Ein Stirnrunzeln in Richtung der französischen Wirtschaft (Ebrahim Nabavi)

Rooz Online, 18. Oktober 2010 – Jeden Tag wird am Himmel über Iran ein neuer Stern geboren, und während unsere Augen sich noch an die Sterne der Vortage gewöhnen, blendet uns bereits das Licht des neuen Sterns. Der allerneueste Stern ist Mohammad-Reza Rahimi, erster Vizepräsident Irans. Zwar spricht er nicht gern über seine Ausbildungsreferenzen, die einige Parlamentsabgeordnete für Fälschungen halten, doch kürzlich teilte er mit, dass „die französische Wirtschaft zusammenbrechen würde, wenn wir nur die Stirn in Richtung Frankreich runzeln“. Unser Reporter hat ein imaginäres Interview mit Rahimi geführt.

Wir: Guten Abend. Bitte stellen Sie sich vor und sagen Sie uns kurz, welche Position Sie in der Regierung einnehmen.

Rahimi: Ich bin Dr. Mohammad-Reza Rahimi, Entdecker und erster Vizepräsident von Dr. Ahmadinejad und seinem Bruder Dr. Davoud Ahmadinejad und seiner Mutter Dr. Fatemeh Ahmadinejad sowie anderer Mitglieder der iranischen Elite.

Wir: Haben all diese genannten Personen einen Doktortitel?

Rahimi: Dazu muss ich nichts sagen. Mein Doktortitel und die Doktortitel von Ahmadinejad und seiner Familie sind allesamt von der Stadtverwaltung Aradan (Geburtsort Ahmadinejads) bestätigt worden, und niemand hat irgendwelche Zweifel daran.

Wir: Sagen Sie uns bitte, wie Sie zu den Sanktionen der USA und des Westens stehen.

Rahimi: Die Sanktionen hatten keine Auswirkungen, und als die Westler in den letzten Tagen ihre neuen Sanktionen angekündigt haben, haben wir sie nicht einmal bemerkt. Die Tatsache, dass ich in diesem Moment ein wunderschönes Lächeln auf den Lippen habe, zeigt, dass die Sanktionen keine Auswirkungen haben. Alles, was ich sagen möchte ist, dass sie fallen werden, wenn sie Sanktionen gegen uns verhängen.

We: Wie werden sie fallen?

Rahimi: Es könnte plötzlich eine Explosion geben, natürlich ohne unser Zutun, irgendwo, und Sie wissen ja, dass viele umfallen, wenn so etwas passiert. Natürlich kann der Verteidigungsminister nähere Einzelheiten erläutern, was er jetzt nicht tun wird. Nächste Frage.

Wir: Sie haben gesagt, dass die französische Wirtschaft zusammenbrechen wird, wenn wir die Stirn runzeln. Unsere Offiziellen runzeln nun schon seit vielen Jahren die Stirn. Warum ist die französische Wirtschaft noch nicht zusammengebrochen?

Rahimi: Leider haben Herr Khatami, Herr Hashemi und vor allem unser verachteter früherer Botschafter in Frankreich, Sadegh Kharazi, jahrelang gelächelt, was vom Führer nicht gebilligt war. Wegen ihnen ist die französische Wirtschaft weiterhin von verdächtigen Elementen gestützt worden.

Wir: Aber die Regierung Ahmadinejad hat immer die Stirn gerunzelt?

Rahimi: Eben deshalb gibt es im Westen eine Wirtschaftskrise. Als der Präsident seine Stirn Richtung USA gerunzelt hat, erlebten wir, wie hunderte von Millionen Autofabriken zerstört wurden. Einmal haben wir unsere Stirn gegen Deutschland gerunzelt, was eine Arbeitslosigkeit von 85 Prozent zur Folge hatte.

Wir: Für wann plant er sein Stirnrunzeln gegen Frankreich?

