„Grüne Pharaonen“: Neue Namen für Moussavi und Karroubi

Rooz, 2. Februar 2011 – Unmittelbar nachdem Mir Hossein Moussavi sein Statement zu den Entwicklungen im Nahen Osten abgegeben hatte, reagierten Ahmadinejad-treue Nachrichtenseiten in Iran mit Verbalattacken und werteten das Statement als Bestätigung der Vorwürfe der (Ahmadinejad-Unterstützer der) Prinziplisten gegen die Führer der Grünen Bewegung in Iran. Eine der Nachrichtenseiten nannte Moussavi und Karroubi „die grünen Pharaonen“.

Der Führer der oppositionellen Grünen Bewegung in Iran hatte in seinem Statement die jüngsten Ereignisse in Ägypten und die Protestbewegungen in der Region mit der iranischen Protestbewegung verglichen und die Ereignisse im Nahen Osten als eine Fortsetzung des von den iranischen Grünen im Jahre 2009 eingeschlagenen Weges bezeichnet.

Säkularismus als verbindendes Element

Sowohl iranische als auch von internationale Medien wie CNN und BBC berichteten eingehend über Moussavis Statement. Die Reaktion offizieller iranischer Nachrichtenmedien folgte auf dem Fuße.

Die Ahmadinejad nahestehende Webseite Raja News, die sich an die Spitze der Angriffe gegen die Führer der Grünen Bewegung gesetzt hat, schreibt:
„Vielleicht denkt Moussavi, dass der Aufruhr (so die offizielle iranische Bezeichnung für die Massenproteste gegen die Präsidentschaftswahl 2009) und diese Ereignisse (in Ägypten, Tunesien und anderen Ländern des Nahen Ostens), Ähnlichkeiten aufweisen. Der eigentliche Unterschied im Wesen dieser Ereignisse jedoch, also denen in Iran 2009 und denen in Tunesien, Ägypten, Jordanien und Yemen heute, hilft dabei, zu verstehen, wo die politische Zukunft der Region liegt.“

In seinem Statement schreibt Moussavi, was sich in den Straßen von Tunis, Sanaa, Kairo, Alexandria und Suez ereigne, habe seinen Anfang in den Demonstrationen von Millionen Iranern in Teheran am 15., 18. und 30.  Juni 2009 genommen.

Die Webseite Raja News schreibt zu Moussavis Vergleichen folgendes: „Die Demonstranten bei den Protesten gegen die Präsidentschaftswahl waren pro-westlich eingestellt, ihre Anführer hatten enge und freundschaftliche Verbindungen zum Westen. Das ist der Grund, warum viele von ihnen nach London flohen, als der Grüne Aufruhr scheiterte. Sie wollten sich vor dem Zorn von Millionen Iranern in Sicherheit bringen. Andere sind in die USA geflohen. Was hingegen den Zorn der Araber hervorgerufen hat, ist die westliche Ausrichtung ihrer Führer.“

Vor wenigen Wochen hatte die Revolte in Tunesien zur Flucht des Landesführers Zine al-Abidine geführt. In Ägypten, Jordanien und Yemen gingen die öffentlichen Demonstrationen weiter, in einigen ägyptischen Städten wie Kairo und Alexandria hat das Volk die Straße übernommen.

Bei Raja News heißt es dazu: „Die Gruppen, die die Revolten anführten, hatten eins gemeinsam: Sie waren säkular.  Die Nationale Front, die Iranische Freiheitsbewegung, die Royalisten und Reformer nach amerikanischem Vorbild, sogar die Baha’is und die Volksmojahedin haben sich in ihrem säkularen Ruf nach einer Iranischen Republik vereint. In Ägypten hingegen besteht die Opposition gegen Mubarak hauptsächlich aus der Muslimischen Bruderschaft, einer islamistisch ausgerichteten Bewegung.“

Diese Behauptung, die Muslimische Bruderschaft sei die führende oppositionelle Kraft in Ägypten, steht in Kontrast zu den aus Ägypten kommenden Berichten, die darauf verweisen, dass die Oppositionsbewegung sich über ein weites Spektrum erstreckt und auch nichtreligiöse Gruppierungen einschließt. Viele der protestierenden Gruppen haben Friedensnobelpreisträger Mohammad El Baradei zu ihrer Führungsfigur gewählt. Seine Führung der Übergangsregierung ist auch von der Muslimischen Bruderschaft akzeptiert worden.

