Ahmadinejad von IRGC-Kommandant ins Gesicht geschlagen

GVF, 31. Dezember 2010 – Wie aus einem kürzlich durchgesickerten, im Februar verfasstenTelegramm der US-Botschaft hervorgeht, kam es „einer Quelle zufolge“ bei einer Mitte Januar – kurz nach den Ashura-Demonstrationen vom 27. Dezember 2009 – stattfindenden Sitzung des Hohen Iranischen Sicherheitsrates zu einem Zwischenfall, bei dem der Stabschef der iranischen Revolutionsgarden Mohammad Ali Jafari Präsident  Ahmadinejad ins Gesicht schlug. Dem von Wikileaks veröffentlichten Dokument zufolge reagierte Jafari damit offenbar auf Ahmadinejads Vorschlag, mehr Freiheiten einzuführen, um der regimekritischen Stimmung in der Bevölkerung entgegenzuwirken. Die Quelle, die aus dem Umfeld der US-Botschaft in der Aserbaidjanischen Hauptstadt Baku stammt, gibt an, dass Ahmadinejad während der Sitzung gesagt habe, das Volk fühle sich „erstickt“, und es könne nötig werden, „mehr persönliche und gesellschaftliche Freiheiten zu gewähren“. Dazu gehöre auch „mehr Pressefreiheit im Land“.

Der IRGC-Kommandant und General Mohammad Ali Jafari soll daraufhin so aufgebracht gewesen sein, dass er laut rief „Das stimmt nicht! SIE sind es doch, der dieses Schlamassel verursacht hat! Und jetzt wollen Sie mehr Pressefreiheit!?“

„Der Quelle zufolge versetzte Jafari Ahmadinejad dann einen Schlag ins Gesicht, was einen Tumult auslöste und zur sofortigen Unterbrechung der Sitzung führte, die später nie wieder aufgenommen wurde“ , heißt es in dem Telegramm. Der Sicherheitsrat sei zudem zwei Wochen lang nicht mehr zusammengetreten, bis Ayatollah Jannati sich erfolgreich als „Friedensstifter“ zwischen Jafari und Ahmadinejad betätigt habe.

Nach der Niederschlagung der Proteste, die auf die Präsidentschaftswahl von 2009 folgten, hatten regimekritische Blogs und Webseiten von wachsenden Rissen innerhalb der politischen und militärischen Führungselite berichtet. Von Schlägen war allerdings bisher nicht die Rede, und keiner der Berichte wurde bisher von offizieller Seite bestätigt. Auch gab es keine offizielle Reaktion auf die jüngste Enthüllung über Jafaris Handgreiflichkeit.

Die Quelle in Baku beschreibt die allgemeine Situation innerhalb der politischen Elite als „sich immer mehr verschlechternd“. Die instabile Lage im Land könne der Quelle zufolge nicht „endlos“ andauern, vielmehr entwickelten sich die Ereignisse in Richtung „tiefgreifender Veränderungen und neuer Phasen“.

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 31. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/dec/31/2623

2 Antworten zu “Ahmadinejad von IRGC-Kommandant ins Gesicht geschlagen

  1. Pingback: Anonymous

  2. Es scheint ja innerhalb der regierenden Parteien durchaus kontroverse Ansichten über die Pressefreiheit zu geben. Interessant zu diesem Thema ist ebenfalls die kürzliche Entlassung des stellvertretenden Kulturministers Mohammad Ali Ramin, der für die Presse zuständig war und zahlreiche Zensuren und Verbote zu verantworten hat.

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