Protest gegen Repression: Türkischer Regisseur weist iranischen Filmpreis zurück

Semih Kaplanoğlu

Zamaaneh, 11. Februar 2011 – Der türkische Filmemacher Semih Kaplanoğlu wird eine Auszeichnung des internationalen Fajr-Filmfestivals aus Protest gegen die Verurteilung der iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Mohammad Rasoulov nicht annehmen. Dies berichtet die Webseite Iran Balkan.

Panahi und Rasoulov wurden nicht nur wegen „regimefeindlicher Propaganda“ zu sechs Jahren Haft verurteilt, sondern auch mit einem 20jährigen Berufsverbot belegt.

Kaplanoğlu, der für seinen Film „Bal“ (Honig) mit einem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, hatte bereits vor der Preisverleihung seinen Protest gegen die beiden Urteile zum Ausdruck gebracht, als er einen gemeinsamen Protestbrief mitunterzeichnete. Außerdem hatte er Panahis Inhaftierung in einer öffentlichen Ansprache im Istanbuler Beyoğlu-Kino kritisiert.

Laut Iran Balkan erklärte Kaplanoğlu die Tatsache, dass sein Film überhaupt beim Fajr-Festival gezeigt wird, wie folgt: „Der internationale Verleiher meiner Filme, die Match Factory, hatte „Bal“ letztes Jahr an Iran verkauft, wie schon die beiden vorigen Filme aus meiner „Trilogie des Yusuf“. In diesen Fällen wurde die Entscheidung darüber, ob ein bestimmter Film an einem Festival teilnimmt oder nicht, von dem jeweiligen Filmverleih in dem betreffenden Land getroffen.“

Kaplanoğlu zufolge habe er erst bemerkt, dass sein Film bei dem Festival gezeigt wird, als er über die Auszeichnung für das beste Drehbuch informiert wurde. Er habe über seinen Verleih öffentlich erklärt, dass er den Preis für „Bal“ nicht annehme.

Das 29. Fajr-Filmfestival, das größte cineastische Ereignis in Iran, begann am 5. Februar. Bei der Eröffnungsfeier hatten der Filmveteran Massoud Kimiyai und Pouran Derakhshandeh sich ebenfalls für Panahi eingesetzt und die Behörden aufgefordert, sein Urteil zu widerrufen.

Auch bei der gestrigen Eröffnung der Berlinale wurde auf die Situation der beiden Filmemacher aufmerksam gemacht. Panahi hätte eigentlich in der Jury sitzen sollen – bei der Pressekonferenz wurde mit einem leeren Stuhl demonstrativ auf sein Fehlen hingewiesen.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 11. Februar 2011
Quelle (Englisch): http://www.radiozamaneh.com/english/content/turkish-filmmaker-turns-down-iranian-film-award-protest

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