Khameneis Besuch in Qom: Volk und Großayatollahs fehlten

Rooz, 21. Oktober 2010 – Während staatliche [iranische] Medien viel Wirbel um den historischen Empfang für Ayatollah Khamenei bei seinem Besuch in Qom veranstalten, sagt eine informierte Quelle, die an der Begrüßungszeremonie teilgenommen hat, gegenüber Rooz, dass der Empfang für den Führer der Islamischen Republik „sehr viel geringer“ ausgefallen sei als bei früheren Besuchen.

Wie auch auf vielen offiziellen Fotos zu sehen, seien viele der Anwesenden bei den Feierlichkeiten, aber auch bei Khameneis Rede in Qom lebende afrikanische oder arabische Immigranten aus dem Irak gewesen, so die Quelle weiter. Viele dieser Immigranten aus dem Irak sind Unterstützer des gegenwärtig in Qom lebenden irakischen schiitischen Geistlichen Muqtada al-Sadr.

Weiterhin weist die Quelle darauf hin, dass keines der in den staatlichen Medien veröffentlichten offiziellen Fotos Luftaufnahmen der Straße zeigt, in der die Begrüßungszeremonie stattfand. Nahezu alle veröffentlichten Fotos sind Nahaufnahmen oder wurden mit Weitwinkelobjektiv aufgenommen. Die veröffentlichten Luftaufnahmen sind entweder aus großem Abstand heraus oder aus sehr bodennaher Position gemacht und liefern keine aufschlussreichen Informationen.

Der Augenzeuge berichtet zudem, dass keiner der in Qom lebenden Großayatollahs bei der Begrüßungszeremonie oder einem der folgenden Treffen mit dem obersten Führer der Islamischen Republik zugegen war – nicht einmal diejenigen, die als Unterstützer Khameneis bekannt sind.

Frühere Berichte hatten von intensivem Druck auf die Großayatollahs gesprochen, mit dem man diese zur Teilnahme an Khameneis Begrüßung zwingen wollte.

Nur drei der zur Zeit in Qom lebenden zehn Großayatollahs äußerten sich positiv über den Besuch Khameneis. Keiner dieser drei Großayatollahs – und auch keiner der verbleibenden sieben – waren jedoch bei Khameneis Begrüßung zugegen.

Eine informierte Quelle, die bei der Begrüßung für Khamenei dabei war, sagte gegenüber Rooz: „Der gestrige Empfang Khameneis war im Vergleich mit all seinen früheren Besuchen der kühlste und leidenschaftsloseste.“

„Höchstens 30 000 bis 40 000 Menschen nahmen an der Zeremonie teil, das sind weniger als fünf Prozent der 1 Million Einwohner von Qom“, so der Informant.

„Die Planung und die intensiven organisatorischen Vorbereitungen für Khameneis Empfang erfolgte letztlich durch drei militärische bzw. Sicherheitsorganisationen: Jaish al-Mahdi*), die Quds-Armee**) und Khameneis persönliches Sicherheitsteam.“

Der oberste Führer der Islamischen Republik hielt in Qom eine flammende Rede, in der er erklärte: „Der Aufruhr des vergangenen Jahres hat das Land gegen Mikroben – seien es politische oder soziale – immun gemacht.“ Und: „Der Aufruhr nach der Wahl hat entgegen den Erwartungen der Feinde das Verständnis des iranischen Volkes geschärft.“

Khameneis Büro zufolge wird der oberste Führer sich neun Tage lang in Qom aufhalten. Bisher dauerte kein Besuch des obersten Führers in Qom länger als drei Tage.

Mohammad Reza Yazdanpanah

Veröffentlicht bei Rooz Online am 21. Oktober 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/october/21//qods-army-and-jaish-al-mahdi-organize-khameneis-reception.html
Originaltitel: Qods Army and Jaish al-Mahdi Organize Khamenei’s Reception

Update 23. Oktober 2010:
Enduring America berichtet unter Berufung auf Fars News und Mehr News von einem Zusammentreffen Khameneis mit Großayatollah Safi Golpayegani.

*) Zu Jaish-al-Mahdi: http://de.wikipedia.org/wiki/Mahdi-Armee
**) Zur Al-Quds-Armee: http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Quds-Einheit

Weitere Fotos gibt es u. a. bei
Payvand News
Khamenei hat über seinen Twitter-Account auch ein offizielles Foto verbreitet: http://twitpic.com/2zqkm3

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