Sanktionen trüben Teherans Erscheinungsbild (Fotostrecke)

Diese Werbefläche über Teherans wichtigster Schnellstraße ist seit Monaten ungenutzt (Foto: Farshid Alyan)

Payvand News, 24. Januar 2011 – Leere Werbeflächen verraten den Vertrauensrückgang bei den Investoren.

Als türkische Reporter Präsident Mahmoud Ahmadinejad vor einiger Zeit fragten, welche Auswirkungen die internationalen Sanktionen auf Iran hätten, gab dieser zur Antwort: „Von welchen Sanktionen sprechen Sie? Wenn Sie heute nach Iran kommen, werden die Leute Ihnen sagen, dass die Sanktionen für ihr Leben oder die Entwicklung des Landes keine Folgen hatten.“

Doch selbst dem oberflächlichen Beobachter muss auffallen, dass die Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft nicht ohne Folgen geblieben sind. Dies verrät unter anderem das auffällige Fehlen kommerzieller Werbung in der Hauptstadt Teheran.

Noch eine leere Werbefläche, hier an der Autobahn Teheran-Karaj (Foto: Farshid Alyan)

Vor wenigen Jahren noch wurden auf den Werbetafeln der Stadt Schweizer Uhren und andere Luxusgüter aus Europa und darüber hinaus angepriesen. Dies war Teil einer Initiative der Stadtverwaltung aus den frühen 1990er Jahren, um aus dem gerade erst erlaubten Importmarkt Kapital zu schlagen und der Stadt nach den acht düsteren Jahren des Iran-Irak-Krieges ein fröhlicheres Aussehen zu verleihen.

Heute bleiben viele Werbeflächen entlang der Hauptverkehrsadern leer. Nachdem im letzten Jahr weitere Sanktionen hinzukamen, begannen ausländische Investoren, sich aus dem Land zurückzuziehen, selbst wenn ihre Geschäfte von den Sanktionen gar nicht direkt betroffen waren.

Eine Botschaft der Stadtverwaltung an Firmen, in der Hoffnung, dadurch wieder Werbeflächen vermieten zu können: "Wir vermissen Sie" (Foto: Farshid Alyan)

In den letzten Monaten hat die Rezession viele iranische Firmen in den Bankrott getrieben.

Firmen, die Schwierigkeiten haben, ihre Lohnkosten zu decken, sind naturgemäß nicht in der Lage, für eine Werbefläche monatlich 20.000 bis 30.000 Dollar aufzubringen. Da die Vermieter der Werbeflächen mit den Preisen nicht heruntergehen, hat sich die Stadtverwaltung etwas neues ausgedacht: Sie nutzt Transparente, die wesentlich kostengünstiger sind.

Transparente bewerben preisgünstige Alternativen für klamme Firmenkassen (Foto: Farshid Alyan)

Während einige Werbetafeln verloren in der Gegend herumstehen, wurden andere von der Regierung übernommen, die sie für die Verbreitung politischer Parolen und religiöser Ermahnungen nutzt.

Kommerzielle Werbung ist teilweise durch religiöse Botschaften ersetzt worden. Diese Tafel an einer Straße im Norden Teherans erinnert schiitische Moslems an die Worte ihres ersten Imams: "Freundlichkeit ist ein freier Akt der Nächstenliebe" (Foto: Farshid Alyan)

Hier ein Zitat des Dritten Imams: "Heil denen, die für Gott getötet werden" (Foto: Farshid Alyan)

Eine bemerkenswerte Innovation ist die Abbildung von Frauen, wie auf dieser öffentlichen Anzeigetafel:

Eine Anzeige der Öffentlichen Nationalen Landwirtschaftsbank bricht mit der Praxis der Vergangenheit und zeigt tanzende Frauen (Foto: Farshid Alyan)

Am anderen Ende der Werbeskala erzählen selbstgemachte Flyer ebenfalls Geschichten der Not.

Diese Auswahl von Angeboten reicht von der Installation von Internetanschlüssen bis hin zum Verkauf von Nieren (Foto: Farshid Alyan)

Mit diesem Aushang wird ein bestehendes Bankdarlehen zum Verkauf angeboten - eine Transaktion, die illegal ist. Der Aushang befindet sich in der Nähe einer Bankfiliale (Foto: Farshid Alyan)

Auf diesen Aufklebern werden Klempnerarbeiten angeboten (Foto: Farshid Alyan)

Etwas bescheidenere Formen der Werbung verunzieren so manche Wand (Foto: Farshid Alyan)

Sogar an den Außenmauern von Krankenhäusern finden sich handgeschriebene Angebote zum Verkauf menschlicher Organe, z. B. Nieren, die für 10.000 bis 20.000 Dollar angeboten werden.

Mit dieser handschriftlichen Privatanzeige an der Mauer einer privaten Teheraner Nierenklinik werden Nieren zum Verkauf angeboten (Foto: Farshid Alyan)

Veröffentlicht bei Payvand News am 24. Januar 2011
Quelle (Englisch): http://www.payvand.com/news/11/jan/1233.html

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