Inhaftierter Journalist Abdolreza Tajik erhält Pressefreiheitspreis

Abdolreza Tajik vor seiner Verhaftung (r.) und danach

GVF, 10. Dezember 2010 – Die in Paris ansässige Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat beschlossen, ihren diesjährigen Pressefreiheitspreis an zwei „Symbole des Muts“ zu vergeben: Den inhaftierten iranischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Abdolreza Tajik und den somalischen Rundfunksender Radio Shabelle.

„In diesem Jahr ehren wir einen mutigen Journalisten, Abdolreza Tajik, und einen unter schwierigen Bedingungen arbeitenden Radiosender, Radio Shabelle“, erklärte der Generalsekretär der Organisation, Jean-François Julliard. „Beide Preisträger arbeiten in Ländern, in denen Berichterstattung einem ständigen Kampf gleichkommt: Iran und Somalia.“

Die Preise wurden am Donnerstag Abend im Rahmen einer Feier im Zentrum der Ausländischen Presse (CAPE) in Paris präsentiert. Die Preisträger wurden von einer internationalen Jury aus Journalisten und Menschenrechtsaktivisten ausgewählt. Entscheidendes Kriterium war die Leistung bedeutsamer Beiträge zum Schutz und zur Förderung der weltweiten Pressefreiheit.

„Die Freiheit, über Nachrichten berichten zu können, und das Recht der Öffentlichkeit, von diesen Berichten zu erfahren, sind mehr denn je bedroht“, sgte die frühere französische UNESCO-Botschafterin Gisèle Halimi, ehemals Mitglied der Nationalversammlung, bei der Vorstellung der Auszeichnung „Journalist des Jahres 2010“. „Der Schutz und die Förderung der Medienfreiheit trägt ebenso wie der Schutz der Rechte von Frauen dazu bei, die Freiheiten einer ganzen Gesellschaft zu befördern.“

An Stelle Tajiks, der am 1. Jahrestag der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 in Iran zum dritten Mal verhaftet worden war, nahm die Menschenrechtaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi die Auszeichnung zum „Journalisten des Jahres 2010“ in seinem Namen entgegen.

In ihrer Ansprache sagte Ebadi: „Ich bedaure, dass Abdolreza nicht hier sein kann, um den Preis persönlich entgegenzunehmen. Sein einziges Verbrechen war, dass er die Wahrheit geschrieben hat. Deshalb sitzt er in Evin in Einzelhaft, ohne Kontakt zu seinem Anwalt und ohne Zugang zu seinen Prozessakten. Abdolreza ist ein Symbol des Widerstands in Iran, und er ist nicht der Einzige. Ich hoffe sehr, dass er nächstes Jahr hier sein kann, um Sie alle zu treffen.“

„Reporter ohne Grenzen“ begründete die Wahl Tajiks mit dessen „Berichterstattung und Engagement für den Schutz der Pressefreiheit in Iran“.

Abdolreza Tajik schrieb für reformorientierte Zeitungen wie Fath, Bonyan, Bahar, Hambastegi und Shargh.

Noch mehrere Wochen nach seiner jüngsten Verhaftung hatte Tajiks Familie nicht gewusst, wo er sich aufhält. Mehr als einen Monat nach seiner Verhaftung hatte Tajiks Schwester Parvin ihn im Gefängnis besucht und BBC gegenüber später berichtet, ihr Bruder habe ihr bei dem Besuch erzählt, dass  er am ersten Abend seiner Inhaftierung in Anwesenheit eines Stellvertreters der Staatsanwaltschaft und eines Richters „entehrt“ worden sei.

Als sie ihren Bruder gefragt habe, was genau er mit „entehrt“ meine, habe er geantwortet, sie solle es einfach dem Staatsanwalt und seinem Anwalt, Herrn Sharif, erzählen – sie wüssten, was gemeint sei. *)

Tajik, der auch Mitglied des Zentrums zum Schutz der Menschenrechte ist, war kurz nach  der Ausstrahlung einer Sendung des iranischen staatlichen Fernsehens verhaftet worden, in der die Präsidentin des Zentrums zum Schutz der Menschenrechte, Shirin Ebadi, verunglimpft wurde. Ein weiteres Mitglied des Zentrums, Narges Mohammadi, wurde ebenfalls einen Tag nach der Ausstrahlung der Sendung verhaftet.

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 10. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/dec/10/2542

*) Anm. d. Übers.: Parvin Tajik ist mittlerweile ebenfalls verurteilt – es wird vermutet, dass dies mit ihren öffentlichen Äußerungen über ihren Bruder zusammenhängen könnte.

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