Inhaftierter iranischer Filmemacher: Ich und andere Gefangene wurden gefoltert

Der inhaftierte iranische Schriftsteller und Filmemacher Mohammad Nourizad

RFE/RL, 10. November 2010 – Ein inhaftierter iranischer Journalist und Filmemacher hat Einzelheiten der Folter veröffentlicht, die er und andere Gefangene seinen Angaben zufolge erlitten haben. Dies berichtet Radio Farda von RFE/RL. In einem auf mehreren reformorientierten Webseiten veröffentlichten Statement erklärt Mohammad Nourizad, Geheimdienstagenten hätten ihn im Gefängnis geschlagen und beschimpft. Er bezeichnete ihr Verhalten als „barbarisch“.

Nourizad zufolge wurden auch andere politische Gefangene, darunter Mostafa Tajzadeh, Abdollah Momeni, Hamza Karami und Mohammad Reza Rajabi in der Haft gefoltert.

Hamza Karimi und Abdollah Momeni hatten zuvor in Briefen an den obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei die Folter und den psychologischen Druck beschrieben, dem sie und andere Gefangene während der Haft ausgesetzt waren.

Khamenei hatte öffentlich erklärte: „Alle, die in irgendeiner Weise davon betroffen sind, müssen wissen, dass Toleranz nicht das Prinzip der Regierung ist. Wir glauben, dass eine klare Stellungnahme gegen unsere Gegner im Rahmen des Gesetzes liegt.“

Sowohl das islamische Recht als auch die iranische Verfassung verbieten körperlicheund psychologische Folter, bei beidem handelt es sich um strafbare Vergehen.

Hadi Ghaemi, Vorsitzender und Sprecher der Organisation International Campaign for Human Rights in Iran, sagte am 10. November gegenüber Radio Farda, die Folter von Inhaftierten, die nach der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet wurden, sei Routine. „Die Nachrichten von Folterungen sickerten in der Anfangsphase der Unruhen durch, als unzählige Menschen verhaftet wurden, und die Haftanstalt Kahrizak stand dabei im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.“ Ghaemi zufolge sei der erste Schritt zur Verhinderung von Folter ihre internationale Veröffentlichung.

„Diese Briefe und Notizen haben sich tatsächlich auf internationaler Ebene als sehr effektiv erwiesen. Wir haben einige von ihnen übersetzt und an Delegierte der Vereinten Nationen verteilt“, so Ghaemi. „Wir hoffen, dass die (UN) nach diesen von den Gefangenen selbst stammenden Informationen aus erster Hand eine Resolution verabschieden wird.“

Nourizad war Ende letzten Jahres verhaftet worden, nachdem er auf seinem Blog mehrere offene Briefe veröffentlicht hatte, die als respektlos gegenüber Khamenei und anderen Führungsmitgliedern verstanden wurden.

Er wurde zu 3,5 Jahren Haft und 50 Peitschenhieben verurteilt – unter welchen Anklagen, ist unbekannt – und am 24. Juni aus dem Gefängnis freigelassen. Am 18. August wurde er wieder ins Gefängnis berufen, nachdem er auf seinem Blog einen weiteren offenen Brief an Khamenei veröffentlicht hatte.

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 11. November 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/Detained_Iranian_Filmmaker_Says_He_And_Other_Detainees_Tortured/2217762.html

2 Antworten zu “Inhaftierter iranischer Filmemacher: Ich und andere Gefangene wurden gefoltert

  1. Pingback: Mohammad Nourizad prangert „ungeheuerliche“ Behandlung durch iranische Geheimdienste an | Julias Blog

  2. Leider sind nicht alle Iraner so mutig !

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