Welttag der Philosophie geht in Teheran zu Ende

Gholam Ali Haddad Adel (l.), Ayatollah Sadegh Larijani

Zamaaneh, 24. November 2010 – Gestern Abend ging der Welttag der Philosophie in Teheran mit Worten des iranischen Justizchefs zur Revision der Inhalte der Sozialwissenschaften und zum Thema Menschenrechte zu Ende.

Der Nachrichtenagentur ISNA zufolge schloss der Welttag der Philosophie, der am vergangenen Sonntag begonnen hatte, mit einer Abschlusszeremonie in der Nationalbibliothek/dem Archiv der Islamischen Republik Iran. Auf der dreitägigen Veranstaltung gab es dem Bericht zufolge 16 themenspezifische Podiumsdiskussionen, es wurden Artikel aus 22 Ländern eingereicht.

Justizchef Ayatollah Sadegh Larijani sprach auch in der Abschlusszeremonie wieder das Thema der geisteswissenschaftlichen Lehre an und sagte, es sei zwingend notwendig, die Grundsätze zu überprüfen, auf denen die Lehre der Geisteswissenschaften [in Iran] aufbaut. Er erklärte: „Die Geisteswissenschaften, die aus dem Westen importiert wurden, müssen im Lichte der Voraussetzungen, Ziele und Lebensweisen einer jeden Gesellschaft revidiert werden.“ Dies sei keine politische Frage, sondern vielmehr eine Frage der „technischen Präzision und Genauigkeit“. Larijani erklärte, seine Äußerungen über die Geisteswissenschaften seien „falsch gedeutet“ worden: „Ich hörte, dass ein Deutscher Bewerber für diese Veranstaltung sagte, er werde wegen der Kontroversen um das Thema Geisteswissenschaften in Iran nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Wir bedauern sehr, dass Denker und Philosophen Dinge missverstanden haben.“

Larijani zufolge können die Werke westlicher Denker in Iran unterrichtet werden, sie müssten allerdings Vorgaben enthalten, die mit den kulturellen und religiösen Vorgaben der jeweiligen Gesellschaft [„of each society“] übereinstimmen.

Ayatollah Larijani stellte die Menschenrechtssituation im Westen in Frage und erklärte, die „jetzigen Menschenrechtsbestimmungen“ seien die Frucht der Moderne. Es sei nicht fair, „diese Lehren einem Land aufzuzwingen, dass eine völlig andere Kultur und einen völlig anderen Hintergrund hat.“ Larijani fügte hinzu: „Sie zwingen uns dazu, dass wir ihre Ideen in unsere Köpfe tun.“

Der iranische Justizchef brachte außerdem seine „Enttäuschung“ über den Rückzug der UNESCO von den in Iran stattfindenden Veranstaltungen zum Welttag der Philosophie zum Ausdruck.

Gholamali Haddad Adel, Leiter des Organisationsteams der Veranstaltung, kritisierte den Schritt der UNESCO ebenfalls und führte ihn auf politischen Druck zurück. Er äußerte sich besorgt darüber, dass „die UNESCO ein politisches Werkzeug in den Händen der Weltmächte“ geworden sei.

Die UNESCO hatte sich am 9. November von den in Teheran stattfindenden Veranstaltungen zum Welttag der Philosophie distanziert, obwohl sie vor zwei Jahren damit einverstanden gewesen war, dass Iran die Veranstaltungen im Jahre 2010 ausrichtet.

Unzählige Philosophen und Gelehrte aus der ganzen Welt hatten angesichts der jüngsten in Iran deutlich gewordenen Feindseligkeit gegenüber der geisteswissenschaftlichen Lehre an Universitäten sowie der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl Mahmoud Ahmadinejads in 2009 mit Empörung auf die Wahl Irans als Austragungsort für die Veranstaltung reagiert.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 24. November 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/11/world-philosophy-day-clos.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s