Anschläge auf zwei iranische Professoren

Zamaaneh, 29. November 2010 -Bei zwei Bombenexplosionen in Teheran ist ein Universitätsprofessor ums Leben gekommen und ein weiterer verletzt worden.

Iranischen Medienberichten zufolge gab es zwischen 7 und 8 Uhr Morgens zwei Attentate auf Majid Shahriyari und Fereydoon Abbasi, zwei Professoren der Shahid-Beheshti-Universität.

Wie der Teheraner Polizeichef Hossein Sajedinia mitteilt, war Majid Shahriyari gemeinsam mit seiner Ehefrau und einem Fahrer mit dem Auto auf dem Weg zur Universität, als sich die Explosion ereignete. Er starb, seine Frau und der Fahrer wurden verletzt.

Der zweite Anschlag wurde auf Fereydoon Abbasi und seine Frau verübt. Beide saßen zum Zeitpunkt des Anschlags ebenfalls im Auto, dass auf der Straße geparkt war. Sowohl Abbasi als auch seiner Frau gelang es, aus dem Auto zu flüchten. Beide wurden verletzt.

Sajedinia zufolge hatten Motorradfahrer sich den Autos der beiden Professoren genähert, die Bomben angebracht und später zur Explosion gebracht. Die Attentäter seien noch nicht verhaftet worden, die Polizei gehe jedoch davon aus, dass beide Attentate einer bestimmten Gruppe zuzuschreiben sind.

Auf die Frage, ob die Attentate Teil eines Systems von Anschlägen gegen Akademiker sein könnten, antwortete Sajedinia: „Der erste ähnliche Fall ereignete sich vor einem Jahr, und bislang gab es keine weiteren Fälle dieser Art. Das Vorgehen in diesem neuen Fall ist anders als vor einem Jahr. Verbindungen zwischen beiden Fällen sind sehr unwahrscheinlich“.

Im vergangenen Dezember [sic] war Massoud Ali-Mohammadi, Physikprofessor an der Teheran-Universität, bei der Explosion einer Bombe vor seinem Haus getötet worden. Der Leiter der Mordkommission der Teheraner Polizei hatte damals mitgeteilt, dass die Bombe an einem Motorrad in der Nähe von Ali Mohammadis Haus angebracht war.

Damals hatten regierungstreue Gruppen das Attentat US-amerikanischen und israelischen Elementen zugeschrieben. Iranische Oppositionelle hatten hingegen vermutet, dass Massoud Ali-Mohammad als Reform-Befürworter von regierungstreuen Kräften getötet wurde.

Die staatliche Nachrichtenagentur Fars News berichtet heute, dass es sich bei den beiden Opfern der Anschläge von heute um „Basij-Professoren“ gehandelt habe, und machten die USA verantwortlich. Die Anschläge von heute entsprängen „der Enttäuschung des Feindes darüber, dass es nicht gelingt, iranische Spitzenkräfte aus dem Land zu holen“, so Fars News.

Der Nachrichtenagentru ISNA zufolge war Majid Shahriyari Mitglied der Abteilung für Kerntechnik an der Shahid-Beheshti-Universität. Massoud Ali-Mohammadi, der bei dem Anschlag vom letzten Jahr ums Leben kam, gehörte demselben Projekt an, an dem auch Shahriyari beteiligt war.

Die ebenfalls regierungstreue Nachrichtenseite Mashregh berichtet, dass Shahriyari an einem Projekt zur „theoretischen Planung der neuen Nuklearreaktor-Generation“ mitarbeitete.

Mashregh zufolge war auch Fereydoon Abbasi an den Nuklearaktivitäten Irans beteiligt. „Abbasi war seit Beginn der Revolution Mitglied der Revolutionsgarden und war während des Iran-Irak-Krieges drei Mal aktiv an der Front.“ Seinen Doktorgrad in Nuklearphysik habe er nach dem Krieg erworben.

Laut Mashregh war Abbasi seit 17 Jahren Mitglied der Emam-Hossein-Fakultät der Revolutionsgarden und wurde vor drei Jahren für seine wissenschaftlichen Verdienste für das Land von Mahmoud Ahmadinejad ausgezeichnet worden.

Der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akabar Salehi, hat unterdessen verlautbaren lassen, dass Majid Shahriyari einer seiner Studenten gewesen sei. Sein Tod sei das Werk von Feinden, die „dem Wachstum und der Entwicklung der Lehrer und Gelehrten Irans Hindernisse in den Weg legen wollen.“

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 29. November 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/11/assassination-attempts-ag.html

3 Antworten zu “Anschläge auf zwei iranische Professoren

  1. Hier hat sich jemand die Mühe einer Recherche gegeben:
    http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/tehranbureau/2011/01/has-professor-ali-mohammadis-assassin-really-been-arrested.html

    Nicht ohne Grund glaubt ihnen niemand mehr, nicht mal die eigenen Leute.

  2. Wenn die Iraner tatsächlich durch ausländische Tätigkeiten geschädigt werden, herrscht erstmal Schweigen (wie jüngst im Fall Stuxnet). In diesem Fall aber wurden die Nachrichten über die Anschläge nahezu sofort veröffentlicht.
    Die Schuldzuweisung an die üblichen Feinde wirkt darum wie eine Ablenkung.

    Scheint so, als ermorden sie Ihre eigenen Atomwissenschaftler. Wahrscheinlich wussten sie zuviel.

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