Karroubis Sohn 6 Stunden lang verhört

Mehdi Karroubi

Rooz, 30. Januar 2011 – Hossein Karroubi, der älteste Sohn des bekannten reformorientierten Geistlichen Mehdi Karroubi, ist nach sechsstündigem Verhör aus dem Hochsicherheitsgefängnis Evin freigelassen worden. Es war diese Woche bereits das  zweite Mal, dass er zum Verhör ins Evin-Gefängnis bestellt wurde. Wie ein Rooz-Reporter aus Teheran berichtet, wurde Hossein Karroubi zu seinen Interviews über die Gräuel von Kahrizak befragt, wo es [im Sommer 2009] zu Vergewaltigungen, Mord und Folter von Gefangenen [inhaftierten Demonstrationsteilnehmern] gekommen war. Hossein Karroubi wurde mitgeteilt, dass er mit diesen Interviews die Ehre des Landes beschädigt habe. Während der Verhöre wurde Herrn Karroubi vorgeworfen, sich gegen den obersten Führer des Landes gewandt und ihn in den besagten Interviews geschwächt zu haben, nachdem [Büro und Wohnung] seines Vaters im letzten Jahr von Agenten in Zivil und Basijis durchsucht worden waren.

Im Februar 2010 hatten sich mehr als 50 Agenten in Zivil, darunter auch einige Frauen, vor Mehdi Karroubis Haus versammelt und Parolen gegen ihn, Mir Hossein Moussavi und Mohammad Khatami – alle drei Führer der iranischen Grünen Bewegung, die die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl von 2009 anfechten – skandiert, sein Haus beschädigt und die Behörden zum Vorgehen gegen den Geistlichen aufgefordert.

Während der Feiertage zu Ghadar und Fitr wurde Mehdi Karroubis Haus nochmals umstellt, es wurde Feuer gelegt, während die umstehende Polizei zusah.

In den letzten Monaten hatten sich immer wieder Sicherheitskräfte vor Mehdi Karroubis Haus postiert und Besucher am Betreten des Hauses gehindert. Unter diesen Besuchern befand sich auch der führende Geistliche Ayatollah Bayat Zanjani. Karroubis Ehefrau sagte damals der Presse gegenüber, ihr Haus befände sich in einem „vorübergehenden Belagerungszustand“.

Nach diesen gewaltsamen Übergriffen auf das Haus seines Vaters hatte Hossein Karroubi über die Medien die Öffentlichkeit informiert.

Die Vorladungen und Verhöre letzte Woche haben mit seinen Fragen zu den Übergriffen auf das Haus seines Vaters zu tun. Nachdem er Evin wieder verlassen hatte, erklärte Hossein Karroubi gegenüber Rooz, es habe ein mehrstündiges Verhör stattgefunden, es seien jedoch keine formalen Anschuldigungen gegen ihn erhoben worden. Alle Verhöre seien jedoch schriftlich festgehalten worden. Die meisten Fragen hätten sich auf ein Interview mit der Webseite Saham News bezogen, die zur [Mehdi Karroubis] Partei „Etemaade Melli“ (Nationales Vertrauen) gehört.

Vor zwei Tagen hatten mehrere Zeitungen berichtet, dass Hossein Karroubi verhaftet worden sei. Zwischenzeitlich sagte Mehdi Karroubis Ehefrau Fatemeh Karroubi gegenüber Rooz: „Hossein verließ das Haus gegen 10:30 Uhr, und ich habe ein paar von den Kindern mit ihm geschickt. Gegen 16 Uhr riefen sie uns an und sagten, dass ein Mann in einem schwarzen Hemd aus dem Evin-Gefängnis gekommen und gesagt hätte, dass Hossein verhaftet wurde. Der Mann habe sie nach Hause geschickt. Aber irgendwann kam Hossein heraus.“

Frau Karroubi fügte hinzu, dass die Behörden mit solchen Aktionen versuchen würden, die Familie unter Druck zu setzen. Sie wiederholte, dass die Behörden mit diesen Druckmitteln keinen Erfolg haben würden und dass die Familie sich davon nicht erschüttern lasse. „Schauen Sie sich an, was diese Leute tun. Vor einiger Zeit haben sie ein Foto von Herrn Karroubi aus der Zeit veröffentlicht, als er im 6. Parlament saß und im Krankenhaus war. Sie haben behauptet, dass er bei schlechter Gesundheit ist. Dabei geht es ihm gut und er ist guten Mutes. Wir bedauern, dass die Webseite der Revolutionsgarden diese Behauptung veröffentlicht und sich über den [möglichen bevorstehenden] Tod von jemandem freut, dabei aber von sich behauptet, muslimisch zu sein. Was sie da behaupten, sind nur ihre Hoffnungen und Wünsche.“

Leyla Tayeri

Veröffentlicht bei Rooz Online am 30. Januar 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/january/30/article/karoubis-son-interrogated-for-six-hours.html

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