Ali Saremis Tochter: „Wir wurden über die Hinrichtung meines Vaters nicht informiert“

ICHRI, 28. Dezember 2010 – Zeinab Saremi, die Tochter des gestern Morgen im Teheraner Evin-Gefängnis wegen „Feindschaft gegen Gott“ (Moharebeh) hinterichteten Ali Saremi, erklärte gegenüber International Campaign for Human Rights in Iran, die iranischen Behörden hätten die Familie über die bevorstehende Hinrichtung ihres Vaters nicht informiert. Sie hätten von Zellengenossen Saremis im Gefängnis Rajai Shahr davon erfahren, dass möglicherweise seine Hinrichtung bevorstehen könnte, und seien sofort zum Evin-Gefängnis gefahren. Saremis Tochter, die sich zum Zeitpunkt des Interviews immer noch vor dem Evin-Gefängnis aufhielt, sagt, dass nicht einmal Saremis Anwalt den Zeitpunkt der Hinrichtung vorher kannte.

Wie Saremis Tochter gegenüber ICHRI angab, wurden ihre Mutter, ihre Schwester und mehrere ihrer Freunde, die die Familie zum Gefängnis begleitet hatte, von Sicherheitskräften verhaftet. Zeinab Saremi wurde angewiesen, entweder in den Polizeibus zu steigen oder das Gefängnisgelände zu verlassen. Sie habe vor dem Gefängnis gewartet, um den Leichnam ihres Vaters in Empfang zu nehmen.

„Gestern Abend bei Sonnenuntergang riefen Zellengenossen meines Vaters aus dem Gefängnis (Rajai Shahr) bei uns zu Hause an und erzählten, dass Ali Saremi auf sehr verdächtige Weise ‚abgeführt‘ worden sei. Seine Zellengenossen wussten von seinem Verschwinden und sagten uns, wir müssten uns ‚wirklich Sorgen um ihn‘ machen“, erklärte Zeinab Saremi gegenüber ICHRI.

„Die Behörden haben uns überhaupt nichts von seiner Hinrichtung gesagt. Sie haben nicht einmal seinen Anwalt informiert. Wir haben uns wie immer um seinen Fall gekümmert, haben uns an den Obersten Gerichtshof gewandt und an jede andere Organisation, von der wir dachten, dass sie helfen könnte, das Leben meines Vaters zu retten. Wir haben Briefe geschrieben. Selbst als wir uns mit unserer Familie vor dem Evin-Gefängnis versammelten, um etwas über meinen Vater in Erfahrung zu bringen, wurde uns gesagt, dass nichts geschehen würde,  dass alle schlafen, und wir sollten weggehen.“

„Zur Zeit des Azan (Morgengebet) fuhren zwei Ambulanzen vor. Auf dem einen Fahrzeug stand ‚Inspektion‘, das zweite Fahrzeug trug keine Aufschrift. Es dauerte nicht einmal eine halbe Stunde. Nach einer Weile hörten wir den dreimaligen Ausruf ‚Ya Hossein‘. Der Nachhall ließ uns erschauern. Nachdem die Polizei wieder weg war, realisierten wir, dass alles vorbei war. Meine Mutter ist die ganze Nacht vor dem Gefängnis auf- und ab gegangen.“

Zu den Anklagen gegen ihren Vater sagte Zeinab Saremi gegenüber ICHRI: „Die Anklage wegen Moharebeh/Feindschaft gegen Gott war für ihn absolut unbegründet. Das Einzige, was ihn an den Mojahedin (MEK/MKO/PMOI) und Camp Ashraf interessierte, war mein Bruder, der dort lebt. Er hat seinen Befragern sogar gesagt, dass er kein Mitglied der Mojahedin ist und nur nach Camp Ashraf gereist ist, um seinen Sohn zu besuchen.“

Abschließend sagte  Zeinab Saremmi: „Ich bitte alle Menschenrechtsorganisationen, nicht zuzulassen, dass so viele Familien trauern müssen. Ich hoffe, dass die Menschenrechtsorganisationen verhindern können, dass so etwas auch anderen Familien widerfährt“

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 28. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/12/the-authorities-did-not-inform-us-of-my-fathers-execution-says-ali-saremis-daughter/

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