Ahmad Ghabel wegen Enthüllungen über Hinrichtungen in Vakilabad vor Gericht

ICHRI, 27. November 2010 – Während die Justizbehörden jede Auskunft zu den Hinrichtungen von Mashhad verweigern, muss sich der Theologe und Gewissensgefangene Ahmad Ghabel vor Gericht verantworten, weil er über diese Hinrichtungen gesprochen hat. Ghabels Ehefrau sagte gegenüber ICHRI, er habe den Richter von Abteilung 5 des Gerichts in Mashhad bei seiner 3. Verhandlung darum ersucht, bei seiner nächsten Verhandlung keine Verlegung aus dem Gefängnis anzuordnen. Ghabel begründete seinen Antrag damit, dass er von Gefängnisbeamten bei der Leibesvisitation anlässlich des Transfers vom Gefängnis in den Gerichtssaal entwürdigend behandelt worden sei.

Ghabel, der im Fall der Gruppenhinrichtungen im Gefängnis Vakilabad in Mashhad Informationen enthüllt hatte, ist wegen „Interviews mit Nachrichten-Webseiten“ angeklagt.

Von der Gerichtsverhandlung berichtete seine Frau Marzieh Pasdar: „Sie haben mich nicht einmal ins Gerichtsgebäude hineingelassen. Von 9 Uhr, als mein Mann gebracht wurde, bis 12:20 Uhr, als die Verhandlung vertagt wurde, musste ich draußen am Eingang warten. Erst dann durfte ich endlich hineingehen. Wir konnten nur fünf Minuten reden, die restlichen Informationen bekam ich von ihm per Telefon.“

„Er sagte, dass die meisten Anklagen sich auf das ‚Verbreiten von Lügen‘ bezogen, und auf das Material, das er an Webseiten gegeben haben soll. Darunter waren auch Informationen über die Hinrichtungen im Gefängnis von Mashhad und andere Dinge, die er geäußert hatte.  Offenbar wurden ihm jedoch auch andere Äußerungen zugeschrieben, die von ‚einem Gefangenen‘ stammen und ebenfalls auf den Webseiten veröffentlicht worden waren. Dazu sagte er, er sei nur für Material verantwortlich, das direkt von ihm zitiert wurde.“

„Außerdem ist Ghabel für ‚Beleidigung des Gründers der Islamischen Republik‘ (Imam Khomeini) angeklagt. Diese Anklage hat er vor Gericht zurückgewiesen. Er sagte, er habe in keiner seiner Äußerungen den Führer beleidigt. In dieser ersten Gerichtsverhandlung forderte der Richter ihn auf, seine Äußerungen zu beweisen. Daraufhin suchten wir, und fanden eine CD mit allen Fragen (die Ahmad Ghabel gestellt worden waren) und seinen Antworten – denen, nach denen das Gericht gefragt hatte. Diese CD schickten wir über seinen Anwalt mit einem Transkript an das Gericht“, berichtete Ahmad Ghabels Ehefrau weiter.

„Er erzählte mir, dass er den Richter gebeten habe, ihn für die nächste Verhandlung nicht ins Gericht bringen zu lassen, weil sich die Beamten bei der Leibesvisitation vor und nach dem Gerichtstermin unangemessen verhalten hatten. Er bat den Richter, das Urteil für ihn Abwesenheit zu erlassen. Er wollte sich dann schriftlich verteidigen. Ghabel hatte sich schon vorher über seine Behandlung beschwert, aber ohne Erfolg.“

Ahmad Ghabels Frau beschrieb seinen körperlichen und psychischen Zustand während des kurzen Zusammentreffens als gut. „Es ging ihm nicht schlecht, Gott sei Dank war er in guter Stimmung. Er nimmt natürlich Medikamente, denn als er letztes Mal aus dem Gefängnis entlassen wurde, wurde er krank und musste sich behandeln lassen. Aber dank der Medikamente sind seine Herzprobleme jetzt unter Kontrolle.“

Ahmad Ghabel hatte sich in mehreren kritischen Briefen an den obersten Führer Irans gewandt. Im vergangenen Dezember war er auf dem Weg zum Begräbnis Ayatollah Hossein Ali Montazeris verhaftet worden. Der Leiter von Abteilung 5 des Revolutionsgerichts von Mashhad ordnete am 11. Juni seine Freilassung gegen eine Kaution in Höhe von 50.000 Dollar an. Ahmad Ghabel war zu diesem Zeitpunkt 170 Tage im Gefängnis gewesen. Nach seinen Enthüllungen über Gruppenhinrichtungen im Gefängnis Vakilabad in Mashhad musste er im September ins Gefängnis zurückkehren.

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 27. November 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/11/ghabel-on-trial-for-revealing-vakilabad-executions-amidst-lack-of-accountability-by-judiciary/

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