Hossein Ronaghis Mutter: „Schreiben Sie in Gottes Namen darüber, was sie Hossein antun!“

Hossein Ronaghi Maleki

Rooz, 13. Oktober 2010 – In einem Interview mit Rooz Online bestätigte Hossein Ronaghi Malekis Anwalt Mohammad Ali Dadkhah, dass sein Mandant zu 15 Jahren Haft verurteilt und der folgenden Verbrechen für schuldig befunden wurde: Mitgliedschaft in der Internetgruppe „Iran Proxy“, Propaganda gegen das Regime,  Beleidigung des obersten Führers, Beleidigung des Präsidenten. Zoleykha Moussavi, Ronaghi-Malekis Mutter, berichtete Rooz, dass das Urteil gegen ihren Sohn sich wie folgt zusammensetzt: 10 Jahre Gefängnis für die Mitgliedschaft in der Internet-Gruppe Iran Proxy, 1 Jahr für Propaganda gegen das Regime, 2 Jahre für Beleidigung des obersten Führers und 2 Jahre für Beleidigung des Präsidenten.

Hossein Ronaghi-Maleki bloggte unter dem Namen Babak Khorramdin. Er war am 13. Dezember 2009 in Malekan verhaftet worden und befindet sich seitdem in der den Revolutionsgarden unterstehenden Abteilung 2A des Evin-Gefängnisses. Obwohl die Gerichtsverhandlung gegen Ronaghi-Maleki in einem erstinstanzlichen Gericht [bereits] stattgefunden hat und ein Urteil ergangen ist, befindet er sich seiner Familie zufolge weiterhin in Einzelhaft. Dadkhah, Ronaghi-Malekis Anwalt, der vor drei Tagen von dem Urteil erfuhr, nahm zu der harten Strafe wie folgt Stellung: „Als Beweise gegen Hossein Ronaghi-Maleki wurden Berichte der Agenten des Geheimdienstministeriums, Aussagen mehrerer Personen und einige angebliche Geständnisse von Herrn Ronaghi-Maleki angeführt.“ Dadkhah zufolge wurden alle Anklagen vor Gericht zurückgewiesen, trotzdem wurde nach Einschreiten von Agenten des Geheimdienstministeriums Anklage erhoben und später das Urteil gefällt.

Mohammad Ali Dadkhah: „Sie behaupten, dass Ronaghi-Maleki Mitglied einer Internet-Gruppe namens Iran Proxy ist und dass diese Gruppe aktiv gegen die Islamische Republik gearbeitet hat. Dabei gab es in der Prozessakte lediglich einige Berichte des Geheimdienstministeriums, in denen behauptet wird, dass mein Klient Mitglied bei Iran Proxy war und dass er selbst dies gestanden habe. In Wirklichkeit gibt es keine glaubwürdigen rechtlichen oder juristischen Dokumente, die diese Behauptung beweisen würden.“

„Ich habe vor drei Tagen von dem Urteil erfahren und werde definitiv Berufung gegen das Urteil einlegen“, so Dadkhah weiter.  Er bezeichnete seinen Klienten als einen wahren Schatz für Iran: „Eines der wichtigsten Vermögen eines jeden Landes ist sein Humankapital, das für den Erfolg, Fortschritt und die Weiterentwicklung des Landes wesentlich ist. Herr Ronaghi-Maleki ist ein solches Vermögen, und das Justizsystem sollte fortschrittlich eingestellt sein und die besten Interessen des Landes im Auge haben, anstatt rachsüchtig zu handeln. Seine Befrager behaupten, dass Herr Ronaghi-Maleki zur inellektuellen Elite Irans gehört, und dennoch haben sie ihn mehr als 10 Monate lang in Einzelhaft gehalten und ihm die konventionellen Menschenrechte vorenthalten, die jedem Gefangenen gewährt werden.  Sie selbst haben auf Seite 500 seiner Prozessakte festgestellt, dass sie es mit einem außergewöhnlichen Menschen zu tun haben. Wenn dem so ist, dann sollten sie völlig anders mit ihm umgehen. Er sollte in Wohlstand und Frieden leben und kreativ sein können, damit das Land von seinen Fähigkeiten und seiner Kreativität profitieren kann. Ich habe dies dem verantwortlichen Richter mehrfach mitgeteilt, aber leider hat er meinen Einwänden keine Beachtung geschenkt.“

