Trauernde Mütter lassen sich von Repressionen nicht einschüchtern

Rooz, 31. Dezember 2010 – Eineinhalb Jahre, nachdem Mütter von Opfern der Niederschlagung der Proteste gegen die Präsidentschaftswahl von 2009 die Gruppe der „Trauernden Mütter“ – auch bekannt als „die Mütter vom Laleh-Park“ – gründeten, wächst der Druck auf die Gruppe. Vergangene Woche waren mehrere Mitglieder und Unterstützer der Gruppe ins iranische Geheimdienstministerium vorgeladen worden. Und während zwei Mütter der Gruppe, Akram Zeinali (Mutter von Saeed Zeinali) und Jaleh Mahdavi (Mutter von Hesam Tarmasi) gegen Kaution freigelassen wurden, werden die beiden Unterstützerinnen Neda Mostaghimi und Hakimeh Shekari weiter festgehalten.

Es stellt sich die Frage, warum die friedlichen Aktivitäten der Trauernden Mütter von der Regierung als Sicherheitsrisiko angesehen werden. Warum wurden einige der verhafteten Mütter unter Druck gesetzt, damit sie vor laufender Kamera Geständnisse für das Fernsehen ablegen?

Es folgen Auszüge aus einem Interview, das Rooz mit Khadijeh Moghadam, Mitglied von „Mütter für den Frieden“ und aktives Mitglied der „Trauernden Mütter“ führte.

Rooz:  Wie entstand die Gruppe der Trauernden Mütter inmitten der turbulenten Protestwellen gegen die Wahlergebnisse von 2009, der damit einhergehenden Morde und Verhaftungen?

Moghadam: Wir haben erlebt, wie unsere Kinder auf der Straße verhaftet oder getötet wurden, und einige Mütter hatten das Gefühl, etwas tun zu müssen. Auch das Video von Nedas Tod hat uns tief berührt, so als wäre dieses tragische Ereignis unseren eigenen Kindern widerfahren. Dann tauchten die Nachrichten über Folterungen auf, und wir mussten aktiv werden. Nach einigen Diskussionen beschlossen wir, eine „mütterliche“ Aktion zu starten, etwas unpolitisches, denn keine von uns war in irgendeiner Weise politisch aktiv.

Rooz: Ursprünglich haben Sie die Freilassung der verhafteten Demonstranten und ein Ende der Gewalt gefordert. Waren dies also die Ziele Ihres Aktionsaufrufs?

Moghadam: Wir forderten die Freiheit für politische Gefangene, die Freilassung all der jungen Männer und Frauen, die während der Proteste verhaftet worden waren, und die strafrechtliche Verfolgung der Befehlshaber und Verantwortlichen für die Morde. Wir alle haben gesehen, dass unsere Leute keine Gewalt anwendeten. Die Gewalt ging von der Polizei und den Basijis aus, und unsere jungen Leute mussten sich irgendwie dagegen verteidigen. Wir sind zu den Straßendemonstrationen gegangen, wo die Menschen ihre Forderungen artikulierten und ihre Wählerstimmen zurückforderten, und haben uns zwischen die Polizei und die Demonstranten gestellt und an die Polizei appelliert, nicht zu schlagen oder zu schießen, denn diese Kinder waren unsere eigenen. Wir haben uns ständig um einen Dialog mit den bewaffneten Polizisten und sogar mit den Milizen bemüht. Tatsächlich war der Hauptgrund für die Gründung einer solchen Gruppe, dass wir versuchen wollten, die Gewalt zu stoppen.

Rooz: Und schon in der ersten Woche nach Ihrem Aktionsaufruf wurden mehrere Mütter verhaftet, und die Repression begann – richtig?

Moghaddam: Ja, in der ersten Woche haben sie zwanzig Mütter festgenommen. Diese Festnahmen erfolgten zeitgleich mit einem großen Interesse an unseren Aktivitäten, und viele wollten trotz der Verhaftungen weiter machen. Unsere Bewegung wurde nicht von Gründungsmitgliedern gestartet, sie entwickelte sich mit unseren Treffen in den Parks, durch Meinungsaustausch und Diskussionen und die Kooperation der Mütter untereinander.

Fereshteh Ghazi

Veröffentlicht bei Rooz Online am 31. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2010/december/31/article/grieving-mothers-not-deterred-by-armed-suppression.html

2 Antworten zu “Trauernde Mütter lassen sich von Repressionen nicht einschüchtern

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