Inhaftierter iranischer Filmemacher Nourizad fordert Obersten Führer heraus

Der iranische Schriftsteller und Filmemacher Mohammad Nourizad (2008)

Radio Farda/RFE/RL, 11. Oktober 2010 – Der iranische Filmemacher und Journalist Mohammad Nourizad hat sich mit einem offenen Brief an den iranischen Obesten Führer Ayatollah Ali Khamenei gewandt. Darin argumentiert er, die Vereinigten Staaten täten mehr für den Schutz von Religionsfreiheit und moralischen Werten als Iran. Nourizad, der seit Auguts im Teheraner Evin-Gefängnis einsitzt, schreibt an seinem vom 10. Oktober datierten Brief, die Verletzung der Privatsphäre von Menschen sei seit der Präsidentschaftswahl von 2009 in Iran verbreiteter als vorher.

Er erwähnt die Angriffe religiöser Mobs auf das Haus des Khamenei-Kritikers und Geistlichen Ayatollah Yousef Saneie und weist darauf hin, dass die persönliche Privatsphäre in den USA streng gesetzlich geschützt sei.

Nourizad hatte ursprünglich für die konservative Zeitung „Keyhan“ geschrieben und sagt, er habe Khamenei voll unterstützt, bis ihn die umstrittene Präsidentschaftswahl vom letzten Jahr veranlasste, sich gegen die Regierung zu äußern.

Er war Ende letzten Jahres verhaftet worden, nachdem er auf seinem Blog mehrere offene Briefe veröffentlicht hatte, die als respektlos gegenüber Khamenei und anderen führenden Offiziellen empfunden wurden. Er wurde zu 3,5 Jahren Gefängnis verurteilt, wegen nicht geklärter Anklagen erhielt er zusätzlich ein Urteil über 50 Peitschenhiebe.

Am 24. Juni wurde er freigelassen, jedoch im August wieder ins Gefängnis zurückbeordert, nachdem er einen Khamenei-kritischen Artikel veröffentlicht hatte.

Nourizad schreibt in seinem Brief zum Thema Religionsfreiheit:“Die amerikanische Justiz schützt die Rechte der Muslime und erlaubt ihnen, in der Nähe des [ehemaligen] World Trade Center eine Moschee zu bauen. Im islamischen Iran hingegen dürfen sunnitische Muslime keine eigene Moschee haben, in der sie in Teheran ohne Angst beten können.“

Nourizad vergleicht die Moral in Iran und den Vereinigten Staaten und schreibt: „Amerikaner sind so erzogen, dass sie selten lügen, wohingegen in Iran sowohl in der Bevölkerung als auch in der Obrigkeit offenkundig gelogen wird.“

„Die Wahrscheinlichkeit, dass ein amerikanischer Staatsanwalt lügt, geht von wenigen Ausnahmen abgesehen gegen Null. Und die Staatsanwälte in unserem Land? Unsere Staatsanwälte lügen mit einer Leichtigkeit, mit der andere einen Schluck Wasser trinken – sie formulieren und verbreiten unrichtige Entscheidungen.“

Zum Thema Redefreiheit schreibt Nourizad an Khamenei: „Sie sind der einzige Mensch in Iran, der Redefreiheit genießt. In Amerika hingegen hat jeder Mench dieses Recht.“

„Wir sind Muslime, doch wir sind mit dem Makel der Heuchelei behaftet. (Amerikaner) hingegen, die Heiden zu sein scheinen, kennen keine Heuchelei. Sie als Imam sollten eine Fatwa erlassen und uns erklären, welches der beiden Länder Gott näher steht.“

Nourizad schreibt, es gebe in den USA keine politischen Gefangenen, in Iran hingegen viele.

Abschließend schreibt Nourizad, in den USA existiere der Islam friedlich neben anderen Glaubensrichtungen, was auf Iran oder Afghanistan nicht zutreffe.

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 11. Oktober 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Jailed_Iranian_Filmmaker_Challenges_Supreme_Leader/2187479.html

Anm. d. Übers.:
Der sehr lange Brief von Mohammad Nourizad stellt 28 Fragen an den obersten Führer. Die einzige mir bekannte englische Übersetzung ist eine bei Enduring America veröffentlichte Google-Übersetzung (kryptisch).

Eine Antwort zu “Inhaftierter iranischer Filmemacher Nourizad fordert Obersten Führer heraus

  1. Er wagt etwas auszusprechen, was jeder im stillen Kämmerlein denkt. Dabei kommt jedoch Amerika viel zu gut weg. Bin schon auf eine eventuelle Antwort gespannt. Wird aber eher nicht kommen, dafür wird Nourizad sicherlich bestraft werden.

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