305 Tage Einzelhaft

Ronaghi-Malekis Mutter Zoleykha Moussavi wiederholte gegenüber Rooz Online ihre feste Überzeugung, dass das Urteil gegen ihren Sohn ungesetzlich ist. Ihr Sohn habe 305 Tage lang in Einzelhaft verbracht, obgleich er keine der gegen ihn vorgebrachten Anklagen akzeptiert hatte.

„Hossein ist wegen seiner Mitgliedschaft in einer Internet-Gruppe namens Iran Proxy zu zehn Jahren, wegen Propaganda gegen das Regime zu einem Jahr, und wegen Beleidigung des obersten Führers und des Präsidenten zu jeweils zwei Jahren verurteilt worden. Dieses Urteil ist ungesetzlich. Wir akzeptieren dieses Urteil nicht. Hossein hat die Anklagen zurückgewiesen. Sie haben ihm nicht erlaubt, das Urteil zu lesen, und er wurde geschlagen und dazu gezwungen, es zu unterschreiben.“ Frau Moussavi, die ihren Sohn seit Juli nicht mehr sehen durfte, berichtet von einem kurzen Telefonat mit ihrem Sohn vor wenigen Tagen: „Weder uns noch seinem Anwalt Herrn Dadkhah erlauben sie, ihn zu sehen.  Als Hossein gestern anrief, erzählte er, dass er einen Brief an Herrn Dadkhah geschrieben und ihn den Gefängnisbeamten übergeben hat, aber er wüsste nicht, ob dieser Brief jemals an seinen Anwalt weitergegeben wird. Hossein hat immer wieder Briefe an den Teheraner Staatsanwalt geschrieben, aber die (Gefängnisbeamten) haben nicht zugelassen, dass diese Briefe an den Staatsanwalt weitergeleitet werden.“

„Als Hossein anrief, sagte er, er habe sich nur für Menschenrechte engagiert, und jeder wüsste das. Jeder wüsste, dass er nichts anderes getan hat. Er sagte, er sei seit vielen Monaten im Gefängnis, aber er habe sich geweigert, irgendeine der Anklagen zu akzeptieren. Er werde diese Anklagen niemals akzeptieren, und das Urteil ebenfalls nicht.“

Frau Moussavi beschrieb, wie die Familie unter Druck gesetzt wird: „Sie haben zu uns gesagt, wir hätten kein Recht, Interviews zu geben. Sie kamen zu unserem Haus und wollten Hosseins Vater verhaften, wegen der Interviews, die er gegeben hatte. Am 3. Oktober 2010 sagte mir Herr Satari vom Büro von Richter Pir Abbasi, alles, was ich sage, werde an das Büro weitergegeben, und ich hätte kein Recht zu sprechen. Er drohte mir, und ich antwortete ihm, dass ich eine Mutter bin und über meinen Sohn sprechen werde, wann immer dies nötig sei, ich könne nicht schweigen. Daraufhin sagte er zu mir: Ihr Sohn hat die Todesstrafe verdient.“

Rongahi-Malekis Mutter leidet sehr unter Sataris Verhalten ihrer Familie gegenüber. „Parviz Sohrabi, der Neffe von Herrn Satari, und Haj Mehdi Satari, Herrn Sataris Bruder, kamen zwei Mal zu unserem Haus in Malekan: Ein Mal am 28. August und ein Mal am 1. Oktober.  Herr Stari hatte sie geschickt. Sie sprachen mit Hosseins Vater. Sie wollten etwas von ihm, mit dem er sich nicht einverstanden erklärte, und danach überbrachten sie dieses Urteil.“

Was die beiden von ihrem Mann wollten, wollte Frau Moussavi nicht näher erklären. Sie sagte lediglich, dass ihre Familie unter immensen Druck gesetzt wird und dass sie dazu nicht mehr sagen kann.

