoliert | Julias Blog

  2. Sie wollen, dass keiner sich mehr traut, politische Aktivisten, Journalisten oder Menschenrechtsaktivisten zu verteidigen. Das versuchen sie zwar seit Jahren, aber noch nie trauten sie sich so hartnäckig vorzugehen wie im vergangenen Jahr.

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