Unterstützung der geistlichen Elite für den obersten Führer sinkt

Rooz, 11. Januar 2011 – Bei einem Zusammentreffen mit der Bevölkerung der Stadt Qom hat der oberste Führer der Islamischen Republik, Ayatollah Khamenei, die Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi offen beschuldigt, sich von ausländischen Mächten ausnutzen zu lassen. „Was diese vom Feind geplante Volksverhetzung [sedition] angeht, müssen noch viele Aspekte geklärt und analysiert werden“, so Khamenei. Mit dem Ausdruck „Aufruhr“ oder „Volksverhetzung“ [sedition] bezeichnen iranische Offizielle die verbreiteten Proteste, die nach der Präsidentschaftswahl von 2009 ausbrachen.

Khamenei fuhr fort: „Diese Personen, die jeder als Anführer des Aufruhrs bezeichnet, wurden vom Feind auf diese Bühne gestoßen. Man darf sich nicht vom Feind manipulieren lassen. Wenn dies geschieht, muss man seinen Fehler rechtzeitig bemerken und sich abwenden. Dies haben sie nicht getan.“ Khamenei war der erste, der den Ausdruck „Aufruhr“ offiziell benutzte.

Zu den sogenannten Hintermännern der Proteste sagte Khamenei: „Die wahren Agenten waren diejenigen, die sich diese Volksverhetzung ausgedacht oder sich in ihren kühnsten Träumen augemalt haben. Sie haben ihre Verschwörung geplant in dem Glauben, dass die Islamische Republik zerfallen würde und dass nicht nur die Wahrheit der Religion, sondern auch ihre Ideale sich in Luft auflösen würden. Ihr Plan war, die Regierung auf diese Weise zu Fall zu bringen. Es ist klar, was sie für die Zeit danach vorhatten. Doch wenn das Regime und die Regierung nicht wie gewünscht zerfallen würden, wollten sie das Land ins Chaos stürzen.“

Khamenei verglich in seiner Rede die Proteste nach der Wahl mit einer „Karikatur der Islamischen Revolution“: „Wie Schatten, die die Bewegungen eines Helden nachahmen, wollten auch sie die Revolution imitieren. Das war ihr Plan.“

Unterdessen enthüllte eine konservative Partei das Gefühl von Angst und Zweifel innerhalb der Eliten bei den Ereignissen und Protesten nach der Wahl von 2009. Sie beklagen, dass diese Angst sie „derart in Schweigen und Angst getrieben“ habe, dass sie „den obersten Führer nicht länger verteidigen“ könnten.

Die Versammlung für Öffentliche Forderungen in Mashhad (Majmae Motalebe Mardomi Mashhad) bedauerte die fehlende Unterstützung für Ayatollah Khamenei unter Akademikern und Geistlichen sowie „ihren großen Fehler“. Viele Mitglieder der geistlichen Elite unterstützten die Führung der Geistlichkeit (velayat-e faghih) nicht und betrachteten die Position des führers als eine Position des „politischen Elitedenkens“, heißt es in ihrem Statement. Aus Angst, „ihren Ruf und ihren Status zu verspielen“, hätten viele Mitglieder der geistlichen und akademischen Elite beschlossen, den obersten Führer nicht gegen die Ereignisse des letzten Jahres zu verteidigen. Dies ist das erste Mal überhaupt, dass eine konservative Gruppierung die Unterstützung für den obersten Führer in einen Zusammenhang mit dem „Spiel um Ruf und Status“ stellt und zugibt, dass es selbst unter Konservativen Menschen gibt, die den Führer für einen Elitepolitiker halten und nicht für den „Geistlichen Führer“ (vali faghih).

Der Führer der Islamischen Republik hat [diese Kritiker] im Gegenzug als „kurzsichtige Elite“ bezeichnet. Er ist der Meinung, dass „es an eben dieser kurzsichtigen Elite liegt, dass die Behauptungen über einen Wahlbetrug [bei der Präsidentschaftswahl von 2009] verbreitet wurden.“

Veröffentlicht bei Rooz Online am 11. Januar 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/january/11/article/clerical-elites-not-supportive-of-supreme-leader.html

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