Familie des Filmemachers Nourizad vor dem Evin-Gefängnis verhaftet

Update: Offenbar wurden alle Angehörigen Nourizads sowie Tajzadehs Ehefrau mittlerweile wieder freigelassen. Letztere soll ins Krankenhaus gebracht worden sein (http://nurizad.net/?p=2094)

Mohammad Nourizad

GVF, 16. Dezember 2010 – Sechs Tage, nachdem der iranische Filmemacher, Journalist und vehemente Regimekritiker Mohammad Nourizad im Gefängnis in einen trockenen Hungerstreik getreten ist, wurde seine Familie heute vor dem Evin-Gefängnis verhaftet.

Die dem iranischen Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi nahestehende Webseite Kalemeh berichtet, dass Sicherheitskräfte eine Gruppe Menschen verhaftet hätten, die sich am Donnerstag vor dem Evin-Gefängnis niedergelassen hatten. Unter den Verhafteten befinden sich auch Nourizads Schwestern, seine Mutter sowie die Ehefrau des führenden Reformers Mostafa Tajzadeh [Fakhrosaadat Mohtashamipour].

Nourizad, der früher ein bekennender Unterstützer des iranischen obersten Führers Ali Khamenei gewesen war, wurde im Dezember 2009 verhaftet, nachdem der mehrere kritische offene Briefe an Khamenei veröffentlicht hatte, in denen er ihn für die Niederschlagung der Proteste nach der manipulierten Präsidentschaftswahl von 2009 verantwortlich machte. Später wurde er wegen Beleidigung des obersten Führers und staatsfeindlicher Propaganda zu 3,5 Jahren Gefängnis und 50 Peitschenhieben verurteilt.

Nourizad begann seinen Hungerstreik am Samstag, um gegen seinen dreiminütigen Schauprozess zu protestieren, in  dem er vom vorsitzenden Richter beleidigt und bedroht worden war.  Nourizads Gesundheitszustand hat sich seither ernstlich verschlechtert, und er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Verschiedene iranische Filmemacher und Persönlichkeiten, darunter auch Zahra Rahnavard und Jafar Panahi, haben Nourizad zur Beendigung seines Hungerstreiks aufgerufen.

Seine Ehefrau Fatemeh Maleki erklärte gegenüber Radio Farda am 13. Dezember, sie habe „von Morgens bis Abends 17 Uhr in der strengen Kälte vor dem Evin-Gefängnis gewartet“, habe aber nichts über ihren Mann in Erfahrung bringen können.

Erst im Juni war Nourizad freigelassen worden, musste aber zwei Monate später wieder ins Gefängnis zurückkehren, nachdem er einen weiteren hochgradig kritischen Brief an Khamenei veröffentlicht hatte. In seinem letzten Eintrag auf seinem Weblog schreibt Nourizad: „Ich weiß nicht, wohin sie mich bringen werden… Ich erwarte keine gute Behandlung von ihnen. Vielleicht werden sie mich schlagen. Vielleicht heftig. Sie werden meine Familie und mich beleidigen. Vielleicht heftig. Und wie mein Befrager sagte – sie werden mich vielleicht wegen Moharebeh („Kriegführung gegen Gott“) anklagen und hinrichten. Was auch immer geschieht, ich werde es annehmen – für die Zukunft der Menschen meines Landes.“

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 16. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/dec/16/2566

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