„Mein Mann und ich durften den Richter, der für den Fall unseres Sohnes zuständig ist, nicht sehen. Wir haben und darüber bei Herrn Satari beschwert.  Seine Antwort:  ‚Was der Richter sagt, hat für uns keine Bedeutung. Wir sind diejenigen, die die Entscheidungen treffen.‘ Herr Satari sagte viele Dinge zu mir, die mich schockierten und die ich nicht erwartet hatte.  Ich bin eine Mutter, und mein Sohn bedeutet mir ebensoviel wie mein eigenes Leben.“

Frau Moussavi berichtete Rooz Online, dass ihr Sohn seinen Hungerstreik fortsetzt. „Vor einigen Tagen kontaktierte uns jemand, den wir nicht kannten, und erzählte uns, dass Hossein sich seit dem Tag, an dem sie ihn zwangen, sein Urteil zu unterschreiben, im Hungerstreik befindet. Danach legte er auf. Hossein hatte uns davor zwei Mal angerufen, aber er hatte nichts von einem Hungerstreik gesagt. Als er nächstes Mal anrief, fragte ich ihn danach, und er bestätigte es. Er fühlte sich nicht gut. Seine Stimme klang sehr schwach. Er hatte keine Energie. Ich mache mir solche Sorgen um meinen Sohn. Mit wem kann ich über all dieses Unrecht sprechen, das meinem Sohn widerfährt? Seit 10 Monaten, seit genau 305 Tagen, ist mein Sohn in Einzelhaft. Sie haben die schlimmsten Druckmittel gegen ihn eingesetzt, um ihn zu einem falschen Geständnis und einem Fernsehinterview zu zwingen. Sie haben ihm gesagt, dass sie ihn freilassen werden, wenn er ein Fernsehinterview gibt. Sie haben sogar uns gefragt. Sie wollten, dass wir ihn zu einem Fernsehinterview überreden, aber sowohl sein Vater als auch ich haben Hossein gesagt, dass er das nicht tun soll. Ich habe ihm gesagt, dass er mein Augapfel ist und dass ich sterbe, wenn ihm etwas zustößt, aber dass seine Ehre wichtiger ist als alles andere. Sie haben ihm mehrmals die Augen verbunden und versucht, ihm ein falsches Geständnis zu entlocken, aber er hat nicht kooperiert.“

Ronaghi-Maleki ist weiterhin in Einzelhaft, obwohl das Gericht am 16. August eine Kaution von 29.000 Dollar für ihn festgesetzt hat, die von seiner Familie auch garantiert wurde. Er wurde jedoch nicht freigelassen, sondern nochmals inhaftiert. Frau Moussavi: „Sie haben gesagt, dass die Revolutionsgarden in einem Brief verlangt haben, dass Hossein nicht freigelassen wird.  Sie sagen, der Brief kam vom IRGC in Aserbaidjan. Dann sagten sie, ich solle die Kaution zahlen, und ich erwiderte, dass ich das nicht tun würde, bevor sie mir garantieren, dass mein Sohn freigelassen wird. Herr Satari sagte daraufhin zu mir: „Sie sind Turken, und bei Turken haben wir eine Schwäche… Wir werden nicht zulassen, dass Ihr Sohn freikommt.“

Abschließend sagte Ronaghi-Malekis Mutter: „Wir stehen hier unter extremem Druck. Mein Sohn ist unschuldig! Bei der Liebe Gottes, bitte erzählen Sie das jedem. Bitte schreiben Sie darüber, damit unsere Stimme vom Staatsanwalt, vom Geheimdienstminister und vom Justizchef gehört wird. Lassen Sie alle wissen, was sie uns angetan haben und weiterhin antun.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=15519
Persisch: Rooz Online

BITTE UNTERSTÜTZEN SIE DIE ONLINE-PETITION FÜR HOSSEIN RONAGHI

hier geht es zur Facebook-Seite für Hossein Ronaghi Maleki

Eine Antwort zu “Hossein Ronaghis Mutter: „Schreiben Sie in Gottes Namen darüber, was sie Hossein antun!“

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