Sohn und Anwalt Sakineh Mohammadi Ashtianis in Iran verhaftet

Sakineh Mohammadi Ashtiani

Zamaaneh, 11. Oktober 2010 – Iranische Behörden haben zwei deutsche Reporter sowie Sajjad Ghaderzadeh und Houtan Kian verhaftet. Sajjad Ghaderzadeh ist der Sohn der zum Tode durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakineh Ashtiani, Houtan Kian ist ihr Anwalt.

Einem Bericht von International Committee against the Death Penalty und International Committee against Stoning zufolge durchsuchten Geheimdienstbeamte gestern Abend gegen 19 Uhr das Büro des Anwalts, wo die beiden Reporter den Anwalt und Ahstianis Sohn interviewen wollten. Alle vier wurden dabei festgenommen.

Diesem Bericht zufolge wurden die vier Verhafteten an einen unbekannten Ort gebracht, es liegen keine Informationen über ihre Situation vor.

Die Razzia begann, als einer der beiden Reporter gerade mit der Leiterin von Committee against the Death Penalty und Committee against Stoning Mina Ahadi telefonierte .

Zuvor hatten Sakineh Mohammadi Ashtianis Kinder Sajjad und Saideh Ghaderzadeh sich an die italienischen Medien gewandt und die italienische Regierung gebeten, ihnen Asyl zu gewähren. Sie hatten dem Reporter mitgeteilt, dass sie unter großem Druck stehen und in ständiger Furcht vor Verhaftung leben.

Sajjad Gaderzadeh wurde mit den Worten zitiert: „Die Behörden reagieren auf keine unserer Anfragen zur Situation unserer Mutter, und wir und unser Anwalt sind vollkommen allein. Unsere einzige Hoffnung ist die internationale Gemeinschaft.“

Mohammadi Ashtianis Sohn hatte sich sogar an den Papst gewandt und ihn um Unterstützung bei ihren Bemühungen um die Freilassung ihrer Mutter gebeten.

Im August hatte Ghaderzadeh der britischen Tageszeitung Guardian gegenüber angegeben, dass die Gefängnisbehörden von Tabriz eine Scheinhinrichtung für seine Mutter inszeniert hatten.

Sakineh Mohammadis Anwalt Javid Houtan Kian hatte italienischen Medien gegenüber erklärt: „Aus der Staatsanwaltschaft Tabriz habe ich gehört, dass  geplant ist, politische Anklagen gegen Frau Ashtianis Kinder zu konstruieren. Meinen Quellen zufolge versucht die Staatsanwaltschaft, zwei Gefangene zu Falschaussagen gegen die Kinder von Frau Ashtiani zu zwingen, in denen sie beschuldigt werden, Flugblätter gegen die Regierung verteilt zu haben.“

Sakineh Mohammadi Ashtiani war vor vier Jahren wegen Ehebruchs zu 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Nach dem Tode ihres Mannes verurteilte ein weiteres Gericht sie zum Tode durch Steinigung. Seitdem ist sie im Gefängnis von Tabriz.

Nach einer internationalen Kampagne zum Stopp der Steinigung Mohammadi Ashtianis hatten iranische Behörden und auch Präsident Mahmoud Ahmadinejad erklärt, es gebe in diesem Fall kein Steinigungsurteil, die internationale Kampagne für Sakineh Mohammadi Ashtiani sei in Wirklichkeit westliche Propaganda gegen Iran.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 11. Oktober 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/10/son-and-lawyer-of-sakineh.html

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Iran gibt Verhaftung zweier Ausländer bekannt

RFE/RL, 11. Oktober 2010 – Irans Behörden haben Berichten zufolge zwei Ausländer verhaften lassen, die im Verdacht stehen, sich als Journalisten getarnt zu haben, um im Fall einer wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilten Frau Untersuchungen anzustellen.

Die [staatliche] Nachrichtenagentur IRNA zitierte Justizsprecher Gholam Hossein Mohseni Ejehi mit den Worten, die Ausländer seien verhaftet worden, als sie den Sohn von Sakineh Mohammadi Ashtiani interviewten. Frau Ashtianis Fall hatte weltweit für Empörung gesorgt.

Die [staatliche] Nachrichtenagentur ISNA zitierte Ejei mit den Worten, bei den beiden Ausländern handele es sich um Deutsche, die mit einem Touristenvisum nach Iran eingereist seien.

zusammengestellt aus Agenturberichten

Quelle (Englisch): Radio Free Europe/Radio Liberty

Online-Petition für die Freilassung der Verhafteten

Anm. d. Übers. (12. Oktober 2010): Über diese Geschichte mit hohem Brisanzpotenzial sowohl für Sakineh Ashtiani, ihren Sohn, ihren Anwalt, als auch für die verhafteten Deutschen wird in den deutschsprachigen Medien zur Zeit umfassend berichtet. Bitte verfolgen Sie die weiteren Entwicklungen z. B. anhand dieses Links: http://news.feed-reader.net/839-iran.html
Aktuell: Iranische Regierung wirft den beiden festgenommenen Reportern Kontakt mit Konterrevolutionären vor

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