Feierlichkeiten zu Ayatollah Montazeris Todestag aus „Sicherheitserwägungen“ abgesagt

GVF, 4. Dezember 2010 – Die Familie von Großayatollah Montazeri hat mitgeteilt, dass die Gedenkfeierlichkeiten zum ersten Todestag des verstorbenen Geistlichen wegen „fehlender Sicherheit“ und „Bedenken bezüglich einer Wiederholung der Ereignisse des letzten Jahres“ nicht stattfinden werden.

Das „Haus des Großayatollah Montazeri“ hatte am Freitag ein Statement veröffentlicht, in dem mitgeteilt wird, dass es zum ersten Todestag des führenden Klerikers, der von vielen als geistlicher Führer der iranischen Grünen Bewegung angesehen wurde, keine Gedenkfeier geben werde.

In dem Statement wird der verstorbene Großayatollah als ein Mensch beschrieben, der „nie gegen seine Überzeugungen gesprochen oder gehandelt hat“; das „Ausmaß und die Pracht seiner Beerdigung (im letzten Jahr)“ hätten nicht nur gezeigt, dass die ständige und großangelegte Propaganda gegen ihn in den letzten 20 Jahren ohne Wirkung geblieben sei, sondern auch „seine Popularität im Volk deutlich gemacht“. Dies habe die „Missgünstigen“ dazu gebracht, eine Gedenkfeier zu seinen Ehren zu verhindern.

Großayatollah Montazeri, irans höchster Geistlicher, war in den 1980er Jahren zum Nachfolger des Gründers der Islamischen Republik Imam Khomeini bestimmt worden. Nachdem er sich jedoch mit Imam Khomeini überworfen und die Hinrichtung politischer Gefangener Ende der 1980er Jahre kritisiert hatte, wurde er seiner Position enthoben und wurde zu einem erklärten Kritiker der Islamischen Republik. Wiederholt stellte er die Referenzen des derzeitigen Führers Ali Khamenei für dessen Eignung als religiöse Authorität in Frage, was im Jahre 1997 dazu führte, dass er unter Hausarrest gestellt wurde.

Während der Unruhen nach der gefälschten Präsidentschaftswahl in Iran von 2009 hatte der verstorbene Geistliche die Grüne Bewegung und ihre Ziele nachdrücklich unterstützt.

Nach seinem Tod [am 20.] Dezember 2009 hatten Zehntausende an der Prozession in der heiligen Stadt Qom teilgenommen. Sein Tod löste massive Proteste in der Nähe seines Hauses in Qom,aber auch in Teheran und anderen iranischen Großstädten aus. Trauernde wurden von Sicherheitskräften verprügelt und monatelang inhaftiert.

In den darauf folgenden Monaten hatten Milizen in Zivil und Schläger des Regimes zudem das Büro des Großayatollahs durchsucht; danach wurde das Büro geschlossen.

Das Statement der Familie Montazeri betont: „Selbst unter dem letzten (Pahlavi)-Regime hatten die Häuser von Geistlichen eine gewisse Unantastbarkeit, aber leider gibt es in der Ära, die im Namen der Islamischen Republik regiert wird, keine sichere (Zufluchtsstätte) mehr. Das geht so weit, dass es keine Sicherheit für eine Zeremonie gibt, mit der ein Geistlicher geehrt werden soll, der selbst einer der Gründer dieses (politischen) Systems war.“

„Um eine Wiederhoung der Ereignisse des letzten Jahres, der Verhaftungen und der Schläge  zu vermeiden, wird es anlässlich des ersten Todestages Ayatollah Montazeris keine Feier geben“, heißt es in dem Statement. Man hoffe auf die Freilassung der vielen „unschuldigen politischen Gefangenen“ im Land.

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 4. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/dec/04/2511

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