Brennende Müllcontainer

Die dem Prinziplisten und Parlamentsabgeordneten Alireza Zakani nahestehende Webseite Jahan hat Moussavis Statement ebenfalls scharf kritisiert und Moussavis Vergleich der beiden Situationen als Karikatur bezeichnet. „Moussavis Vergleich des Sturzes eines diktatorischen arabischen Regimes und der Volksbewegung der ägyptischen Jugend mit den brennenden Müllcontainern in Teheran kommt einer Karikatur gleich“, heißt es dort.
Die Seite Jahan News, die oft als Seite des Geheimdienstes der Revolutionsgarden bezeichnet wird, schreibt, Moussavi sei für seine „große Lüge von 2009“ bekannt. „Das nach Freiheit und Gerechtigkeit strebende ägyptische Volk wird mit arabischen Diktatoren zweifelsohne so umspringen, wie das iranische Volk mit den grünen Pharaonen umgesprungen ist“ – eine Anspielung auf die Grüne Bewegung, die nach der gefälschten Präsidentschaftswahl von 2009 in Iran entstand.

Iran Network ist die dritte prinziplistentreue Seite, die Moussavis Statement attackiert und ihm vorwirft, das Regime stürzen zu wollen. Die Seite behauptet zudem, in Moussavis Statement werde dieser Vorwurf sogar implizit akzeptiert. Weiter heißt es: „In seinem Statement bezieht sich Herr Moussavi zwar auf die weitverbreiteten Demonstrationen in arabischen Ländern wie Ägypten und Tunesien, erwähnt aber nicht die Verbindungen dieser beiden Länder zu ihren westlichen Unterstützern. Er beschränkt sich darauf, die dortigen Volksrevolutionen zu loben.“

Wie anderer Ahmadinejadtreue Nachrichtenseiten bezeichnet auch Iran Network Moussavis Vergleich der iranischen Protestbewegung mit denen der arabischen Länder als „Behauptung“ und nennt die Teilnehmer der Demonstranten gegen Ahmadinejad in Iran „Straßenmob“.

„Zwar haben Beweise wie ausgesprochene und sogar finanzielle Unterstützung westlicher und zionistischer Regimes für Moussavi und Hosni Mubarak Moussavis Behauptungen über Ähnlichkeiten zwischen den Protesten in Iran und denen in arabischen Ländern widerlegt, doch seine implizite Anerkennung des gegen ihn vorgebrachten Hauptvorwurfs ist bemerkenswert“ schreibt Iran Network.

Moussavi habe die „außergewöhnlichen Wahlen von 2009 und die Stimmen von 40 Millionen Menschen“ nicht akzeptiert und dann „einen Plan verfolgt, von dem es heißt, dass er von den USA und den Zionisten ausgearbeitet wurde, um die Islamische Republik zu stürzen“, heißt es in dem Artikel weiter.  Moussavis mangelnde Unterstützung für Mubarak sei lediglich Fassade, um „seine Vereinbarungen mit dem Weißen Haus“ zu verschleiern. Wie andere [regimetreue] Seiten auch behauptet Iran Network, Moussavi habe aus dem Weißen Haus finanzielle Unterstützung erhalten.

Abschließend schreibt der Verfasser des Artikels, Moussavi habe „den gegen ihn erhobenen Vorwurf eingeräumt, die Islamische Republik zu einer Zeit stürzen zu wollen, als Offizielle aus Politik und Sicherheit immer wieder betonten, dass die Ereignisse von 2009 in Iran ein perfektes Beispiel für eine Verschwörung des Westens zum Sturz des Regimes waren.“

Veröffentlicht bei Rooz Online am 2. Februar 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/february/02/article/green-pharaons-new-names-for-mousavi-and-karoubi.html

2 Antworten zu “„Grüne Pharaonen“: Neue Namen für Moussavi und Karroubi

  1. Schade, es ist in Ägypten zu dem gekommen, was wohl unvermeidlich war. Jetzt wird um die Macht gekämpft. Brandbomben fliegen, Schüsse fallen, Menschen werden gejagt. In Kairo findet eine regelrechte Schlacht zwischen Regimegegnern und Mubarak-Getreuen statt. Am Abend forderte die Armee im Staatsfernsehen den Abzug der Demonstranten vom Tharir-Platz. Mir tun die ganzen armen Menschen einfach leid. Warum, musste es nur dazu kommen.

    • Das ist wohl das unvermeidliche Muster, dem sterbende Diktaturen folgen… so etwas war früher oder später zu erwarten und ist ein weiterer großer Fehler Mubaraks auf dem Weg zum Ende seiner Herrschaft. Es ist sehr traurig, aber nicht das Ende – da bin ich mir ziemlich sicher.

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