Zahra Rahnavard im Interview mit RASA über die Situation der Grünen Bewegung

GVF, 1. Januar 2011 — In einem vor Kurzem stattgefundenen Interview mit RASA TV hat Zahra Rahnavard das derzeitige politische Establishment in Iran als „sehr repressiv“ bezeichnet und noch einmal hervorgehoben, dass sie keine Angst vor Verhaftung habe und als Preis für die „Freiheit“ sogar die Todesstrafe in Kauf nehmen werde.Die Ehefrau von Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi erklärte, die Grüne Bewegung sei noch immer lebendig, könne jedoch ohne Integration „theoretischer und organisatorischer“ Aspekte keinen Erfolg haben.

Auf die Frage, warum des keine Straßendemonstrationen mehr gebe und wie effizient das harte Durchgreifen der Regierung nach der Präsidentschaftswahl von 2009 gewesen sei, sagte Rahnavard: „Das derzeitige Regime ist sehr repressiv. Der Staat zeigt im jetzigen Regime eines seiner gewalttätigsten Gesichter.“ Die Repression habe „teilweise“ Erfolg gehabt, indem sie die Menschen davon abhält, auf die Straße zu gehen. Andererseits habe die Unterdrückungspolitik der Grünen Bewegung aber auch „die Möglichkeit gegeben, rationaler zu werden und in den Untergrund zu gehen.“

Die Autorin und Universitätsprofessorin argumentiert, die Führer der Grünen Bewegung – Moussavi, Karroubi und Mohammad Khatami – aber auch grüne Aktivisten seien zu dem Schluss gekommen, dass man in Zukunft „kalkulierter, rationaler und komplexer“ vorgehen müsse. „Bei der Grünen Bewegung geht es nicht nur darum, auf die Straße zu gehen“, so Rahnavard. Mit Straßenprotesten allein könne man „gewiss nicht zum Sieg gelangen.“

„Die Erfahrung der Islamischen Revolution (von 1979) hat gezeigt, dass die Präsenz auf den Straßen allein nicht ausreicht. Sie muss durch theoretische, rationale und organisatorische Aspekte ergänzt werden.“

Der Sieg bei der Islamischen Revolution von 1979 sei viel schneller als erwartet eingetreten, weshalb es an der nötigen „Infrastruktur“ gefehlt habe, so Rahnavard weiter.

„Die Aufregung und der Enthusiasmus im Volk, die hohen islamischen Ideale, von denen die Menschen ergriffen waren, führten uns schnell zum Sieg, aber dieser Sieg hatte nicht die nötige Infrastruktur. Aus diesem Grund begann (die Revolution) in den ersten sieben oder acht Jahren, sich zu degenerieren, und heute, dreißig Jahre später, sind wir wieder am Anfang. Ich hoffe jedoch, dass es keine Revolution geben wird, sondern dass sich Reformen durchsetzen werden.“

„Die Grüne Bewegung hat an Tiefe gewonnen, ist rationaler, vernünftiger und organisierter geworden. Wenn nötig, wird es Straßenproteste geben. Die Grüne Bewegung fürchtet sich nicht vor Unterdrückung. So viele unserer Frauen und Männer sind im Gefängnis, und niemand hat davor Angst.“

„Wir alle werden mit Freuden ins Gefängnis gehen. Ich selbst habe immer wieder gesagt, dass ich mich darauf vorbereitet habe, am Galgen sterben zu müssen. Dieser Preis ist das Mindeste, was ich für die Freiheit geben will.“

In ihrem Interview mit dem reformorientierten Sender RASA sagte Rahnavard, die Grüne Bewegung benötige auf ihrem Weg zur Verwirklichung ihrer Ziele bestimmte Werkzeuge, wie Furchtlosigkeit, die Weigerung, sich zum Schweigen bringen zu lassen, den Kampf im Untergrund, die Arbeit in Fraktionen und Gruppen sowie symbolische Aktionen. Diese Mittel seien unabdingbar für den Weg zu Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit.

Veröffentlicht bei Green Voice of Freedom am 1. Januar 2011
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2011/jan/01/2626

Eine Antwort zu “Zahra Rahnavard im Interview mit RASA über die Situation der Grünen Bewegung

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