Rahimi: Jetzt muss der Präsident erst einmal nach Libanon reisen. Wenn er zurück kommt, will er ein paar Mal husten, um Kuwaits Wirtschaft zu zerstören. Dann plant der Führer ein Lächeln für Zimbabwe, damit die Inflation dort von 42.000 Prozent auf unter 10 Prozent fällt. Danach ist Frankreich an der Reihe, das heißt, wir werden in der ersten Dezemberhälfte unsere Stirn gegen Frankreich runzeln.

Wir: Sie haben gesagt, dass die Arbeitslosigkeit Frankreich dazu zwingt, das Rentenalter anzuheben, was genau das Gegenteil von dem ist, was in Iran passiert, wo Arbeitnehmer nämlich fünf Jahre früher in den Ruhestand treten können und die Regierung ihren Ruhestand bezahlt. Sie sagen damit also, dass die Arbeitslosenquote in Iran niedriger ist als in Europa?

Rahimi: Ja. Immer, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, schicken wir 5 Millionen Menschen in den Ruhestand. Dadurch werden 5 Millionen neue Jobs geschaffen und wir stellen 5 Millionen neue Leute ein.

Wir: Aber Sie bezahlen die Pension für die Ruheständler, was bedeutet, dass Sie in Wirklichkeit 5 Millionen neue Arbeitnehmer bezahlen und zusätzlich auch noch die Pensionäre. Woher nehmen Sie das Geld dafür?

Rahimi: Schauen Sie, wir haben vielleicht kein Geld, um unsere neuen Arbeitnehmer zu bezahlen, aber das ist ein anderes Problem. Einerseits lösen wir das Problem der Arbeitslosigkeit, damit die Leute nicht ohne Arbeit sind. Andererseits ist es möglich, dass wir kein Geld haben, um sie zu bezahlen. Die Regierung kann ja nicht alle Probleme über Nacht oder in einem Monat oder sogar in einem Jahr oder einem Jahrzehnt lösen. Aber wir lösen das Problem der Arbeitslosigkeit. Die Franzosen kriegen ihr Arbeitslosenproblem nicht in den Griff.

Wir: Das könnte daran liegen, dass ein Arbeitnehmer in Frankreich auch ein Gehalt bekommen muss. Finden Sie nicht, dass das wichtig ist?

Rahimi: Schauen Sie, das ist ein sehr ernstes Problem im Westen, wo man jedem Menschen, den man einstellt, ein Gehalt zahlen muss. In unserer reichen östlichen Kultur, und vor allem wegen der Ansichten unseres geschätzten obersten Führers, können wir die Gehaltszahlungen einbehalten, und viele Menschen werden nicht dagegen protestieren.

Wir: Aber wenn Arbeitnehmer nicht bezahlt werden, wie gehen Sie dann mit ihren Protesten um?

Rahimi: Viele der Menschen, die wegen ausstehender Gehaltszahlungen protestieren, sind amerikanische Spione. Sie wissen ja, dass man solche Leute in Frankreich hinrichtet. Wir hingegen werfen sie nur ins Gefängnis, wo sie allerhöchstens vergewaltigt werden.

Wir: Vielen Dank. Wir haben keine weiteren Fragen.

Rahimi: Gott schütze Sie. Übrigens sind Ausbildungszeugnisse überhaupt nicht wichtig.

Veröffentlicht bei Rooz Online am 18. Oktober 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/opinion/opinion-article/article/2010/october/18//a-frown-at-the-french-economy.html

2 Antworten zu “Ein Stirnrunzeln in Richtung der französischen Wirtschaft (Ebrahim Nabavi)

  1. Pingback: News vom 19. Oktober « Arshama3's Blog

  2. Well done Mr Nabavi, you put the absurdity on the point. Again.
    Besides crying deeply for what really happens in Iran, one must laugh while reading your lines and from laughing one can gain some new motivation to keep on working for freedom, love and life-perspectives for every individual in Iran or those who flee Iran. Warmest Greetings H.N. Gabel

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