Fotos von Sakineh Ashtiani in Iran aufgetaucht – Freilassung nicht bestätigt

AFP/GVF, 9. Dezember 2010 – Am Donnerstag wurden Fotos der zum Tode verurteilten Iranerin [Sakineh Ashtiani] veröffentlicht, die sie während eines Besuchs zu Hause letzte Woche zeigen. Berichte, nach denen sie freigelassen worden sein soll, wurden von iranischer Seite nicht offiziell bestätigt.

Eine in Deutschland ansässige Aktivistengruppe hatte bekannt gegeben, dass Sakineh Mohammadi Ashtiani gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrem Anwalt freigelassen worden sei. „Wir haben Nachricht aus Iran bekommen, dass sie frei sind“, sagte Mina Ahadi, Sprecherin des Committee Against Stoning, gegenüber AFP.

Weder seitens der Behörden in Teheran, noch von iranischen staatlichen Medien wurde dies bestätigt. Auch ein deutscher Außenamtssprecher sagte, man könne die Nachricht „nicht bestätigen“. [Anm. d. Übers.: Auch die beiden deutschen Reporter, die im Zusammenhang mit dem Fall verhaftet wurden, sollen angeblich freigekommen sein]

Der italienische Außenminister Franco Frattini feierte die Nachricht hingegen als „großen Tag für die Menschenrechte“.

Inmitten der Verwirrung könnten die fälschlichen Berichte über eine Freilassung auf  Bilder zurückgehen, die westlichen Medien vorliegen und die Sakineh anscheinend bei einem kurzen Hafturlaub am vergangenen Sonntag zeigen, bei dem ein Fernsehinterview stattfinden sollte.

Die 43jährige zweifache Mutter Sakineh Ashtiani war von zwei verschiedenen Gerichten in der nordwestiranischen Stadt Tabriz im Jahre 2006 in zwei separaten Gerichtsprozessen zum Tode verurteilt worden.

Die Verurteilung zum Tod durch den Strang für ihre Beteiligung am Mord an ihrem Ehemann war im Jahre 2007 von einem Berufungsgericht in eine 10jährige Haftstrafe umgewandelt worden.

Die zweite Verurteilung zum Tod durch Steinigung wegen Ehebruchs wurde im selben Jahr von einem zweiten Berufungsgericht bestätigt.

Sakinehs derzeitiger Anwalt Javid Houtan Kian war im September in Tabriz zusammen mit zwei deutschen Staatsbürgern verhaftet worden, die ein Interview mit Sakinehs Sohn führen wollten.

Die beiden Deutschen, die mit Touristenvisa ins Land eingereist waren und [als Reporter] für die deutsche Zeitung Bild am Sonntag arbeiten, werden der Spionage angeklagt.
[Anm. d. Übers.: Der iranische Justizsprecher hat am 6. Dezember erklärt, dass die beiden Deutschen nicht als Spione angesehen werden: http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/12/iran-says-detained-german-2.html]

Ungeachtet des internationalen Aufschreis der Empörung über das Todesurteil hatte Mohammad Javad Larijani, Leiter des iranischen Hohen Menschenrechtsrats, Parallelen zwischen dem Fall Ashtiani und dem Fall der 41jährigen amerikanischen Großmutter Teresa Lewis gezogen, die Ende September in den Vereinigten Staaten wegen Mordes hingerichtet worden war: „Unsere Justiz hat sich sehr eingehend (mit dem Fall) befasst, und wir denken, dass gute Aussichten bestehen, dass ihr Leben gerettet werden kann“, hatte Larijani gegenüber der englischsprachigen iranischen [regierungstreuen] Nachrichtenseite PressTV erklärt.

AFP

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 9. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/dec/10/2539

Nachtrag: Enduring America hat interessante Ergänzungen veröffentlicht.

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